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Eintracht Frankfurt: Rolle rückwärts wegen Rebic

Ante Rebic kehrt nun doch zurück zur Eintracht. Das spricht für eine veränderte Personalpolitik und ist der sportlichen Not geschuldet.
Als wäre er nie weg gewesen: Ante Rebic, hier nach seinem Tor im Pokalfinale, hat die Eintracht wieder ins Herz geschlossen. Foto: Bernd Thissen (dpa) Als wäre er nie weg gewesen: Ante Rebic, hier nach seinem Tor im Pokalfinale, hat die Eintracht wieder ins Herz geschlossen.
Frankfurt. 

Nach der gestrigen Vormittagseinheit, so gegen 13 Uhr, hüllte sich Trainer Niko Kovac noch in Schweigen. So beharrlich wie seit Beginn der Trainingswoche. Nur eine halbe Stunde später verschickte die Frankfurter Eintracht ein ausführliches Statement zum Wechsel von Ante Rebic kurz vor Transferschluss. Darin wird ein Niko Kovac in plötzlicher Plauderlaune zitiert: „Es hat sich kurzfristig die Möglichkeit ergeben, Ante zu verpflichten. Er hat in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt, dass er uns helfen kann.“

Man konnte aber auch überdeutlich herauslesen, dass das Verhältnis des Frankfurter Coaches zu seinem kroatischen Landsmann ein durchaus ambivalentes ist: „Ante muss das eine oder andere lernen – dabei werden wir ihn unterstützen.“ Unterm Strich steht allerdings für Kovac: „Ohne Frage: Mit ihm gewinnen wir Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit in unserem Spiel hinzu.“

Er mag es gerne auch mal rustikal: Ante Rebic (rechts), hier gegen den Wolfsburger und ehemaligen Frankfurter Sebastian Jung. Bild-Zoom Foto: Christian Klein (FotoKlein)
Er mag es gerne auch mal rustikal: Ante Rebic (rechts), hier gegen den Wolfsburger und ehemaligen Frankfurter Sebastian Jung.

Der 23 Jahre alte Flügelstürmer wird wie schon in der vergangenen Saison für ein Jahr vom italienischen Erstligisten AC Florenz ausgeliehen. Für die Zeit danach sicherte sich die Eintracht erneut eine Kaufoption. Die hatte es schon in der vergangenen Saison gegeben. Die Eintracht verzichtete dann aber darauf, die ausgemachten 3,2 Millionen Euro nach Italien zu überweisen.

„Wir hatten uns zuerst gegen eine Verpflichtung entschieden, weil auch das Gesamtpaket nicht unseren Vorstellungen entsprach“, erklärt Sportvorstand Fredi Bobic nun: „Kurz vor Ende der Transferperiode hat sich nun die Möglichkeit zu einem für uns lukrativen Geschäft ergeben, die wir ergreifen konnten. Nun gewinnen wir einen Spieler, dessen Fähigkeiten wir kennen, der sich leicht in den Kader integrieren lassen und uns weiter verstärken wird.“

Pokal-Termine

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Partien der zweiten Pokal-Runde genau terminiert. Die Frankfurter Eintracht tritt am Dienstag, 24. Oktober, beim Regionalligisten Schweinfurt 05 an. Anpfiff ist um 20.

clearing

Rebic bestritt in der vergangenen Saison 24 Bundesliga-Spiele für die Eintracht und schoss dabei zwei Tore. Auch beim Pokal-Endspiel gegen Borussia Dortmund (1:2) erzielte er das Frankfurter Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Der erneute Wechsel nach Frankfurt ist eine weitere Wendung in der wechselvollen Beziehung zwischen der Eintracht und dem Kroaten. Noch vor ein paar Monaten schien es ausgemachte Sache zu sein, dass der Flügelspieler am Main bleiben würde. Rebic war einer der wenigen Auffälligen in einer Mannschaft, die immer mehr im Strudel des Misserfolges unterging.

Der bullige Angreifer war einer, der Wirbel machte, sich wehrte und nie aufgab. Es passte ins Bild, dass Rebic beim Pokalfinale in Berlin gegen Borussia Dortmund traf. Dass ihn die Eintracht fest unter Vertrag nehmen würde, stand eigentlich außer Frage. Kovac und auch Sportdirektor Bruno Hübner hatten diesbezüglich klare Signale gesendet.

Die zwischenzeitliche Absage war einigermaßen erstaunlich, denn Kovac galt seit seiner Zeit als kroatischer Nationaltrainer, in der er Rebic zum Nationalspieler gemacht hatte, als Fürsprecher des Stürmers. Doch so richtig gut miteinander ausgekommen sind die beiden nicht. „Manchmal hat er Sachen gemacht, die waren Wahnsinn, aber dann hat er mich auch in den Wahnsinn getrieben“, hat Kovac noch vor nicht allzu langer Zeit in einem Interview gesagt. Und weiter: „Manchmal war Ante so, dass er im Training alles überrannt hat. Manchmal haben sich die Journalisten, die draußen standen, mehr bewegt.“

Gegen Rebic sprach sein unsauberes Spiel, die vielen Verwarnungen. So wirklich torgefährlich präsentierte sich der Rechtsaußen auch nicht. Was hinzukommt: Kovac war über seinen einstigen Lieblingsschüler und „Ziehsohn“ mitunter verärgert, weil er zu wenig Defensivarbeit verrichtete.

Warum nun die Kehrtwende? Zum einen ist Rebic preiswerter geworden. Ganz offenbar hat der AC Florenz den bis 2018 laufenden Vertrag verlängert, um der Eintracht die Möglichkeit eines weiteren Leihgeschäfts möglich zu machen. In Florenz hatte Trainer Stefano Pioli keine Verwendung für den Angreifer, Rebic kehrte zurück auf den Spielermarkt. Der eine oder andere Club, darunter auch Aufsteiger Hannover 96, hatte sich Gedanken über ihn gemacht, aber verworfen.

Und so ist die Eintracht wieder ins Spiel gekommen. Angeblich drei Millionen Euro hätten die Frankfurter noch vor ein paar Wochen zahlen müssen, dazu ein ziemlich hohes Gehalt. Jetzt eben nur noch eine weitere Leihgebühr. Zudem hat Rebic wohl Abstriche beim Honorar akzeptiert. Die Transferausgaben inklusive Leihgebühren in diesem Sommer übersteigen inzwischen dennoch deutlich die Zwanzig-Millionen-Euro-Marke. Das ist absoluter Rekord für die Eintracht.

Doch die finanziellen Vorteile des verzögerten Transfers sind nur die halbe Wahrheit. Der sportliche Aspekt wiegt schwerer und war wohl ausschlaggebend. Die ersten Spiele haben nämlich gezeigt, dass die Frankfurter auf den Außenbahnen durchaus Defizite hat. Klappt es mal nicht mit dem Druck über offensive Außenverteidiger, so wie zuletzt im Heimspiel gegen Wolfsburg, werden die Bereiche an den Seitenlinien, vor allem links, zum Brachland. Ein dribbelstarker, individuell gefährlicher Außen kann da nur gut tun.

Möglich wurde die Rückholaktion auch durch die veränderte Personalpolitik dieses Sommers. Spätestens seit dem Transfercoup mit Kevin Prince Boateng haben sich die Frankfurter davon verabschiedet, nicht mehr nur auf das Kollektiv zu setzen, sondern auch individuelle Freiheiten gepaart mit spielerischer Klasse bewusst zuzulassen. Das ist ein Entwicklungsschritt speziell von Trainer Kovac, dem hinter vorgehaltener Hand schon mal die „Gleichschaltung“ aller Profis vorgeworfen wurde. Damit ist nun Schluss. Mit Boateng, mit Rebic, auch mit Jonathan de Guzman gehören inzwischen Profis dem Kader an, die durchaus auch ihren eigenen Kopf haben. Das könnte der Mannschaft gut tun. Wenn denn die Leistung stimmt.

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