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Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: Halbaktive Vollkatastrophe? Beim Gegentor schon!

Die Eintracht hat 2:1 bei Hertha BSC gewonnen, ist nun die erfolgreichste Auswärtsmannschaft der Liga und kann deshalb sicher mit Kritik gut leben – zumal sie ja schon mit Selbstkritik nicht sparte: Siegtorschütze Kevin-Prince Boateng nannte seinen eigenen Auftritt eine „Vollkatastrophe“. Hauptsache, er und seine Mitspieler sind bereit, aus Fehlern zu lernen, findet unser Mitarbeiter Roland Stipp.
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Frankfurt. 

Niko Kovac traf den Nagel wieder einmal auf den Kopf. Kompakt stehen und gegen den Ball arbeiten heiße nicht, dass man ein Fußballspiel passiv oder „nicht einmal halbaktiv“ bestreiten könne. Damit bezog sich der Trainer der Eintracht vor allem auf die ersten 20 Minuten der Partie, in denen die Berliner einige Gelegenheiten hatten, den Ball ohne gegnerischen Druck genau dorthin zu spielen, wo man ihn aus Frankfurter Sicht ganz gewiss nicht haben wollte.

Das war zunächst die Übergangszone, in der man den Gegner normalerweise nicht mehr in einer offenen Position an den Ball lassen will – also dem Tor zugewandt mit der Chance, nach vorne zu spielen. Und es konnten von dort aus dann sogar einige Pässe in den Rücken der Abwehr und damit in die torgefährliche Zone gespielt werden. So wie beim 1:0 für die Hertha.

Im Grunde entwickelte sich der Berliner Führungstreffer über Minuten, in denen die Eintracht vor und zurück und seitlich verschieben musste, kaum einmal selbst am Ball war und so langsam aus der Ordnung gebracht wurde. Gerade für die beiden zentralen Mittelfeldspieler Makoto Hasebe und Kevin-Prince Boateng war das schwierig, wollten sie sich doch einerseits bei eigenem Ballbesitz anbieten und andererseits „Tiefe schaffen“ (also in Richtung gegnerisches Tor anspielbar sein). Außerdem waren sie dafür da, bei hohen Schlägen auf Stürmer Sébastien Haller auch noch die sogenannten „zweiten Bälle“ einzusammeln, sprich den zunächst abgewehrten oder von Haller abgelegten Ball.

Viel zu lange ohne Gegner

Dieses ständige Hoch und Runter brachte vor allem Hasebe aus dem Tritt, der dann beim Berliner Führungstor mit den entscheidenden Fehler machte (siehe Grafik). Eine halbe Minute vor dem Treffer der Hertha waren die beiden „Sechser“ der Eintracht noch in etwa so postiert, wie sich das gehört, also leicht gestaffelt im Zentrum und mit Zugriff auf ihre Gegenspieler. Dann wurden sie überspielt, waren also plötzlich beide vor dem Ball und kamen fortan überhaupt nicht mehr hinterher – wobei den von Hasebe allein gelassenen Boateng an den folgenden Ereignissen kaum eine Schuld traf.

Vielleicht hätte er dem von David Abraham hinten heraus und vor die Füße von Per Skjelbrd geköpften Ball etwas energischer nachgehen sollen, ganz erreichen konnte er ihn aber wohl nicht. Und so spielte Skjelbred an Boateng vorbei Mathew Leckie an, der in dessen Rücken viel zu lange ohne Gegenspieler war.

Die einfachen Dinge tun

Was Hasebe machte, ist völlig unverständlich. Erst rückte der Japaner aus dem Zentrum bis ganz auf den Flügel hinaus hinter den dort zuständigen Jetro Willems, dann schaute er viel zu lange zu (es schien in der Tat fast so, als plauderten Hasebe und Willems einen Moment lang, ehe sie den Ernst der Lage begriffen), und als er doch noch wieder im Zentrum ankam, konnte er ob seiner halbherzigen Zweikampfführung auch nichts mehr ausrichten.

Davon abgesehen, dass Simon Falette besser nicht aus der hintersten Linie hätte herausstürmen sollen, nachdem Abraham bei seiner Kopfballabwehr zu Boden gegangen war. Da, wo Leckie für Davie Selke den Ball durchsteckt, hätte Falette hinter Abraham den Raum absichern und den Passweg schließen müssen. Davon abgesehen, dass auch Willems noch die Gelegenheit hatte, diese Position einzunehmen, anstatt die äußere Linie zu verteidigen, auf der überhaupt keine Gefahr drohte. Ein weitere Möglichkeit wäre gewesen, Abraham hätte Falettes Position eingenommen und den ins Zentrum gerückten Kollegen abgesichert – aber auch der ansonsten überragende Abwehrchef traf in diesem Moment die falsche Entscheidung.

Kovac wird seinen Männern in der Videoanalyse sicher zeigen, wie das Tor zu verhindern gewesen wäre. Und er wird bei aller Begeisterung für läuferisches und kämpferisches Engagement Falette und vor allem Hasebe erklären, dass Aktionismus ein schlechter Ratgeber ist. Beide hätten ihrem Team in diesem Moment mehr helfen können, hätten sie die einfachen Dinge getan, die in ihrer Position gefordert waren. So wie sie das in vielen späteren Szenen ja auch taten.

 

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