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Eintracht Frankfurt: SGE-Museumsleiter: „Wir sind ein Ort der Begegnung“

Am Dienstagabend hat das Eintracht-Museum in der Stadion-Haupttribüne ein kleines Jubiläum feiern können. Zum zehnten Geburtstag der Kultstätte für alle Fans der Frankfurter Eintracht beantwortet Museumsleiter Matthias Thoma zehn Fragen von unserem Redakteur Markus Katzenbach.
Auch er feierte mit: Ex-Kapitän Ioannis Amanatidis. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Auch er feierte mit: Ex-Kapitän Ioannis Amanatidis.
Frankfurt. 

Zum zehnten Geburtstag des Eintracht-Museums beantwortet Museumsleiter Matthias Thoma zehn Fragen von unserem Redakteur Markus Katzenbach.

Wie haben Sie die Geburtstagsfeier erlebt? Das war sicher ein guter Anlass, um sich untereinander die eine oder andere Geschichte zu erzählen, bei den vielen Eintracht-Legenden, die zu Gast waren.

MATTHIAS THOMA: Die Geburtstagsfeier hatte eine ganz besondere Atmosphäre. Viele ehemalige Spieler waren an diesem Abend zu Gast, aber auch viele Wegbegleiter und Freunde des Museums, die unsere Arbeit in den vergangenen zehn Jahren immer unterstützt haben.

Sie haben gleich zwei Hobbys zu Ihrem Beruf gemacht – die Leidenschaft für die Eintracht und das Interesse für Geschichte. Wie wird man vom Fan zum Museumsleiter?

THOMA: Ende der 1990er Jahre haben sich engagierte Fans darum gekümmert, dass die Eintracht am Frankfurter Riederwald einen Raum als Archiv zur Verfügung gestellt hat. Da wurden Pokale, Wimpel, Vereinszeitungen und Sportartikel aus der Geschichte des Vereins gesammelt. Ich war immer wieder zu Gast im Archiv und habe da auch mitgearbeitet. Als das Museumsprojekt auf den Weg gebracht wurde, war ich also schon tief in der Materie.

Am Anfang gab es nur einen kleinen Raum in der alten Eintracht-Heimat am Riederwald. Wie ging es damals zu? Da lag doch bestimmt auch schon der eine oder andere Schatz vergraben.

THOMA: In der alten Tribüne des Riederwalds haben wir tatsächlich viele Schätze gefunden, die heute bei uns ausgestellt wurden. Der Pokal aus La Coruna beispielsweise, der mit 1,50 Metern die größte Trophäe der Eintracht ist, war in einer Schräge der Riederwaldtribüne gelagert.

Auch Adler „Attila“ feierte mit Chef Matthias Thoma den 10. Geburtstag des Eintracht-Museums. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Auch Adler „Attila“ feierte mit Chef Matthias Thoma den 10. Geburtstag des Eintracht-Museums.

Wie ist es dann zur Entstehung eines richtigen Museums gekommen?

THOMA: 2004 hat die Fanabteilung der Eintracht gemeinsam mit dem Vereinsarchiv die Aktion „Eine Meisterschale für Frankfurt“ gestartet. Die Fans haben für ein Replik der Schale von 1959 gespendet. Diese wurde der Meistermannschaft dann zum 45. Jahrestag im Römer übergeben. Die Aktion war ein so großer Erfolg, dass danach mit weiteren Spendenaktionen auch noch der DFB-Pokal und der Uefa-Cup „zurückgeholt“ wurden. Da hat man erkannt, dass die Pflege der Vereinshistorie wichtig ist – und das Projekt „Eintracht-Museum“ gestartet.

Wie kommen Sie eigentlich an Ihre Ausstellungsstücke?

THOMA: Wir versuchen natürlich immer, über ehemalige Spieler an Ausstellungsstücke zu kommen. In der Aktualität bemühen wir uns nach wichtigen Siegen um ein Trikot des Torschützen. Mittlerweile sind aber auch ganz viele Mitarbeiter der Eintracht da sehr sensibel. Aus Berlin haben wir zwar leider keinen Pokal mitgebracht, aber die Kolleginnen und Kollegen haben uns mit zahlreichen Erinnerungen versorgt.

Manchmal braucht man bestimmt auch Glück, um einen besonderen Schatz zu heben. Gibt es in dieser Hinsicht spezielle Erfahrungen?

THOMA: Ehemalige Spieler, aber auch ehemalige Funktionäre, sind gute Ansprechpartner für uns. Manchmal sind es aber einfach auch Gäste, die ihre Schätze vorbeibringen.

Nachts im Museum: „Preussis“ Schuh und ...

Großer Bahnhof anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Eintracht-Museums: Mehr als 350 Gäste wollten die Geburtstagssause in der Empfangshalle des Business-Bereichs der WM-Arena erleben, die bereits Wochen zuvor ausverkauft war.

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Gibt es ein Ausstellungsstück, dass Ihnen besonders am Herzen liegt? Oder eine bestimmte Geschichte, die Sie in zehn Museumsjahren besonders gefreut hat?

THOMA: Für mich sind Stücke aus der Vorkriegszeit vor allem interessant, weil es davon so wenig gibt. An Vereinszeitungen oder Sportartikel der 1920er Jahre zu kommen, ist schwierig. Im Museum haben wir eine Weinflasche, die der Endspielmannschaft 1932 übergeben wurde. Solche Erinnerungen findet man kaum noch, deswegen freue ich mich darüber besonders.

Sind Sie nicht auch immer auf der Jagd nach Erinnerungsstücken, die Sie besonders gerne hätten, aber noch nicht bekommen oder gar nicht gefunden haben? Gibt es da Beispiele?

THOMA: Die Meisterschale von 1992 haben wir bislang noch nicht gefunden. Nein, im Ernst: 1959 hat die Eintracht nach der Deutschen Meisterschaft den Endspielball mit nach Frankfurt gebracht. Es gibt viele Fotos von Trainer Paul Osswald, der ihn in einem Ballnetz bei sich trägt. Diesen Endspielball haben wir bis heute nicht gefunden. Der würde der Ausstellung gut tun.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Museums seit seiner Entstehung insgesamt?

THOMA: Ich glaube, das Museum hat sich zu einem Ort entwickelt, an dem man der Eintracht nahe kommen kann. Für die Fans sind wir greifbar und vieles, was wir ausstellen, gehört auch zur Biographie der Besucher. Daher sind wir oft ein Ort der persönlichen Erinnerung. Für junge Schülerinnen und Schüler, Jugendgruppen und Vereine sind wir aber auch ein Ort des Lernens. Und an Spieltagen sind wir ganz oft ein Ort der Begegnung. Bei jedem Spiel begrüßen wir auch Fans des Gegners in unserem Museum.

Damals waren Sie unter den ersten Vereinen, inzwischen aber haben viele Fußball-Clubs aus den oberen Klassen Museen aufgebaut. Wie wichtig ist ein gewisses Geschichtsbewusstsein für die Gegenwart und Zukunft der ganzen Eintracht?

THOMA: Dieses Geschichtsbewusstsein ist für die Eintracht, aber auch für die anderen Fußballvereine, sehr wichtig. Im Vereinsmuseum kann man sehen, dass die Leute auch schon vor einhundert Jahren über die Eintracht geschimpft haben – und trotzdem wieder hingegangen sind. In sportlich erfolgreichen Zeiten können wir die Leute erden. Und wenn es bei der Eintracht mal nicht läuft, kann man bei uns sehen, dass der Verein schon viele Stürme überlebt hat. Das Museum ist eine Konstante, die in der rasend schnellen Fußballwelt ein wenig Ruhe und Verlässlichkeit bietet.

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