Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Beim EFC Hessen 90 ist immer etwas los: Treffpunkt: Tankstelle Riederwald

Von Aus zwei Keimzellen bildete sich vor vielen Jahren der EFC Hessen 90. Was die Spieler einst im Ostseestadion nicht schafften, gelang wiederum den Fans dieses EFCs – nämlich Rostock zu besiegen.
<span></span> Bilder >

16. Mai 1992. Es ist nicht mehr lange hin bis zum Anpfiff, da gibt es schon einen Sieger. Wie das Endresultat ausfiel, weiß Bruno Erjawez nicht mehr genau. Aber das spielt auch keine Rolle, es hat ja gereicht, eine Fanauswahl des FC Hansa Rostock zu bezwingen. Das, was ihnen, den Jungs vom EFC Hessen 90 gelungen ist, das müsste doch auch die bunte und fußballerisch begabte Truppe um den serbischen Trainer-Zampano Stepi Stepanovic hinbekommen. Doch es kam ganz anders, der Absteiger Hansa machte mit Unterstützung des (nicht)pfeifenden Herrn Berg der Eintracht den zweiten Deutschen Meister-Titel kaputt.

Mit zwei Neuner-Kleintransporter ging es damals schon freitags hoch an die mecklenburgische Küste. Das Fanteam vom EFC Hessen 90 war vermutlich das erste, das in Rostock zugegen war. „Wir haben damals in einer Halle übernachtet“, erinnert sich Erjawez an die spartanischen Begebenheiten. „Tickets hatten wir keine“, sagt der 49-Jährige; der Rostocker Präsident habe es dankenswerterweise arrangiert, dass sie übers Marathontor – freilich ohne Eintritt zu bezahlen – in die Frankfurter Kurve gelotst wurden.

Das Treffen mit den Rostockern war sozusagen der Gegenbesuch. Beim Hinspiel waren die Hanseaten zu Gast. Bei weitem nicht jeder, der die Farben Blau und Weiß trug, konnte damals mit in die Fanbegegnungsstätte im Stadionhotel.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der EFC Hessen 90 schon starken Zulauf. Die Gründung fiel in eine Phase, als die Eintracht ums sportliche Überleben in der Bundesliga kämpfte. Beim letzten Punktspiel 1988/89 kam es bei der Fahrt nach Hannover zu einer Begegnung mit SGElern aus Nidderau – und man verstand sich gut. Zum Relegationsspiel nach Saarbrücken machten Frankfurter und Nidderauer schon gemeinsame Sache. Treffpunkt: Tankstelle Riederwald. „Wir hatten auch selbst gemachte Fahnen.“ Wenig später, am 15. Juli 1989, gründeten sie den EFC Hessen 90. Die Zahl irritiert auf den ersten Blick, doch damit sind die damaligen Lebensjahre der Eintracht gemeint. „Und es gab keinen EFC, der ,Hessen’ in seinem Namen hatte“, führt Erjawez aus.

Rege Beteiligung gab es zunächst aus Nidderau. „Dort war es eine Modeerscheinung“, sagt der Eintracht-Fan aus dem Gallus. Mitte der 90er teilte sich der EFC. „Die Trennung machten wir aus organisatorischen Gründen“, betont Erjawez, der seit dem Pokalsieg von 1988 von der SG Eintracht nicht mehr lassen kann. Heutzutage habe die Frankfurter Sektion etwa 60 Mitglieder; drei von ihnen konnte man sogar bei der letzten Kommunalwahl Kreuzchen geben. „42 von uns sind Dauerkarteninhaber.“ Im Block 32 fühlen sie sich heimisch; einige aus dem jüngeren Alterssegment stehen auch dort, wo ein gewisses Maß an Gruppendynamik nicht zu übersehen ist.

 

Großer Auftritt im

 

„Fall für zwei“

 

Einen großen Auftritt hatten einige EFC-Mitglieder mal bei Matulas „Ein Fall für zwei“. Auf einer Polizeiwache prügelten sie sich. „Da haben wir ein typisches Klischee bedient, sind festgenommen worden.“ Geschlägert und die Acht ausgepackt wurde allerdings nicht etwa im Präsidium am Platz der Republik – die Wache war nur Kulisse.

Für Erjawez war es früh klar, sich in der Fanszene zu engagieren. Neben Kalli Adolphs und Anjo Scheel gehörte er zu den Mitbegründern des Fanmagazins „Fan geht vor“, 1991. „Das war unsere Plattform. Damals gab es noch kein Internet oder Whatsapp“, sagt Erjawez. Jeder Eintracht-Fan-Club erhielt kostenfrei ein Exemplar, die anderen wurden verkauft. Doch dann traf ein Bann das Team, „Fan geht vor“ durfte nicht mehr im Waldstadionumfeld verkauft werden. Der Grund: Matthias Ohms war auf einem Cover in Strapsen zu sehen; eine Anspielung darauf, dass sich der lebenslustige Präsident einst mit leichten Damen aus Osteuropa vergnügt haben soll.

Aber auch zur Steigerung von Fankultur trug man bei. „Wir haben es angestoßen, wieder große Fahnen mit ins Stadion nehmen zu können“, weist Erjawez auf die Einführung des sogenannten Fahnenpasses hin, den es heute noch gibt.

Fahnenschwenkend war Bruno Erjawez früher auch in den Stadien zu sehen. Auf ein Auswärtsspiel freut er sich besonders noch; dorthin, wo Rhein und Ruhr sich vereinigen, gibt es weiterhin Kontakte. „Wir haben heute noch eine Freundschaft mit Duisburgern“, sagt der gebürtige Frankfurter, dessen Vorfahren aus der Untersteiermark stammen.

Bewährtes, Traditionelles, Liebgewonnenes – all das verliere Eintracht Frankfurt immer mehr, sagt Bruno Erjawez. Der Führung des Clubs „geht es um Kommerz und Ablöse zu erzielen, die Spieler teuer zu verkaufen – und nicht etwas aufzubauen. Ich sehe in der Eintracht keine Perspektive.“ Anfang der 90er sei die Eintracht mit Bayern München auf Augenhöhe gewesen, da habe man es verpasst, sich für die Champions League zu qualifizieren. „Mit dem ersten Abstieg“, sagt Erjawez, habe der Fall in die Mittelmäßigkeit eingesetzt. Königsklassenfußballambitionen sieht er keine. „Da ist der Zug abgefahren.“

Nichtsdestotrotz ist er bei den Spielen dabei, wenn auch aus familiären und beruflichen Gründen nicht mehr so ausgeprägt wie früher, als er sogar die Eintracht-Amateure unterstützte. Unvergessen ist die Reise nach Moskau, etwa 30 Frankfurter wollten sich die Partie gegen Dynamo nicht entgehen lassen.

Auch in Russlands Hauptstadt waren zunächst die Fans an der Reihe. „In einer Großfeldhalle wurde elf gegen elf gespielt.“ Bruno Erjawez zog es allerdings vor, sich rund ums Stadion zu tummeln. So viele Wodkas wie die weiß-blauen Moskowiter vom FK Dynamo nahm er allerdings nicht zu sich …

Zur Startseite Mehr aus Eintracht Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse