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Eintracht Frankfurt: So könnte es klappen mit einer Pokal-Sensation gegen die Bayern

Von Für den großen Coup im Pokalfinale gegen die Bayern muss bei der Eintracht alles stimmen. Ein paar Hinweise, wie der Plan dafür aussieht, gibt es schon.
Sie tüfteln an der Taktik für das große Berliner Finale: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und sein Anführer Kevin-Prince Boateng. Foto: Jan Huebner (imago sportfotodienst) Sie tüfteln an der Taktik für das große Berliner Finale: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und sein Anführer Kevin-Prince Boateng.
Frankfurt. 

Aus dem Nähkästchen plaudern wollte Kevin-Prince Boateng natürlich nicht so richtig. „Ich kann nur soviel verraten, dass ich die 17 trage und hoffe, dass mich der Trainer aufstellt“, antwortete der Mittelfeld-Boss der Frankfurter Eintracht dieser Tage augenzwinkernd auf die Frage nach der Taktik für den letzten und spektakulärsten Auftritt dieser Saison. Ganz im Geheimen haben Boateng und Co. an dem Plan gearbeitet, den sich ihr ausgerechnet zum ruhmreichen Gegner abwandernder Trainer Niko Kovac für das Endspiel um den DFB-Pokal am Samstag ausgedacht hat. Den Plan für ein Wunder – nichts anderes wäre ein Frankfurter Coup gegen den vermeintlich übermächtigen FC Bayern, und das nicht erst seit dem Niedergang der letzten Bundesligawochen.

 

Wie das klappen könnte? Das eine oder andere liegt auf der Hand, und ein paar Hinweise gab Boateng dann doch noch, mit Verweis auf die beiden jüngsten Bayern-Bezwinger. „Stuttgart hat es vorgemacht: Sie haben überragend verteidigt und mit viel Schnelligkeit gekontert“, erinnerte er an das müde Münchner 1:4 gegen den VfB vom Wochenende, und in einem Sportbild-Interview holte er noch weiter aus. „Wie man Bayern schlagen kann, hat Real Madrid in den Champions-League-Halbfinalspielen gezeigt: aus zwei Chancen vier Tore machen. Die wenigen Chancen, die wir bekommen, müssen wir nutzen. Wir müssen kompakt stehen, dürfen kein Gegentor bekommen. Und wir müssen aggressiv sein. Dazu immer wieder wie Wespen ausschwärmen und Stiche setzen“, führte er aus. Eine Schwäche der Bayern sei vielleicht, dass sie sehr hoch verteidigen würden – und so viel Risiko eingingen, weil wenige Verteidiger inter dem Ball blieben: „Wenn du das als Gegner schnell ausspielen kannst, hast du vielleicht eine Chance.“

Immerhin haben die Bayern von den zurückliegenden fünf Pflichtspielen zwei verloren. Freilich ist Real ein anderes Kaliber als die Eintracht, und vermutlich werden die Bayern am Samstagabend im Berliner Olympiastadion, auf der größten Bühne des deutschen Fußballs, mehr Lust haben als beim für sie bedeutungslosen Bundesliga-Ausklang gegen Stuttgart – der nebenbei für die Frankfurter besonders ärgerlich war, weil der VfB so noch an ihr auf den siebten Platz vorbeizog und sich die Chance auf die Europa League sicherte.

„Fies in den Zweikämpfen“

Unter Kovac indes sah die Eintracht eigentlich immer gut aus gegen die Münchner Rekordmeister – bis auf den peinlichen Besuch vor drei Wochen: Gegen die Münchner C-Elf, in der zwischen den beiden Real-Partien mehrere A-Jugendliche begannen, verlor man 1:4, blutleer, ohne den Behauptungswillen, mit dem man sich so unverhofft weit nach oben gearbeitet hatte. Vor allem wird die Eintracht sich daher wieder auf das besinnen müssen, was sie so lange stark gemacht hat. Marco Russ hat da eine Empfehlung: „Wir haben es in dieser Saison zu 90 Prozent so gespielt, dass wir fies in den Zweikämpfen und als Mannschaft eklig auf dem Platz waren. Gerade gegen Mannschaften wie Bayern oder Dortmund, die versuchen, über das Spielerische zu gewinnen“, meint der Abwehr-Haudegen. „Wir müssen ihnen die Freude nehmen, damit sie ins Grübeln kommen und sich vielleicht über unsere härtere Gangart ärgern.“ Bleibt die Frage, was Felix Zwayer davon hält. Der Berliner Schiedsrichter darf das Finale leiten – und lässt den Spielern in der Regel eine etwas längere Leine.

Und wer weiß? Vielleicht hat die Eintracht ja auch das Glück auf ihrer Seite. „In einem Spiel passieren viele Dinge: Rote Karten, komische Situationen, einer haut mal über den Ball – es gibt so viele Sachen, die dir in die Karten spielen können. Du musst die Momente des Spiels auf deiner Seite haben, dann kannst du so ein Finale gewinnen – egal, wer der Gegner ist“, meint Sportvorstand Fredi Bobic. So wie es daheim im Dezember fast der Fall gewesen wäre. Da hätte Bayerns Abräumer Arturo Vidal nach einem frühen Stockfehler und folgender Notbremse die Rote Karte sehen können. Vidal aber durfte weiterspielen – und köpfte die Bayern zum 1:0-Sieg.

Nur keine Angst

Damals bot Kovac eine Fünferkette in letzter Reihe auf, davor zwei defensive Mittelfeldspieler und neben einem zentralen Angreifer zwei etwas hängende Flügelstürmer – die gleiche Grundordnung wie bei der knappen 1:2-Finalniederlage gegen Borussia Dortmund vor einem Jahr. Gut möglich, dass Kovac seine Elf wieder nach diesem Modell baut. Vielleicht mit Abraham, Hasebe und Salcedo im Abwehrzentrum, da Costa und Willems rechts und links, davor Boateng und Mascarell, Rebic und Wolf und ganz vorne Jovic oder Haller? Besonders ankommen wird es auf Leistungsträger wie Torwart Lukas Hradecky, Boateng oder Ante Rebic, den giftigen Stürmer. „Er ist unheimlich belebend für unser Spiel, wir brauchen ihn einfach, er kann solche Spiele entscheiden“, betont Bobic. Klar ist nicht nur für ihn: „Wir müssen über uns hinauswachsen.“ Ob die ziemlich geschlaucht wirkende Mannschaft dem Abwärtstrend trotzen und sich noch einmal aufraffen kann, für einen letzten Kraftakt?

Das 1:0 im Halbfinale bei Schalke 04 macht da Hoffnung, auch im vorigen Jahr gelang das im Pokal. Und ein wenig verwundbar war der Gegner zuletzt ja auch. Wir dürfen die Bayern nicht unterschätzen, auch wenn sie mal 1:4 verloren haben“, mahnt Boateng. Die Gefahr freilich besteht kaum – da musste er selbst schmunzeln, kaum dass er das ausgesprochen hatte. Schließlich, fügte er an, „spielen wir gegen die Besten der Welt“. Schon treffender ist sein ganz allgemeiner Rat: „Wir müssen unser Spiel durchziehen.“ Und: „Wir dürfen keine Angst haben.“ Sonst hilft auch der beste Plan nichts.

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