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Eintracht Frankfurt: Wie Niko Kovac sich zu einem Trainer mit ganz eigenen Maßstäben entwickelt hat

Von Am Samstag hat Niko Kovac wieder einen großen Auftritt in seiner Heimatstadt Berlin. Dort ist er auf einem Bolzplatz groß geworden.
Das selbstgewisse Lächeln lässt er sich auch in Zeiten des Niedergangs nicht nehmen: Eintracht-Trainer Niko Kovac. Foto: Peter Hartenfelser (imago sportfotodienst) Das selbstgewisse Lächeln lässt er sich auch in Zeiten des Niedergangs nicht nehmen: Eintracht-Trainer Niko Kovac.
Frankfurt. 

Er kennt das ja alles schon. Das ganz große Kino, wenn Niko Kovac zurückkommt nach Berlin. So viele Karten, wie Verwandte und Freunde bei ihm anfragten, konnte er im vergangenen Jahr gar nicht besorgen. Pokal-Finale gegen Dortmund – was für ein Spiel, was für eine Chance für einen Fußball-Trainer, der mal ein Junge aus dem Wedding war. „Ich habe den Großteil meines Lebens hier verbracht“, sagt Niko Kovac. Er betont gerne seine Wurzeln. Auch wenn er sich immer mehr als Kroate gefühlt hat.

Und jetzt kommen er und sein Bruder Robert, der ihn auch bei der Frankfurter Eintracht als Co-Trainer begleitet, wieder zurück nach Berlin. Wieder zum Pokal-Finale, diesmal gegen Bayern München. Dort beginnen sie in ein paar Wochen ihren neuen Job. Deshalb ist es diesmal noch größeres Kino.

Der Berliner Journalist Sven Goldmann hat sich immer wieder mit Niko Kovac beschäftigt. Er hat die Herkunft des heute 46-Jährigen beschrieben. Das, was ihn antreibt. Alles begann auf der Schillerwiese. Ein Bolzplatz, zehn Minuten entfernt von der Arbeiter-Mietwohnung der Kovacs im Bezirk Wedding. Kevin-Prince Boateng wohnte eine Querstraße weiter, Thomas Häßler kickte auch oft mit. Der Kiez als Keimzelle deutscher Fußball-Prominenz.

Niko und Robert Kovac wurden durch Zufall entdeckt. Ein Jugendtrainer von Rapide Wedding sah die beiden Steppkes Anfang der 80er auf der Schillerwiese und lud sie zum Training ein. So fing alles an.

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Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel auf Schalke wäre etwas für meinen Freund Oli gewesen, dem richtig der Hut hoch geht, wenn Trainer seiner Meinung nach „verklausuliert“ und im „Fußball-Neudeutsch“ über sein Lieblingsspiel schwadronieren. Oli ist ein Freund von klaren, leicht verständlichen Worten.

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Der Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat als Jugendlicher mit Robert Kovac in einer Mannschaft gespielt. „Robert war technisch der bessere Fußballspieler. Niko war dafür cleverer. Ein Anführer und Stratege. Das war damals schon zu sehen“, hat Gräfe dem „Tagesspiegel“ erzählt. Niko Kovac hat auch bis in die Dunkelheit hinein auf der Schillerwiese Ecken und Freistöße geübt, wenn das Training eigentlich schon vorbei war. Ein Klassiker der Karriereförderung und ein erster Hinweis auf seine Perfektionsbesessenheit.

Als Profi ist Niko Kovac eigentlich nie verpflichtet worden, weil er mit der Kugel besonders kreativ umgehen konnte. Er galt als Balljäger mit strategischen Fähigkeiten und dem Blick übers Mittelfeld hinaus, fürs große Ganze. Und er fühlte sich schon früh zum Entscheider berufen. Bei Hertha BSC hat der Trainer Hans Meyer mal vor dem Rückrundenstart mit Kovac über einen Mitspieler gesprochen, der schlecht trainiert hatte. Der Mitspieler hieß Fredi Bobic. Und Meyer fragte Kovac, ob der Fredi es verdient habe zu spielen. „Nein Trainer, hat er nicht“, lautete die Antwort.

Niko Kovac hat auch früh begriffen, dass das Fußball-Geschäft viele Chancen bietet, wenn man sie nur entschieden sucht und schnell zugreift. So zum Beispiel im kroatischen Team, als er sich die prestigeträchtige Rückennummer 10 sicherte, als der Top-Star Zvonimir Boban aufhörte. Er hat in Leverkusen gespielt, in Hamburg und München. Länger als drei Jahre hielt er es nirgendwo aus, aber überall hat er angeblich noch viele Freunde. Gleichzeitig lernte er, dass eine gewisse Rücksichtslosigkeit in diesem Geschäft weiterhilft. Sven Goldmann hat beschrieben, wie Kovac bei der EM 2004 als kroatischer Nationalspieler der englischen Diva David Beckham eine Wasserflasche wegriss, daraus trank und wegwarf. Kroatien verlor das Spiel, aber Beckham war nur noch ein Schatten seiner selbst.

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Man muss wissen, dass sich aus dem Wedding-Gen irgendwann ein Zocker-Gen entwickelt hat, wenn man den heutigen Frankfurter Trainer Niko Kovac betrachtet. Wenn er von einer Sache überzeugt ist, wenn er einen Vorteil wittert, schlägt er ein, ohne viel zu überlegen und zu hinterfragen. So war es, als er für zwei Jahre kroatischer Nationaltrainer wurde. So war es, als ihn Anfang März 2016 die abstiegsbedrohte Frankfurter Eintracht holte. Und so soll es vor knapp zwei Monaten gewesen sein, als Bayern München anrief.

Kovac ist sehr überzeugt von sich, obwohl er als Trainer noch keine Titel vorzuweisen hat. Das hat ihn zu einer Ich-AG gemacht, der das Verhältnis zur Öffentlichkeit, in der er steht, weitgehend egal geworden ist. „Ich war überzeugt davon, durch meine Arbeit hier in Frankfurt interessant für solche Clubs zu werden“, erklärte er die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, die die Münchner nutzten. Nur einer von vielen Kovac-Sätzen in diesem Zusammenhang, die mit dem Wort „Ich“ beginnen. Seine Versuche, den Nacht- und Nebel-Wechsel nach München zu erklären und zu rechtfertigen, endeten insgesamt in einem Desaster.

Zumal die Leistungskurve der Mannschaft nach dem „Schock“ (Kevin-Prince Boateng) steil nach unten zeigt. Das zuletzt als Ziel ausgegebene Europa-Geschäft ist so gut wie verspielt, die Saison ist zerschossen. Wie Niko Kovac wirklich darüber denkt, ist schwer einzuschätzen. Seit Monaten trägt er bei Presseterminen sein Dauerlächeln wie eine Maske. Am vergangenen Samstag, nach der bitteren Niederlage in Gelsenkirchen, witzelte er in Richtung der Journalisten über das Kinderspiel „Hänschen piep einmal“, als die Mikrofonanlage nicht sofort funktionierte. Dabei gab es in diesem Moment eigentlich kaum Anlass zu guter Laune.

Aber Niko Kovac lebt – zumindest als Trainer von Eintracht Frankfurt – längst nach seinen ganz eigenen Maßstäben.

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