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Eintracht Frankfurt: Viel Talent, wenig Erfahrung

Von Was kann die neuformierte Frankfurter Eintracht in der Bundesliga leisten? Die größten Sorgen macht sich Reiner Calmund . . .
Eifrig im Training – aber können sie der Eintracht auch im harten Liga-Alltag helfen? Gelson Fernandes (links) und Sébastien Haller, zwei der vielen Frankfurter Neuzugänge. Foto: Jan Huebner Eifrig im Training – aber können sie der Eintracht auch im harten Liga-Alltag helfen? Gelson Fernandes (links) und Sébastien Haller, zwei der vielen Frankfurter Neuzugänge.
Frankfurt. 

Bei der Frankfurter Eintracht glauben sie, dass die Mannschaft eher besser denn schlechter im Vergleich zur alten Saison sein wird. „Wenn wir unser Potenzial auf den Platz kriegen, dann werden wir eine gute Runde spielen“, sagt Trainer Niko Kovac. „Der Kader ist in der Breite stärker geworden“, sagt Manager Bruno Hübner. „Ich glaube, dass wir uns im Vergleich zur Vorsaison noch mal steigern können“, sagt Spielmacher Marco Fabián, „warum sollten wir dann nicht um einen Platz in der ersten Tabellenhälfte kämpfen?“

Das sehen nicht alle so. Viele Experten, ehemalige Trainer wie unter anderen Armin Veh oder Spieler wie Charly Körbel erwarten eine „sehr schwierige Saison“ für die Frankfurter. Reiner Calmund, einst Manager bei Bayer Leverkusen, jetzt einer von vielen TV-Experten, bringt die Eintracht in der Zeitung „Die Welt“ sogar mit dem Abstieg in Verbindung. „Ich sage es ungern, weil ich Fredi Bobic und Niko Kovac sehr gerne mag – doch die Eintracht könnte abrutschen in dieser Saison“, glaubt Calmund. Wie groß ist die Rutschgefahr? Wie gut oder schlecht ist die Eintracht? Und woher kommt die Skepsis?

Ein Malus ist sicher die letzte Rückrunde, die noch immer nachwirkt. Nach fulminantem Start sind die Frankfurter ins tiefe Mittelmaß, eher noch tiefer abgeglitten. Sie waren die schlechteste Bundesligamannschaft des Jahres. Da sind Narben zurückgeblieben. Mit Jesus Vallejo, Bastian Oczipka und Ante Rebic wurden drei Spieler abgegeben, die in der Krise noch zu den Besten gehört hatten. Omar Mascarell wird noch ein halbes Jahr fehlen, Alex Meier noch mindestens ein Vierteljahr. Und der „Königstransfer“ Carlos Salcedo hat sich auch gleich schwer verletzt. Das verheißt nichts Gutes, denn auf dem Papier ist die Eintracht sicher nicht besser geworden.

Berechtigte Zweifel

Bei ihrer Einkaufstour haben die Frankfurter wieder auf viele Spieler aus fremden Ligen gesetzt, auf Spieler, die ihre Klasse zwar schon nachgewiesen haben, aber eben noch nicht in der Bundesliga. Sogenannte „gestandene“ Bundesligaspieler wie Lukas Hradecky, David Abraham, Makoto Hasebe, Timothy Chandler oder Marco Fabián sind an einer Hand abzuzählen. Es bestehen deshalb durchaus berechtigte Zweifel, ob es noch einmal so gut laufen kann wie im letzten Jahr zu Beginn.

Stendera im Glück, Blum im Krankenhaus

Glück im Unglück: Marc Stendera hat beim Spiel gegen Benevento am letzten Sonntag im Trainingslager in Südtirol eine Distorsion des linken Sprunggelenks erlitten.

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Wieder einmal ruhen deshalb alle Hoffnungen auf Trainer Niko Kovac, der sich einen guten Ruf erarbeitet hat und den durchaus nicht unumstrittenen Weg der sportlichen Führung bislang uneingeschränkt mitgeht. Diese Einigkeit ist eine gute Basis. Sie ist bei den zu erwartenden sportlichen Turbulenzen aber auch unabdingbar. Und sie wird in der nächsten Krise auf dem Prüfstand stehen.

Für den Weg der Eintracht spricht, dass sie diesmal nicht mehr als „Billigheimer“ auftreten musste wie im letzten Sommer, als aus wirtschaftlichen Gründen viele Leihgeschäfte nötig waren, um die Mannschaft konkurrenzfähig zu halten. Inzwischen konnten die Frankfurter durch die Einnahmen im DFB-Pokal und höhere TV-Gelder zumindest im mittleren Segment der Liga mithalten. Das sind Risiko und Chance zugleich. Rund zwanzig Millionen Euro hat die Eintracht ausgegeben. An dieser Summe, für Frankfurt viel, für die Liga eher Durchschnitt, wird vor allem Sportvorstand Fredi Bobic gemessen werden. Bobics Credo: „Fantasie“ beweisen auf dem Transfermarkt. Das hat er durchgezogen, noch konsequenter als letzte Saison.

Es sind Spieler gekommen, die viel versprechen. Spieler, die in ausländischen Ligen ihren Mann gestanden haben wie der Torjäger Sébastien Haller aus Utrecht, der Spielmacher Jonathan de Guzman aus Chievo und Carpi, der Verteidiger Jetro Willems aus Eindhoven und der „Abräumer“ Gelson Fernandes aus Rennes. Und talentierte Jungen, die kaum jemand auf dem Schirm hatte, wie der Japaner Daichi Kamada aus Sagan und der Serbe Luka Jovic aus Lissabon. Eine bunte Mischung aus Unbekümmertheit und Erfahrung. Ob es zusammenpasst, werden schon die ersten Wochen zeigen.

Ein guter Start ist immer wichtig, diesmal wäre er besonders wichtig. Die Niederlagenserie aus dem Frühjahr wird bei weiteren Misserfolgen die Eintracht nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern auch im inneren Selbstverständnis verfolgen.

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