Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Eintracht Frankfurt: Niko Kovac und Pal Dardai: Für immer Konkurrenten

Von Heute sind Niko Kovac und Pal Dardai Trainer bei Eintracht Frankfurt und Hertha BSC. Früher wetteiferten sie um einen Platz im Hertha-Mittelfeld.
Niko Kovac Foto: imago Niko Kovac
Frankfurt. 

Als Berliner und Kenner der Fußball-Geschichte in der Hauptstadt zaubert ihm dieses Duell ein genießerisches Lächeln ins Gesicht. Am Sonntag kehrt aber nicht nur Kevin Prince Boateng mit der Frankfurter Eintracht zurück nach Berlin. Auch die Chefs auf den Trainerbänken feiern ein Wiedersehen in der Bundesliga. „Dardai gegen Kovac“, sagt Boateng nur – und grinst wieder. Das Treffen wird von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Aber da ist noch mehr, und es sitzt tiefer. Der heutige Berliner Trainer Pal Dardai und der heutige Frankfurter Trainer Niko Kovac waren einst bei Hertha BSC Mannschaftskollegen. In erster Linie waren sie jedoch Konkurrenten. Und so lange sie im Fußball tätig sind, wird das auch immer so bleiben.

Herthas Trainer Pal Dardai. Bild-Zoom Foto: Marius Becker (dpa)
Herthas Trainer Pal Dardai.

Kovac war es, der den Ungarn damals aus der Startelf bei Hertha verdrängt hat. Hängen geblieben ist davon nichts. „Ich bin deshalb jetzt nicht extra motiviert“, sagte Dardai vor dem ersten Wiedersehen als Trainer. „Unser Verhältnis war damals gut und ist es jetzt auch. Ich respektiere ihn.“ Zumal ja nicht nur Dardai Grund hätte, auf Kovac sauer zu sein, umgekehrt ist es genauso. „Einmal musste Niko warten, einmal ich“, erinnert sich Dardai.

Kovac tritt aufs Gaspedal

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic erwartet für das Auswärtsspiel bei Hertha BSC am Sonntag (15.30 Uhr) einen „Abnutzungskampf“. Das sieht der Trainer wohl genauso.

clearing

Kovac war im Sommer 2003 von den Bayern in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt. Nicht zuletzt mit ihm verbanden sich bei Hertha große Hoffnungen, die Mannschaft rief die Champions League als Saisonziel aus – am Ende der Hinrunde aber lag sie mit gerade mal 13 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz.

In der Winterpause verpflichtete Hertha für den Abstiegskampf den erfahrenen Hans Meyer. Der neue Trainer tüftelte in der Vorbereitung lange an der passenden Besetzung für das defensive Mittelfeld. Weil Kovac für Meyers Geschmack jegliches Gespür für Gefahr vermissen ließ, spielte er fortan keine Rolle mehr bei den Profis.

So ist es in Berlin überliefert. Nur zwei Mal wurde Kovac von Meyer noch eingewechselt. Dardai hingegen stand stets in der Startelf, fehlte nur am letzten Spieltag wegen einer Gelbsperre.

In der Saison darauf, nachdem Falko Götz Hans Meyer als Trainer abgelöst hatte, war es genau umgekehrt. Kovac spielte bei seinen 30 Einsätzen immer von Anfang an, während Dardai nach dem dritten Spieltag nur noch vier Mal in der Startelf auftauchte.

Ihre Rolle im defensiven Mittelfeld haben beide unterschiedlich interpretiert. Kovac hat sich mehr als Spielmacher aus der hinteren Reihe verstanden, Dardai war der klassische Kämpfer, der Lücken zugelaufen ist und Bälle erobert hat. Umso bemerkenswerter sind die Parallelen nach dem Ende ihrer Karrieren als Spieler. Beide haben als Nachwuchstrainer angefangen, haben in jungen Jahren bereits die Nationalmannschaft ihres Heimatlandes trainiert, ehe sie in der Bundesliga als Retter in der Not eine Anstellung als Vereinscoach fanden, Dardai im Februar 2015 bei Hertha, Kovac im März 2016 bei den Frankfurtern. Beide schafften den Klassenerhalt, und für beide ging es anschließend mit ihren Clubs nach oben.

Und so gehen sie mit professioneller Nettigkeit miteinander um. Kovac (46) kann „nur Positives“ über den vier Jahre jüngeren Dardai berichten. „Er war damals schon ein Typ wie ich: Er gibt alles für sich und seine Mannschaft.“ „Wir hatten beide schon früher großen Respekt voreinander“, ergänzt Dardai. Ihr Kämpfer-Gen haben sie auf ihre Mannschaften übertragen. „Ein bisschen sind sie sich ähnlich“, sagt auch Kevin Prince Boateng: „Die Hertha ist auch eklig zu bespielen wie wir. Sie stehen gut, laufen viel, hauen dazwischen. Das wird spannend.“

Für Kovac wird es ohnehin ein emotionales Spiel. „Ich habe eine besondere Bindung zu der Stadt und dem Verein. Ich bin in Berlin geboren, die Hertha hat mir 1991 die Chance gegeben, Zweitliga-Profi zu werden, zudem wohnen meine Schwiegereltern und viele Freunde dort“, hat er vor seiner ersten Rückkehr als Trainer gesagt. Kovac lief bis 1996 für den Hauptstadt-Club auf, nach den Stationen in Leverkusen, Hamburg und München kehrte er 2003 wieder dorthin zurück.

Während Kovac als Spieler immer wieder einen Tapetenwechsel suchte, lief Dardai von 1997 bis 2012 durchgängig für die Hertha auf. Und er hat den Staffelstab schon weitergereicht. Anfang April hat Pal Dardai seinen 17 Jahre alten Sohn Palko, der in der Hertha-Jugend spielt, erstmals für den Profi-Kader nominiert.

Zur Startseite Mehr aus Eintracht Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse