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Eintracht Frankfurt: Umstrittene Rotation: Nur eine Mode oder Notwendigkeit?

Von Um in der Fußball-Bundesliga gewinnbringend rotieren zu können, muss der Kader nicht nur groß, sondern auch gleichmäßig gut besetzt sein. In diesem Punkt hapert es aber bei der Frankfurter Eintracht.
In Leipzig nicht wirklich eine Hilfe: Daichi Kamada. Foto: Christian Klein (FotoKlein) In Leipzig nicht wirklich eine Hilfe: Daichi Kamada.
Frankfurt. 

Die Rotation ist modern in der Fußball-Bundesliga. Eigentlich sei die Rotation, so der Duden, eine „kreisförmige Drehung.“ Doch das ist im Fußball nicht gemeint. Da wurde ein Begriff aus der Politik übernommen, so der Duden, „der Wechsel in der Besetzung des Amtes in bestimmten Zeitabständen“.

Im Fußball aber ist es „das Verändern der ersten Elf aus physischen oder psychischen Gründen, beispielsweise wegen Erschöpfung, körperlicher Anfälligkeit oder privater Probleme.“ Im Grunde geht es darum, im Laufe einer langen Saison Kräfte zu sparen, indem die Belastungen auf viele Schultern verteilt werden.

Die Trainerlegenden Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes hatten die „Rotation“ einst bei ihren Clubs Borussia Dortmund und Bayern München gesellschaftsfähig gemacht. Jetzt „rotieren“ fast alle, dabei erschließt sich nicht immer der Sinn. Ist es tatsächlich eine Notwendigkeit im modernen Fußball oder doch nur eine Mode?

Grundvoraussetzung für eine gewinnbringende Rotation sind jedenfalls zwei Dinge. Zum einen kann sie nötig sein, wenn die Belastungen wirklich durch viele Spiele in verschiedenen Wettbewerben vorliegen. Zum anderen muss der Kader so besetzt sein, dass die Wechsel die Mannschaft nicht offensichtlich schwächen.

Keine wirkliche Hilfe

Auch der Frankfurter Trainer Niko Kovac hatte für das Spiel bei RB Leipzig (1:2) wichtige Spieler „rausrotiert“, Kevin Prince Boateng, Mijat Gacinovic und Ante Rebic. Ausgerechnet jene, die für spielerische Momente sorgen könnten. Kovac wurde dafür kritisiert, denn als im Laufe des Spiels Boateng und Rebic und später noch der Stürmer Luka Jovic ins Spiel gekommen waren, hatte die Eintracht deutlich besser gespielt. Vor allem aber: Jene, die reingekommen waren, hatten enttäuscht. Daichi Kamada, Jonathan de Guzman oder auch Marius Wolf waren nicht wirklich eine Hilfe.

Macht es also wirklich Sinn, bessere Spieler draußen zu lassen, um deren Kräfte für die Zukunft zu schonen? Der Frankfurter Trainer verteidigt sich. Gerade gegen einen laufstarken Gegner wie Leipzig sei körperliche und geistige Frische Grundvoraussetzung, um dagegenhalten zu können. Zudem habe die Eintracht einen großen Kader, der Veränderungen tragen würde. Was schwerlich zu beweisen sein wird, denn die zweite Reihe der Eintracht ist lange nicht so spielstark wie die erste.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit. Das Spiel in Leipzig war für die Eintracht die sechste Bundesligapartie in dieser Saison, dazu kommt noch das Pokalspiel in Erndtebrück, sieben Pflichtspiele also in sechs Wochen, zwischenzeitlich noch eine zweiwöchige Länderspielpause. Dieses Pensum sollte jeder Profi ohne irgendwelche körperlichen Erschöpfungszustände durchstehen können. Bayern München und Borussia Dortmund haben im gleichen Zeitraum ein Spiel mehr bestritten (Champions League), der SC Freiburg zwei (Europa-League-Quali) und die TSG 1899 Hoffenheim drei (Champions-League-Quali und Europa League.).

Das Trainerteam muss die Frage nach dem Sinn von selbst gewählten Pausen aber sicher von Fall zu Fall entscheiden. Denn auch bei der Eintracht gibt es ein paar höher belastete Spieler, wie die Nationalspieler Makoto Hasebe und Mijat Gacinovic, andere wiederum sind nach späten Wechseln noch nicht auf ihrem konditionellen Level. Um adäquat zu wechseln, ohne Reibungs- und Leistungsverluste, müsste der Kader ausgeglichener besetzt sein. 28, 32 oder 35 Profis, je nachdem, ob man Verletzte und Jugendspieler hinzurechnet, sind im Grunde nur ein Indiz für Quantität, aber nicht für Qualität.

Wechsel haben immer deshalb auch etwas mit Alternativen zu tun. Auch dies wurde in Leipzig deutlich. Zumal ausgerechnet jene Spieler, die in der Tat „überspielt“ wirken, eben keine Atempause erhalten (können). Rechtsverteidiger Timothy Chandler trägt schon seit vielen Monaten die gesamte Verantwortung auf seinen Schultern. Ein Wechsel kommt mangels Alternativen nicht in Frage. Danny da Costa ist verletzt und hat seine Klasse auch noch nicht nachgewiesen. Und Yanni Regäsel ist längst außen vor. Auch Mittelstürmer Sebastien Haller ist in Leipzig an körperliche wie spielerische Grenzen gestoßen. Wahrscheinlich ist der Franzose der Frankfurter Spieler, der die meisten Zweikämpfe gegen die stärksten Gegner führen muss, häufig völlig alleine gelassen. Ihm gebührt eine Tapferkeitsmedaille.

Die erste und bislang einzige englische Woche ist vorbei, und so wird auch die Rotation vorbei sein. Bis zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart bleibt eine ganze Woche, danach macht die Liga wieder zwei Wochen Pause.

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