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Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: Kovac, Tedesco und das Versteckspiel in einer trainerfeindlichen Umwelt

Von Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel auf Schalke wäre etwas für meinen Freund Oli gewesen, dem richtig der Hut hoch geht, wenn Trainer seiner Meinung nach „verklausuliert“ und im „Fußball-Neudeutsch“ über sein Lieblingsspiel schwadronieren. Oli ist ein Freund von klaren, leicht verständlichen Worten.
Frankfurt. 

Besonders wenn es nicht läuft, verschanzen sich Trainer gerne hinter Allgemeinplätzen. Das bekommen sie sogar beigebracht oder zumindest empfohlen. Ich habe es selbst in meiner Ausbildung erlebt. Und vermutlich haben auch Niko Kovac und Domenico Tedesco die Empfehlung mitgenommen, Journalisten und Fans gegenüber keine Angriffsfläche zu bieten und in wichtigen Fragen nicht ins Detail zu gehen. Es ist praktisch, wenn man unverbindlich bleibt, weil man kaum falsch liegen kann. Auch das ist eine Taktik, wenn auch eine ziemlich müde.

Niko Kovac hat natürlich gesehen, wie schwer sich sein Team auf Schalke gerade in der ersten Halbzeit getan hat, als Tedesco die Seinen ein geschicktes Forechecking hat spielen lassen. Und was macht der schlaue Trainer? Er überhöht den Gegner, lässt ihn übermächtig und bedrohlich erscheinen und versucht so klar zu machen, dass ja nur das Unausweichliche passiert ist.

Kovac tat das, indem er mit Worten aus einer taktischen Maßnahme der Gelsenkirchener ein ganzes Waffenarsenal machte: „Wenn der Gegner hoch presst, anläuft, nach vorne verteidigt, aggressiv unter Druck setzt bei der Ballannahme, sogar richtig dran ist und gar nicht erst das Aufdrehen zulässt...“ – okay, verstanden: Gegen diese schrecklichen, unüberwindbaren Schalker war es eine Glanzleistung, nur 0:1 zurückzuliegen.

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Und jetzt gleich zur Ehrenrettung des Frankfurter Trainers: Ganz am Anfang der Pressekonferenz hatte er die Sache ja ehrlich auf den Punkt gebracht: „Wir haben es nicht verstanden, den Druck aufzulösen, den Schalke entfacht hat.“ Genau so war’s. Und das war wiederum auch ein bisschen die Schuld des Trainers. Denn ein Geheimnis ist es ja nicht gerade, wie Schalke spielt. Und wenn man mit einer Dreierkette gegen drei Angreifer und eine in den Lücken dahinter lauernde Viererreihe das Spiel aufbauen will, dann sollte dafür eine bessere Idee vorhanden sein als sie die Eintracht hatte. Wenn der Ball nicht doch irgendwann hoch und weit nach vorne geschlagen wurde, landete er oft in der Pressingfalle der Gastgeber am Flügel.

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Das sah so aus: Schalke provozierte durch seine drei vorne drauf gehenden Stürmer und die enge Zuordnung im Zentrum den Pass zum Frankfurter Außenspieler (Willems links, da Costa rechts), der sofort angelaufen wurde – und zwar so lange der Ball noch unterwegs war. Der Außen hatte keinen Mitspieler mehr, den er einfach hätte anspielen können, wurde gestellt, gedoppelt und im Idealfall vom Ball getrennt. Das machte Schalke mitunter schulbuchmäßig.

Es braucht Zeit

Domenico Tedesco, so der Eindruck aus der Ferne, versteckt sich manchmal sogar noch tiefer als Niko Kovac im Wald seines Trainerdeutschs, das er als Stachel gegen die ja auch tatsächlich oft trainerfeindliche Umwelt nutzt. Ein Beispiel? Cedric Teuchert, so Tedesco, habe nach seiner Einwechslung „gezeigt, was er für tiefe Laufwege hat“. „Sag doch, dass der Kerl viel gelaufen ist, aber immer falsch“, würde mein Kumpel Oli jetzt sagen. Da ist natürlich was dran.

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Doch auch wenn er sich mitunter etwas schwurbelig ausdrückte, sagte Tedesco nach dem Sieg gegen die Frankfurter etwas, was man unverändert auf die Eintracht übertragen könnte, auch bei der Bewertung von Niko Kovac und dem Abschneiden in dieser Saison: „Es gibt in allen Bereichen Verbesserungspotenzial, aber das auszuschöpfen braucht Zeit.“ So einfach kann man den Nagel auf den Kopf treffen.

 

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