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Eintracht Frankfurt: Spitze in der Breite: Großer Eintracht-Kader hilft sehr

Von Russ und Falette tragen mit besonderen Toren zum Sieg gegen Köln bei. Dabei zeigt sich, dass auch Spieler wichtig sind, die nicht immer in der ersten Reihe stehen.
Zwei Matchwinner: Ante Rebic (links) und Marco Russ Foto: Christian Klein (FotoKlein) Zwei Matchwinner: Ante Rebic (links) und Marco Russ
Frankfurt. 

Als der Abpfiff ertönte, fielen sich Marco Russ und Simon Falette in die Arme. Das bot sich an, schließlich standen die zwei Innenverteidiger nah beieinander, ganz positionsgetreu, auf Höhe des eigenen Strafraums. Die beiden hatten aber auch gute Gründe, sich gegenseitig zu gratulieren: Russ und Falette trugen maßgeblich bei zu dem 4:2-Erfolg der Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Köln, und dies nun nicht nur mit ihren Hauptaufgaben in der Abwehrarbeit, sondern ausnahmsweise auch auf der anderen Seite des Spielfeldes. „Es wurde Zeit, dass mal ein Verteidiger dran ist mit Tore schießen“, sagte Falette hinterher. Tatsächlich war bis zu diesem 22. Spieltag noch kein einziger Treffer aus dem Abwehrzentrum gelungen – bis eben Russ und Falette den entscheidenden Doppelschlag landeten, zum 2:1 und 3:1 in der 58. und 64. Minute.

Für beide waren es besondere Treffer. Im Fall von Simon Falette der erste in Frankfurter Farben, im Fall von Marco Russ der erste seit seiner Krebserkrankung, die in den dramatischen Tagen der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg im Mai 2016 festgestellt worden war. Gleichzeitig standen diese Aushilfstorjäger beispielhaft für eine gewisse Qualität der Adlerträger – dass ihr Höhenflug nicht von einigen wenigen Solokünstlern getragen wird, sondern von der ganzen Mannschaft. Und zwar auch von Spielern, die sich in dieser Saison nicht immer in der ersten Reihe wiederfinden.

Immer noch wichtig

So wie Marco Russ. Sein bis zum Samstag letztes Bundesligator hatte er im April 2016 gegen Mainz 05 erzielt, ein ganz wichtiges im Abstiegskampf, in dem er die Eintracht in Abwesenheit des auch seinerzeit verletzten Alexander Meier als Kapitän anführte. Nach der erschütternden Diagnose hatte sich Russ durch die Chemotherapie und zurück auf den Rasen gekämpft, sein Comeback im Februar war eine der schönsten Geschichten der vergangenen Saison. Unangefochtene Stammkraft wie früher ist er nicht mehr, in dieser Liga-Runde stand er erst sechs Mal in der Startelf. Wie wichtig er aber immer noch sein kann, zeigte der 32-Jährige gegen Köln und am Mittwoch zuvor auch schon beim 3:0 im Pokalviertelfinale gegen Mainz 05. Nicht nur als Torschütze, sondern auch als aufmerksamer Abwehrspieler, der viele Gefahren schon im Ansatz bereinigte, etliche Zweikämpfe gewann und obendrein kluge Pässe nach vorne spielte – vor allem auf Danny da Costa, wie in der Entstehung des 1:0.

So wurde zumindest gegen Köln nicht einmal der eigentlich unverzichtbare Abwehrchef David Abraham vermisst, der seit seinem beim 2:1 in Hamburg am 12. Dezember erlittenen Waden-Hämatom passen muss. Gestern trat er immerhin wieder im Training der Reservisten gegen den Ball, sein Rückkehr naht offenbar. „Wir sind traurig, dass David verletzt ist. Wir haben es aber sehr gut kompensiert“, sagte Trainer Niko Kovac und verband dieses Urteil mit einem Sonderlob: „Marco hat es sehr, sehr gut gemacht.“

Für Kollege Falette galt das nicht so ganz. Ihm unterlief in seiner Abwehrarbeit diesmal doch wieder der eine oder andere Schnitzer. Insgesamt aber scheint der Trend in der Rückrunde auch bei ihm nach oben zu zeigen – und mit seinem Premieren-Tor belohnte er sich für seinen ohnehin stets großen Einsatz. Er hatte im Pokal noch eine Pause verordnet bekommen, nun rotierte er für Carlos Salcedo wieder auf den Platz. Die Kräfte bei der Terminhatz mit drei Spielen in sieben Tagen konnte Kovac gut einteilen, und mit recht frischem Personal eine gute Antwort finden auf die enttäuschende Leistung beim 0:3 in Augsburg zum Anfang dieses Dreierpacks.

Ein Rat von Kovac

Spitze in der Breite? Am Samstag war das so. Noch ein Beispiel dafür: Mit da Costa setzte Kovac rechts hinten auf einen Profi, der in der Hinrunde kaum eine Rolle spielte und der nun seine Sache gut machte. „Wir haben drei richtig gute rechte Verteidiger“, weiß Kovac, „da wird uns der eine oder andere in der Bundesliga beneiden.“ Am Samstag brachte der Fußballlehrer sie sogar alle in seiner ersten Elf unter – Timothy Chandler beackerte die linke Seite genauso gut wie sonst die rechte, und Marius Wolf trumpfte einfach etwas weiter vorne auf.

Gegen Köln sorgte er nach Ante Rebic, Russ und Falette nicht nur für den vierten Treffer, er schlug auch die Freistöße vor dem Kopfball von Russ und dem Abstauber von Falette. Noch etwas Besonderes: Frankfurter Freistoßtore sind auch eher selten. Diesmal gelangen sie – dank der Vorarbeit von Wolf und der Einsatzfreude von Russ und Falette. Sie zahlten so auch das Vertrauen des Trainers zurück. Und für alle, die diesmal nicht dabei waren, hatte Niko Kovac einen Rat: „Ich habe alle auf dem Plan. Alle müssen hart arbeiten, damit sie da sind, wenn die Chance kommt.“ Am Samstag gab es dafür genug gute Beispiele.

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