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Eintracht Frankfurt: Niko Kovac verabschiedet sich doch noch als Held aus Frankfurt

Von Gegen seinen neuen Club zeigt Niko Kovac, was für ein guter Trainer er ist – in einem sensationellen Happy End mit besonderer Schlusspointe.
Diese Freude muss man im Bild festhalten: Niko Kovac weiß die Eintracht-Fans hinter sich. Foto: Cathrin Müller/M.i.S. (Pressefoto M.i.S., Mindelheim) Diese Freude muss man im Bild festhalten: Niko Kovac weiß die Eintracht-Fans hinter sich.
Berlin/Frankfurt. 

Er hatte das Mikrofon schon eine Weile nicht mehr aus der Hand gelassen, aber eines wollte er unbedingt noch sagen. „Ich liebe es zu reden, sorry. Und ich bin ein bisschen betrunken“, entschuldigte sich Kevin-Prince Boateng vorab, aber das hätte er gar nicht tun müssen. Dem Anführer der Frankfurter Eintracht am Samstagabend auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions und Wortführer am Sonntagnachmittag auf dem Römerbalkon gelang am Pfingstwochenende fast alles, und so brachte er auch die heikle Chefsache auf den Punkt, auf seine Weise. „Wir alle haben gedacht: Was macht der? Geht zu den Bayern? Aber er hat uns den Pokalsieg gebracht und zwei Jahre überragende Arbeit vergoldet“, fasste Boateng zusammen und folgerte kurzerhand unter dem Jubel der abertausend Anhänger, die sich über den Römerberg und drumherum verteilt hatten: „Jetzt kann er zu den Bayern gehen.“

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Da lachte auch Niko Kovac, dem diese Worte galten. „Ich bin jetzt weg, aber ich werde diesen tollen Club immer im Herzen tragen“, rief der scheidende Trainer, nach einer kinoreifen Versöhnung im großen Stil, voll brisanter Handlungssträngen, mit dem Happy End im Finale gegen den vermeintlich übermächtigen FC Bayern. Sein von einigen Scheinheiligkeiten begleiteter Wechsel zu den Münchner Rekordmeister hatte sein bis dahin hohes Ansehen unter vielen Fans auf einen Schlag in tiefe Enttäuschung verwandelt. Mit dem Coup seines alten Clubs gegen den neuen aber bescherte er sich einen krönenden Abschluss, der alles andere überstrahlte. „Wenn man als Underdog einen solchen Titel holt, ist das schon beachtlich“, durfte der 46-jährige Kroate mit Berliner Wurzeln zu Recht für sich in Anspruch nehmen. Zumal die sensationellen Ereignisse dieses Samstagabends im Olympiastadion, wo seine eigene Profikarriere begonnen hatte, nicht zuletzt dem Trainer zuzuschreiben waren.

Die Tränen fließen

In den nach einer lange überragenden Saison so enttäuschenden letzten Bundesliga-Wochen hatte er selbst öfter daneben gelegen. In Berlin aber gingen alle Pläne auf. Etwa die Versetzung Boatengs in die Spitze oder die Abwehrvarianten mit dem ebenso überragenden Makoto Hasebe, der erst ein paar Meter vor und später mitten in der letzten Reihe alle Löcher stopfte. Die Aufstellung stimmte ebenso wie die Einstellung. „Der Erfolg gehört zu 90 Prozent ihm. Seine Ansprache hat uns wieder auf den Punkt motiviert“, berichtete Boateng. Das beeindruckte auch den alten Freund, Gegner und künftigen Kollegen: „Niko hat das Team perfekt eingestellt und die richtigen Knöpfe gedrückt“, lobte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der Kovac nach München geholt hatte.

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Dass dieser dabei wieder ohne Rücksicht auf Sentimentalitäten vorgegangen war, hatte seine Sympathiewerte erst einmal nicht gesteigert. Als vor dem Anpfiff der Kader vorgelesen wurde und auch noch der von den Fans verehrte Alexander Meier fehlte, ertönte beim Namen des Trainers ein Pfeifkonzert aus der eigenen Kurve. Aber diesmal bestätigten ihn die Ereignisse des Spiels. Als der Wahnsinn vollbracht war, umarmte Kovac erst Sportvorstand Fredi Bobic, dann Boateng lange und innig, ehe er sich der Kurve näherte, ein Schauspiel für sich: Es begann mit leisem Beifall und steigerte sich in frenetische Sprechchöre, und irgendwann konnte Kovac nicht mehr, da flossen die Tränen und da wirkte er gar nicht mehr so wie der eiskalte Karrierist, den so mancher nach dem Bekanntwerden seines Seitenwechsel nur noch in ihm gesehen hatte.

Rückkehr zum Supercup

„Er musste harte Entscheidungen treffen für Eintracht Frankfurt. Aber er ist ein sehr emotionaler Mensch“, brach Bobic eine Lanze für den Freund, Kovac wiederum entschuldigte sich bei seinen Spielern gar zu nächtlicher Stunde: „Es tut mir leid, wenn ich euch nicht immer so behandelt habe, wie ihr das wolltet“, sagte er da. Freimütig räumte er ein: „Ich will hoch hinaus, deshalb fordere ich viel.“ Die Eintracht hat er in nur zwei Jahren vom Fast-Absteiger zum Cup-Gewinner geformt, indem er gemacht hat, was ein Trainer machen muss: versuchen, die ganze Mannschaft und jeden einzelnen Spieler zu verbessern.

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Mit einem Eintrag ins Geschichtsbuch und als einer der erfolgreichsten Trainer dieses Clubs verabschiedet sich Kovac, bis zum Wiedersehen dauert es nicht lange: „Das erste Pflichtspiel der neuen Saison heißt Eintracht Frankfurt gegen Bayern München“, wies er selbst auf die Schlusspointe dieses Frankfurter Fußballmärchens hin: Als Pokalsieger empfängt die Eintracht die Münchner Meister mit ihrem neuen Trainer. So kann Niko Kovac auch gerne wiederkommen.

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