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Eintracht Frankfurt: „Vollkatastrophe“ mit gutem Ende

Von Für die Bundesliga-Fußballer der Frankfurter Eintracht war Berlin eine Reise wert:. Dank des gestrigen 2:1-Erfolges haben die Hessen den Anschluss ans obere Tabellendrittel gehalten. Aber der entscheidende Mann war nicht wirklich zufrieden.
Stille Freude: Der Frankfurter Kevin-Prince Boateng will nach seinem Siegtreffer gegen den alten Club aus Berlin nicht jubeln. Foto: Annegret Hilse (dpa) Stille Freude: Der Frankfurter Kevin-Prince Boateng will nach seinem Siegtreffer gegen den alten Club aus Berlin nicht jubeln.
Berlin. 

Als er die Stufen vom Rasen des ihm altbekannten Olympiastadions hinab gestiegen war in die Katakomben, wählte Kevin-Prince Boateng deutliche Worte. „Ich bin ein ehrlicher Mensch: Mein Spiel war heute eine Vollkatastrophe. Das war eines der schlechtesten Spiele meiner Karriere“, ging die schillerndste Figur des Frankfurter Ensembles arg hart mit sich ins Gericht, und fast hätte man meinen können, dieser Sonntagsbesuch in seiner bitterkalten Berliner Heimat sei für seine ganze Eintracht ein einziger Reinfall gewesen. „Zum Glück“, vollendete Boateng aber dann doch mit einem leichten Grinsen, „funktioniert der linke Fuß“.

Schwer ins Spiel gekommen

Es hatte lange nicht unbedingt danach ausgesehen, schon gar nicht am Anfang dieses zähen Abnutzungskampfes. Am Sonntagabend aber reiste der Frankfurter Tross mit einem vollen Erfolg aus der Bundeshauptstadt ab, dank Boatengs linkem Fuß, mit einem 2:1 (1:1)-Sieg und drei Punkten zum ersten Advent im Gepäck – und der Gewissheit, nicht nur den Abstand auf die unteren Regionen der Fußball-Bundesliga vergrößert zu haben, sondern als Tabellenachter gleichzeitig den Anschluss ans obere Drittel gehalten zu haben.

„Unser Ziel ist der Klassenerhalt, da sind wir auf einem guten Weg“, blickte Trainer Niko Kovac indes erst nach unten und dann nach vorne: „Jetzt freuen wir uns auf die Bayern.“ Dem Empfang der Münchner Rekordmeister im Frankfurter Stadtwald am nächsten Samstag können die Seinen nun recht gelassen entgegensehen, mit dem ersten Sieg in Berlin seit acht Jahren im Rücken. Die Eintracht begrüßt die Bayern sogar als ein Spitzenreiter, freilich nur in der etwas schiefen Auswärtstabelle – mit zwei Zählern und einem Spiel mehr in der Fremde als der nächste Gast, stolzen 15 Punkten aus acht Partien. In der deutlich wichtigeren Gesamtwertung lautet die aktuelle Frankfurter Quote 22 aus 14, auch das kann sich sehen lassen. Nicht zum ersten Mal dank einer gewissen Auswärtsstärke, und nicht zum ersten Mal dank außergewöhnlichen Treffern.

Das galt für Boatengs Siegtor in der 80. Minute, und das galt auch schon für den Ausgleich zum 1:1, der Marius Wolf in der 26. Minute geglückt war – mit einer endlich einmal gelungenen Standardlösung nach einer Ecke von Jetro Willems (lesen Sie dazu auch unsere gesonderte Geschichte). Die Eintracht war damit im Spiel, das hatte eine Weile gedauert. „Wir haben den Anfang verpennt, aber wir sind zurückgekommen“, meinte Boateng. Ein Angriff nach dem anderen rollte erst einmal auf das Tor der Frankfurter, das ging schon gar nicht gut los. Nach 50 Sekunden spielte Mijat Gacinovic einen haarsträubenden Fehlpass am eigenen Strafraum, und es brauchte gleich eine Heldentat von Lukas Hradecky, um einen ganz frühen Rückstand zu verhindern. Eine Viertelstunde später war auch der starke Schlussmann machtlos, als Davie Selke dann doch für die Hertha traf – auf Vorarbeit von Mathew Leckie, ehemals beim FSV Frankfurt am Ball.

„Die ersten 20 Minuten waren wir viel zu passiv“, tadelte Kovac, „danach aber haben wir es besser gemacht.“ Der recht plötzliche Ausgleich half der Eintracht, das Geschehen in den Griff zu bekommen, trotz ungebrochen vieler Fehlpässe vor allem von Carlos Salcedo und Simon Falette und diesmal auch vom schwachen Gacinovic. Makoto Hasebe aber, für den nach dem 0:1 gegen Bayer Leverkusen aus taktischen Gründen ganz aus dem Kader gerutschten Marc Stendera ins Mittelfeld gekommen, brachte Ruhe ins Spiel. Und auch der zuletzt außen vor gebliebene Aymen Barkok trug seinen Teil dazu bei, nachdem er zur zweiten Halbzeit für Gacinovic auf den Rasen durfte. Während Boateng nicht so furchtbar schlecht war, wie er sich selbst sah, aber in lange kaum in Erscheinung trat. Bis der gebürtige Berliner zum entscheidenden Mann wurde, in einer dann recht zerfahrenen, körperbetonten Partie.

„Das war nicht immer schön anzusehen“, wusste Sportvorstand Fredi Bobic und bilanzierte: „Ein Unentschieden wäre auch okay gewesen. Aber wir waren in der zweiten Hälfte etwas aktiver.“ Auch für Kovac war der Sieg insgesamt nicht unverdient, ein Quäntchen Glück war indes schon dafür nötig – zumal kurz vor Schluss der Berliner Lustenberger den Ball noch aus der Ferne an die Latte knallte.

Sonst wurde es nicht mehr gefährlich, nach Boatengs spätem Volltreffer. Bei der Flanke von Salcedo hatte sich Sturmhüne Sébastien Haller wie so oft in den Zweikampf geworfen. An den Ball gekommen war er nicht, aber irgendwie kullerte dieser Boateng vor die Füße. „Das Tor macht Kevin dann klasse, technisch sauber, linker Fuß, langes Eck“, kommentierte Bobic als ehemaliger Stürmer fachkundig.

Auf große Gesten verzichtete Boateng danach. „Natürlich jubele ich hier nicht. Dafür habe viel zu großen Respekt vor der Hertha und den Hertha-Fans, und ich bin hier groß geworden“, erklärte er. Die Rückkehr zu den Wurzeln durfte Kevin-Prince Boateng dann noch etwas auskosten. „Er hat es sich verdient, einen Tag länger in Berlin zu bleiben“, erklärte Niko Kovac – ein anderer Berliner im Eintracht-Tross, der den Erfolg in der alten Heimat besonders gerne mit nach Hause nahm.

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