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Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: In Stuttgart nicht anspielbar und ohne Zugriff

Von Nach der Niederlage in Stuttgart hagelte es teilweise harsche Kritik für die Mannschaft von Trainer Niko Kovac – auch aus den eigenen Reihen. „Wenn Du nicht am Limit spielst, kannst Du solche Spiele auch verlieren“, meinte beispielsweise Sportvorstand Fredi Bobic. Ein harter Vorwurf, doch im entscheidenden Moment ging die Eintracht tatsächlich nicht an ihre Grenzen.
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Nach taktischen Fehlern zu suchen ist relativ einfach, wenn man mit der Maus in der Hand am Bildschirm sitzt und die einzelnen Szenen beliebig oft vor- und zurücklaufen lassen kann. Es gehört schließlich zum Fußball dazu, dass Spieler die taktische Ordnung ständig verlassen und wieder in sie zurückkehren. Unter anderem deshalb hat Eintracht-Trainer Niko Kovac seinen Spielern zu Beginn seines Engagement im Stadtwald viel über Prinzipien erzählt. Wahrscheinlich tut er das immer noch, aber mittlerweile wird so viel geheim trainiert, dass man kaum etwas davon mitbekommt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte – die Spieler dürften ganz genau wissen, was der Trainer prinzipiell von ihnen verlangt.

Beim Gegentor in Stuttgart war die Eintracht einigen Prinzipien untreu, und so konnte sie die aus der Situation heraus entstandenen Veränderungen im taktischen System nicht ausgleichen. Ausgangspunkt war eine der diesmal seltenen erfolgreichen Pressingsituationen, gefolgt von einem geblockten Schuss von Marius Wolf und einer schnellen Umschaltaktion der Gastgeber. Der Ball prallte zwischen Mijat Gacinovic und Stuttgarts Mario Gomez hin und her, und dann wagte sich Simon Falette in ein Dribbling an der Außenlinie, dass er gegen VfB-Kapitän Christian Gentner verlor. Gomez spielt den Ball sofort steil auf Daniel Ginczek und das Unheil nahm seinen Lauf.

Prinzipien verletzt

Der Fehler war dabei nicht nur Falettes Dribbling. Genau genommen hätte sich der linke Innenverteidiger der Eintracht schon besser zum Ball stellen können, als er sah, dass Gacinovic die Kugel zu ihm prallen lassen würde. Gacinovic hätte sich auch im Zusammenspiel mit Makoto Hasebe aus der engen Situation befreien können, aber der Japaner verletzte das Prinzip, demzufolge jeder Spieler jederzeit „anspielbar sein oder Zugriff haben“ sollte. Und zwar indem er zunächst eher „unsichtbar“ für Gacinovic keine Anspieloption war – und dann stehen blieb und keinerlei Zugriff auf Ball oder Gegner hatte. Auch Gacinovic verhielt sich nach seinem Abpraller zu Falette zu passiv – er oder Hasebe hätten jedenfalls die Position des stürmischen Abwehrspielers einnehmen können.

Schwer vermisst bei der Niederlage in Stuttgart: die Frankfurter Strategen Kevin-Prince Boateng (hinten) und Omar Mascarell.
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Natürlich sah Kapitän David Abraham im Zweikampf gegen Ginczek dann nicht gut aus, eine unglückliche Figur gab aber auch Danny da Costa ab, der zuletzt schon als eine Art aus dem Nichts aufgetauchter „Missing Link“ im Spiel der Eintracht gegolten hatte. Dank da Costas Durchbruch konnte Niko Kovac seinen Shooting-Star Wolf wieder nach vorne ziehen und dessen Pressingmentalität besser nutzen als wenn er hätte rechts hinten spielen müssen. Aber jetzt da Costa: Natürlich hatte er beim vorangegangenen Angriff noch den Weg in die Spitze gesucht, dann aber mehr als genügend Zeit gehabt, sich wieder zu orientieren und die nötige Strecke hinter sich zu bringen (siehe Grafik). Doch das tat er nicht.

Zu großer Abstand

Das Prinzip, umso näher am Gegenspieler zu sein, desto näher es dem eigenen Tor geht, hielt er mit Mühe und Not ein, der Abstand zum Torschützen im torgefährlichen Raum aber war mit zwei bis drei Metern doch deutlich zu groß. So konnte der Stuttgarter Erik Thommy den Ball gänzlich unbedrängt ins Netz schieben. Wäre da Costa zwischen Ball und Gegner gewesen, hätte es gereicht, um das zu verhindern. Und es hätte auch gereicht, wenn er die nötigen Meter gemacht hätte, um Falettes Fehlen in der Dreierkette auszugleichen und selbst zu deren rechtem Glied zu werden.

Natürlich wird Niko Kovac seinen Männern unter anderem diese entscheidende Situation noch einige Male zeigen, und da Costa wird das helfen, sich künftig besser zu verhalten. Davon abgesehen: Nicht nur das, was da zwischen Minute 11:23 und 11:59 da Costa, Wolf, Chandler, Falette und Rebic tun, werde auch ich mir noch ein paar Mal anschauen – und vielleicht ja auch mit dem einen oder anderen Trainerkollegen diskutieren. Denn vor allem die Rolle von Wolf im Zentrum erschloss sich mir diesmal nicht – auch wenn diese Idee gegen Leipzig noch ein Volltreffer war. Aber so ist das eben mit der Taktik.

 

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