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Eintracht Frankfurt: Wie sich Kevin-Prince Boateng ein Denkmal baute

Von Als Entertainer ist er genauso gut wie auf dem Fußballplatz. Für die Eintracht ist Boateng in jeder Hinsicht ein Glücksfall.
Was für ein Coup: Kevin-Prince Boateng mit dem DFB-Pokal. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Was für ein Coup: Kevin-Prince Boateng mit dem DFB-Pokal.
Frankfurt. 

Der Moonwalk war auf dem Römerbalkon bei der Pokalfeier der Eintracht zwar nicht zu sehen, so wie seinerzeit im sagenumwobenen San Siro. Mit der Weltauswahl des AC Mailand war Kevin-Prince Boateng 2011 italienischer Meister geworden, und zur Feier des Tages tanzte er als perfektes Michael-Jackson-Double durchs Stadion, stilecht mit Glitzerjacke und Hut – die berühmten Kollegen waren begeistert, die Fans in den Kurven aus dem Häuschen.

Bilderstrecke So feiert Frankfurt seine Pokalhelden auf dem Römerberg
So feierte Frankfurt seine Pokalhelden am Frankfurter Römer.So feierte Frankfurt seine Pokalhelden am Frankfurter Römer.So feierte Frankfurt seine Pokalhelden am Frankfurter Römer.

Seine Entertainer-Qualitäten freilich stellte der „Prince“, wie er gerufen werden will und wie es auf seinem Trikot steht, auch auf den Pokalsieger-Partys in seiner neuen Heimat unter Beweis: Der An- und Wortführer der Frankfurter Eintracht ist ein Showmaster im besten Sinn und nebenbei auch noch ein begabter Sänger. Nur gut für die Adlerträger, dass er auch noch Fußball spielt. Ohne seine Prinzenrolle schließlich hätte diese Saison keinen lange so verheißungsvollen Verlauf genommen – und auch nicht ein solch märchenhaftes Ende gefunden.

Natürlich war es Boateng, der die sofort schon legendären Sprüche dazu lieferte. „Er hat vor dem Spiel gesagt mit seinem super Deutsch: Bruder, schlag den Ball lang! Und dann hab ich gesagt: Bruder, ich schlag den Ball lang“, berichtete er beim großen Empfang am Sonntag launig von dem Kabinengespräch mit Matchwinner Ante Rebic über die Erfolgsformel für den Coup gegen den FC Bayern. Und nebenbei fasste er vor jubelnden Massen auf dem Römer noch den heiklen Wechselfall seines Chefs Niko Kovac bestmöglich zusammen: „Wir alle haben gedacht: Was macht der? Aber er hat uns den Pokalsieg gebracht und zwei Jahre überragende Arbeit vergoldet. Jetzt kann er zu den Bayern gehen.“

Große Worte, große Taten

Dabei war Boateng nach dem wohl spannendsten Deal des vergangenen Bundesliga-Sommers rund um die Eintracht erst einmal nicht nur mit Begeisterung empfangen worden. „Da haben sich einige gefragt: Was wollen die mit dem?“, erinnerte sich Sportvorstand Fredi Bobic, als längst klar geworden war, was sich Trainer Kovac und Co. von ihrem aus Las Palmas verpflichteten alten Berliner Bekannten erhofften.

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Alex Meier ist am Mittwochabend zu seinen Eltern nach Hamburg gefahren. Er will dort ein wenig ausspannen und die letzten Tage Revue passieren lassen. Anschließend soll es ein Gespräch mit der Eintracht über seine Zukunft geben.

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Mit seiner fußballerischen Klasse und Charakterstärke führte Boateng die Mannschaft, ob als Spitze oder im Mittelfeld, er schoss wichtige Tore, dirigierte das Spiel und stemmte sich gegen alle Widrigkeiten, er nahm Kollegen wie den aufstrebenden Marius Wolf unter seine Fittiche und fand immer auch ein paar aufbauende Worte für Spieler aus der zweiten Reihe. Und nebenbei blickte er als erprobter Kämpfer gegen Rassismus über den Tellerrand des Fußballs auf gesellschaftliche Probleme, als schillerndes Gesicht dieser bunten Eintracht, als ein Frankfurter Liebling – das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Bilderstrecke Frankfurt holt den Pott: Empfang der Pokalhelden
Die Pokalhelden von Eintracht Frankfurt sind am Sonntag (20.05.) nach einer durchfeierten Nacht in der Bundeshauptstadt zum zweiten Teil des Party-Marathons in der Mainmetropole gelandet.Ein Sonderflieger mit riesigem Eintracht-Logo setzte um 16:16 Uhr in Frankfurt auf.In einem Autokorso ging es vom Flughafen zunächst weiter zum Frankfurter Römer, wo schon seit den Vormittagsstunden Tausende Fans auf ihre Pokalhelden warteten.

„Die ganze Stadt steht hinter der Mannschaft. Hinter dieser Multikulti-Truppe. Der Stadt und den Fans etwas zurückgeben, in naher Zukunft mal einen Pokal in den Händen zu halten, das ist eine Vision, die ich habe. Ich möchte hier ein kleines Denkmal schaffen, denn die Eintracht ist ein richtig geiler Verein“, erklärte er in einem FAZ-Interview während des Wintercamps an der Costa Blanca. Große Worte, denen große Taten folgten.

Ein Reifeprozess

Und der Bad Boy Boateng, zu dessen wechselvoller Vita nicht nur Sternstunden in Mailand gehören, sondern auch Skandale und Skandälchen? Von dem war nichts zu sehen, nichts zu hören. „Es war gar nicht leicht, dieses Image zu verändern, ein anderer Mensch zu sein. Aber es ist besser, wenn einen die Leute mögen“, bekundete der inzwischen 31 Jahre alte Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter, der Halbbruder von Bayerns Weltmeister Jerome Boateng, in der Woche vor dem Pokalfinale, als die Krönung dieser Erfolgsgeschichte noch ausstand, in seiner Heimatstadt Berlin.

Für die Eintracht hat sich Boateng als Glücksfall erwiesen, und das gilt auch umgekehrt. Eine solche Rückkehr in die Bundesliga hatte er, der bei seiner letzten Deutschland-Station Schalke 04 zum Sündenbock für eine verkorkte Saison gemacht worden war, nicht mehr erwartet. Das Selbstbewusstsein aber war ungebrochen.

„Vielleicht klappt es ja mit Europa oder dem Pokalfinale. Das wollen wir dann aber gewinnen“, sinnierte er bei seiner Vorstellung im August. Vor dem Anfang dieser Saison, die dann wirklich mit diesem Titel endete. Dem ersten für die Eintracht seit 30 Jahren, dem ersten für ihn seit den Mailänder Tagen mit Ibrahimovic und Pirlo, Seedorf und all den anderen Überirdischen. Nach einem Reifeprozess, zu dem auch das Familienleben am Rande Frankfurts gehört. „Ich bin ruhiger geworden“, sagt Kevin-Prince Boateng. Ein Meister der Showeinlagen aber ist er geblieben, ob mit oder ohne Tanzeinlagen.

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