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Eintracht Frankfurt: Sieg gegen Stuttgart: Haller erlöst mit Kunstschuss die Eintracht

Von Die Eintracht schlägt Stuttgart 2:1 – mit einer sagenhaften Schlusspointe nach zähen Mühen. Ministerpräsident Volker Bouffier hat es vorher gewusst.
Nicht zu fassen: Marco Russ (links) und David Abraham (rechts) freuen sich mit Sébastien Haller. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Nicht zu fassen: Marco Russ (links) und David Abraham (rechts) freuen sich mit Sébastien Haller.
Frankfurt. 

Möglicherweise hat Volker Bouffier den falschen Beruf gewählt. Am Samstag jedenfalls offenbarte der hessische Ministerpräsident hellseherische Fähigkeiten, wie Axel Hellmann bald nach dem Abpfiff eines Bundesliga-Nachmittages mit einer sagenhaften Schlusspointe erzählte. „Er hat vor dem Spiel gesagt, wir gewinnen 2:1 und das entscheidende Tor fällt kurz vor dem Ende“, berichtete das Vorstandsmitglied der Eintracht Frankfurt Fußball AG also, als sich die Prophezeiung des ranghöchsten Hessen dann erfüllt hatte – freilich auf eine derart spektakuläre Weise, dass sich das wohl selbst Bouffier nicht hatte vorstellen können, mit einer Art Tor des Monats in letzter Sekunde. Sébastien Haller lag schräg in der Luft, der Ball kurz darauf im Tor, das mit 51 500 Zuschauern ausverkaufte Stadion im Stadtwald verwandelte sich urplötzlich in ein Tollhaus – und einen Anstoß später hatte diese lange quälende Partie ein überglückliches Frankfurter Ende gefunden. Hellmann hatte dabei gar noch „höhere Mächte“ im Spiel gesehen, gleichwohl: „Gegen Stuttgart kann mich nichts mehr überraschen“, parierte er letztlich routiniert, „da erlebst du immer Außergewöhnliches“.

Bilderstrecke Sieg in der Nachspielzeit: Wie die Eintracht Stuttgart wegputzte
So schlug die Eintracht den VfB Stuttgart in der Nachspielzeit mit 2:1.So schlug die Eintracht den VfB Stuttgart in der Nachspielzeit mit 2:1.So schlug die Eintracht den VfB Stuttgart in der Nachspielzeit mit 2:1.

Allzu oft waren diese Erfahrungen aus Frankfurter Sicht keine besonders guten gewesen. Bei dem 2:1 (1:0) am Samstag aber hatte die Eintracht das bessere Ende für sich, weil sich der bis dahin so oft glücklose Sieben-Millionen-Stürmer Haller mit seinem Seitfallzieher das Allerbeste bis zum Schluss aufhob: ein Kunstschuss in der dritten Minute der Nachspielzeit, der aus einer anderen Welt schien als der ganze Kampf und Krampf der 92 Minuten zuvor. Dem Rausch dieses erlösenden Moments freilich folgte rasch die gebotene nüchterne Bestandsaufnahme. „Wir sind heute der glückliche Sieger. Ich habe uns heute nicht so viel besser gesehen“, urteilte Trainer Niko Kovac zurecht und ließ durchblicken, dass er mit einem derartigen Erfolgserlebnis nicht mehr gerechnet hatte.

Hallers Traumtor schließlich überstrahlte nicht nur die aufkommende Kritik an der ideenlosen Spielweise und frühen Zweifeln an der Einkaufspolitik im Allgemeinen, sondern auch einen insgesamt wieder einmal sehr überschaubaren Frankfurter Auftritt im Speziellen. „Der erste Heimsieg muss her. Sonst kippt die Stimmung“, hatte Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel schon vorher in seiner Kolumne für diese Zeitung beschrieben, wie wichtig ein Erfolg für die Eintracht im dritten Anlauf in eigener Arena war.

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Dass dieses Unterfangen unverhofft doch noch gelang, verschafft ihr mit nun zehn Punkten aus sieben Spielen eine achtbare Bilanz. Der Grat aber ist schmal. Unübersehbar war, wie schwer sich die Frankfurter auch mit dem Besuch der Stuttgarter Wiederaufsteiger taten. Wie sehr ihr bewährte Verantwortungsträger wie die noch lange aussetzenden Marco Fabián, Omar Mascarell und Alexander Meier fehlen, und am Samstag auch Makoto Hasebe. Und wie viel die umgekrempelte Mannschaft noch an ihrem Findungsprozess arbeiten muss.

Eine Prise Zufall

Gegen Stuttgart mangelte es nicht zum ersten Mal an Witz und Klasse, steilen Kombinationen und Spielkultur, vor allem an der letzten Entschlossenheit – bis zur letzten Sekunde. Es war aber auch ein typisches Kräftemessen für die noch junge Bundesliga-Saison, geprägt von Taktik und Abnutzungskämpfen, voller knapper Ergebnisse und bald einem Dutzend recht gleichwertiger Mannschaften unterhalb der Spitze, die sich vor dem eigenen Tor verschanzen, wenn sie das Glück haben, einmal in Führung zu gehen. Wie die Eintracht gegen den VfB.

3009173798_30092017 Fussball Fußball 1. Bundesliga Saison 2017 /2018  /   Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart
Sebastien Haller trifft in der Nachspielzeit zum 2zu1 Siegtreffer Eintracht
Kommentar zur Eintracht: Wirklich eine Initialzündung?

Wer gesehen hat, wie aufgewühlt Niko Kovac nach dem Siegtor in letzter Sekunde sein Gesicht in den Händen vergraben hat, kann ermessen, unter welchem Druck der Trainer der Frankfurter Eintracht gestanden haben muss.

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Bezeichnend, dass vor beiden Frankfurter Treffern eine Prise Zufall und unfreiwillige Hilfe des Gegners im Spiel war. Vor dem 1:0 in der 42. Minute hatte Stuttgarts Verteidiger Holger Badstuber einen endlich einmal mutigen Pass des nach der Muskelverletzung von Gelson Fernandes im Mittelfeld aufgebotenen und durchaus überzeugenden Marc Stendera in die Füße von Ante Rebic gestolpert. Und vor dem 2:1 köpfte VfB-Stürmer Daniel Ginczek einen eigentlich eher harmlosen Freistoß von Jetro Willems zu Haller. Zwischendrin freilich wäre dieses Spiel beinahe zu Stuttgarter Gunsten gekippt, und es hätte genauso gut auch anders herum ausgehen können.

Die Konstanz fehlt

Simon Terodde köpfte ein paar Sekunden nach seiner Einwechslung das 1:1 (61.) und zwang wenige Minuten später Eintracht-Verteidiger Simon Falette zu einer mit einem Platzverweis bestraften Notbremse – was wiederum zu einer weiteren unerwarteten Wende führte: In Unterzahl rafften sich matte Frankfurter plötzlich richtig auf. „Dass eine Rote Karte notwendig ist, dass sich die Mannschaft wieder auf ihre Tugenden besinnt, dass wieder jeder für den anderen läuft, das ist schade“, tadelte Kovac. „Aber vielleicht haben wir das gebraucht.“ Mit seinen Einwechslungen trug er seinen Teil zu einem gelungenen Schlussakt bei. Marco Russ und Slobodan Medojevic sorgten für mehr Stabilität, der starke Willems für Zug nach vorne. Während der VfB sich „verlor“ und die auch mit einem Mann mehr nötigen Absicherungen vergaß, wie sein Trainer Hannes Wolf sagte. „Nach 75 Minuten wäre es vielleicht für uns verdient gewesen, nach 90 Minuten plus drei ist es verdient für Frankfurt. Das nervt, weil wir auch wissen, dass es unser Ding ist.“

Beste Chancen durch Mijat Gacinovic (78.) und Haller (82.) ließen seine Stuttgarter zu, noch ungestraft – bis Haller im allerletzten Moment zum Scherenschlag ansetzte. „Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben, aber ich sehe auch, dass wir noch einiges verbessern müssen“, fasste Kovac zusammen, dem die arg abwartende Haltung in der zweiten Halbzeit missfiel. Und die mangelnde Konstanz über eine ganze Partie, wie bei den sechs Spielen zuvor. „Wir werden die nächsten zwei Wochen nutzen, damit wir unser Potenzial über 90 Minuten bringen können“, sagte er mit Blick auf die anstehende Länderspielpause vor dem Gastspiel bei Hannover 96.

Vielleicht hilft bei dieser Entwicklungsarbeit auch das erste Erfolgserlebnis in der Heimat. „Mein Tor war eine Riesen-Erleichterung für mich und die Mannschaft“, meinte Sébastien Haller, und: „Ich hoffe, es löst die Verkrampfung bei uns.“ Für Kovac war der erst dritte Heimsieg bei 13 Gelegenheiten in diesem Kalenderjahr in der Art seines Zustandekommens wie „Weihnachten und Ostern an einem Tag“. Während sich Hellman auch über atmosphärische Dinge freute: „Da sieht man mal, wie es ist, wenn zwei Traditionsclubs gegeneinander spielen“, sagte der Eintracht-Vorstand zur Stimmung im Stadion und verteilte noch einen Ratschlag: „Ich habe einige gesehen, die vorher gegangen sind. Das darfst du in Frankfurt niemals machen.“

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