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Eintracht Frankfurt: Taktiktafel: Warum die Eintracht im Spielaufbau Probleme hatte

Alles gut gegangen: Die Frankfurter Eintracht hat Stuttgart mit 2:1 niedergerungen und die drohende Krise abgewendet. Warum ihr das gegen die auswärts weiter punktlosen Schwaben so schwer fiel, hat sich unser Mitarbeiter Roland Stipp genau angeschaut.
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Frankfurt. 

Niko Kovac hat die Dinge gegen den VfB Stuttgart mit der Rückkehr zur Viererkette vereinfacht, in der ein Außenverteidiger ein Außenverteidiger ist und eben kein Mittelfeldspieler. Schwieriger ist die Orientierung im vom Trainer der Eintracht diesmal vorgegebenen 4-2-3-1-System für die vorderen Flügelspieler, die ständig vor der Entscheidung stehen, ob sie nun wie Außenstürmer denken oder doch nach hinten arbeiten sollen.

Entscheidendes tut sich aber natürlich immer auch im Zentrum. Und da gab Kevin-Prince Boateng diesmal den zentralen offensiven Mittelfeldspieler, also den „Zehner“. Jonathan de Guzmán und Marc Stendera bildeten die „Doppelsechs“ dahinter – keine leichte Aufgabe gegen überzeugt anlaufende Stuttgarter, die mit einem arbeitsintensiven und guten Plan in Frankfurt aufgetaucht waren.

Schauen wir auf den besten Moment der beiden defensiven Mittelfeldspieler der Eintracht, die Entstehung des 1:0 durch Ante Rebic. Zunächst gab Boateng den Ball mit einem missratenen Hackentrick her, ehe de Guzmán tat, was ein „Sechser“ eben zu tun hat: Er setzte energisch nach und eroberte den Ball zurück. Noch dazu spielte der Niederländer die Kugel gleich steil durch die nächste Stuttgarter Linie und Nebenmann Stendera erkannte die Gelegenheit, dem Ball nach in Richtung gegnerisches Tor zu sprinten – deshalb konnte ihn Sebastien Haller nach leichten technischen Schwierigkeiten bei der Ballannahme auch gleich einsetzen.

Ein perfektes Beispiel

Außerdem passierte noch etwas, was man zuletzt nicht allzu oft sah im Spiel der Eintracht: Rebic zog im Sprint los durch die Schnittstelle zwischen den Stuttgarter Innenverteidigern Baumgartl und Badstuber. Dass Badstuber den von Stendera in etwa dort hin gespielten Ball dann genau in den Lauf von Rebic weiterleitete, war natürlich Glück für die Frankfurter.

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Eintracht Frankfurt hat durch einen Last-Minute-Treffer von Haller gegen den VfB Stuttgart die ersten drei Punkte vor heimischen Publikum geholt. Warum der Stürmer nicht nur durch diese Leistung stark war und warum Abraham  in dieser Partie nicht die gewohnte Konstante in der Abwehr darstellen, lest Ihr in unserer Einzelkritik.In die Kategorie überragend hat es beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart niemand geschafft.

Fakt ist aber: Bis auf den kleinen Schönheitsfleck der Badstuberschen Ballberührung war das ein perfektes Beispiel dafür, wie man mit zwei Sechsern aus einem Ballgewinn zu einem Torerfolg kommen kann. Es war aber eine Ausnahme. Ihre Stärken hatten beide Mannschaften eher im sogenannten Spiel gegen den Ball – nicht zu verwechseln mit dem „Spiel ohne Ball“. Die Eintracht verteidigte über weite Strecken wirklich sehr ordentlich, hatte aber das Problem, außerdem noch das Spiel machen zu müssen. Und zwar gegen einen lange Zeit wahnsinnig engagiert anlaufenden Gegner, der es teilweise schaffte, eine 60 bis 70 Meter tiefe Zone zu besetzen und trotzdem so viel Druck auf den ballführenden Frankfurter zu machen, dass dem nur der lange Ball als Option blieb (siehe Grafik). De Guzmán und Stendera hatten kaum einmal Zeit, sich zwischen den Linien der Gäste in Position zu bringen und den Ball abzuholen.

Becks interessante Rolle

Man muss sagen, dass die vorderste Linie der Eintracht kein großes Hindernis war für den Spielaufbau der Gäste, während der VfB-Angriff mit Akolo, Ginczek und Donis doch ordentlich Druck machte und gerade zu Beginn einige Male dafür sorgte, dass die Eintracht den Ball im Spielaufbau los wurde. Oft gelang das, nachdem das Geschehen auf die linke Frankfurter Abwehrseite gelenkt worden war, also in den Bereich, in dem Stuttgarts Andreas Beck eine interessante Rolle spielte, mal als vierter oder fünfter Verteidiger, mal nach innen geschoben als dritter Sechser im Mittelfeld, mal als Mittelfeldaußen – der viele Bälle gewann und dazu etliche Meter machte. Wäre Akolo vor ihm an diesem Tag etwas entscheidungsfreudiger gewesen, die Frankfurter hätten durchaus in Rückstand geraten können.

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Ob jetzt die mehr als 100 Fehlpässe das Problem im Spielaufbau der Eintracht waren oder eher die Folge des mangelhaften Freilaufverhaltens, ist schwer zu sagen. Klar ist aber, dass Passspiel und Freilaufverhalten funktionieren müssen, will die Eintracht Alternativen zum langen Ball auf Haller oder Boateng haben. Aktuell aber ist die Variante hoch und weit die wahrscheinlichste in der Spieleröffnung der Eintracht. So ist sie leicht auszurechnen, und so bleibt das Problem, dass lange Bälle auch lange Wege mit sich bringen – die bei Spielern besonders unbeliebten Wege ohne Ball vor allem. Und es bleibt festzuhalten, dass diese Variante ja auch nicht so besonders erfolgreich ist bisher. Oft ist eher der Fall, dass der Ball relativ schnell wieder weg ist. Und dann heißt es, den weiten Weg gleich wieder zurück zu machen.

Das zermürbt, macht keinen Spaß und ist auch nicht schön anzusehen. Wobei das möglicher Weise völlig egal ist, wenn am Ende ein 2:1 auf der Anzeigentafel steht.

Roland Stipp

ist seit bald 20 Jahren Mitarbeiter in unserer Sportredaktion. Er steht außerdem als Trainer mit DFB-Lizenz selbst Woche für Woche an der Seitenlinie. Und schaut für uns genau hin, wenn die Eintracht spielt.

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