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Eintracht Frankfurt: Zurück in die Zukunft: Ante Rebic will im zweiten Anlauf richtig durchstarten

Von Für Eintracht-Trainer Kovac ist Ante Rebic bisweilen der Wahnsinn, in jeder Hinsicht. Beide freuen sich, dass die Zusammenarbeit weitergeht.
Er schnürt wieder die Fußballschuhe Für die Eintracht: Ante Rebic (links) beim Testspiel in Marburg. Foto: Revierfoto (imago sportfotodienst) Er schnürt wieder die Fußballschuhe Für die Eintracht: Ante Rebic (links) beim Testspiel in Marburg.
Frankfurt. 

Die Verpflichtungen eines Berufsfußballers beschränken sich längst nicht nur auf Einsätze auf dem grünen Rasen. Am Mittwoch stand für Ante Rebic neben der Übungseinheit am späten Vormittag mit den alten und neuen Kollegen von der Frankfurter Eintracht zum Beispiel auch noch eine Presserunde am Nachmittag an, danach ging es direkt zum Yoga. Und dieser Donnerstagmorgen beginnt um viertel vor neun mit einer Deutschstunde, ehe es wieder auf den Trainingsplatz geht. Vor allem freilich hat Ante Rebic einen Termin im Kopf, sagt er – das Frankfurter Bundesliga-Gastspiel am Samstag um 15.30 Uhr bei Borussia Mönchengladbach. Ob der Flügelstürmer nach seiner plötzlichen Rückkehr da gleich wieder eine Rolle spielen könnte? „Ich fühle mich fit“, erklärt der 23-jährige Kroate jedenfalls, eine Dolmetscherin übersetzt – für intensivere Gespräche ist sein Deutsch noch nicht gut genug.

Für Rebic geht es in diesen Tagen zurück in die Zukunft. In dem in Frankfurt und anderswo ja ziemlich bewegten Wechselsommer war der Mann, der auf dem Spielfeld immer für besondere Momente gut ist, bisweilen zwischen Genie und Wahnsinn schwankt, im Grunde gleich zwei Mal eine Überraschung. Erst erklärte die Eintracht Anfang Juni, ihn nicht weiter zu verpflichten, wonach es über weite Teile der Rückrunde eigentlich ausgesehen hatte. Und dann gab es am 31. August, dem letzten Tag auf dem Transfermarkt, die Rolle rückwärts. Rebic wiederum hoffte auf eine solche Möglichkeit, seit er nach dem Ende seines Leihvertrages in Frankfurt zum AC Florenz zurückgekehrt war. „Ich hatte meine Tasche immer gepackt und war in einer halben Stunde bereit. Ich wollte nach den Erfahrungen in Frankfurt unbedingt zurück nach Deutschland“, erzählt er nun.

Werder Bremen und Hannover 96 hatten dem Vernehmen nach loses Interesse, zuletzt soll ihn sein Berater auch in England angeboten haben. Bis es aus Frankfurt anklopfte. „Drei Tage vor dem Ende der Transferperiode habe ich zum ersten Mal gehört, dass due Eintracht mich zurück will. Da habe ich mich sehr gefreut und keine Sekunde gezögert“, berichtet Rebic. „Ich kenne die Mannschaft, kenne die Eintracht und hatte hier ein gutes Jahr.“

Mit einer Prise Verrücktheit

Drei Tore in 28 Pflichtspielen schoss er in der vergangenen Saison, zwei weitere legte er auf – nicht schlecht, und doch war da noch Luft nach oben. Ein wenig wirkte die Leihgabe aus Florenz bei der großen Veranlagung am Ende doch wie ein noch nicht ganz eingelöstes Versprechen. Seine besten Spiele machte er gerade gegen die großen Clubs – wie im Finale um den DFB-Pokal, als er bei der 1:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund das Frankfurter Tor schoss. In der Rückrunde ließ er mit Wucht, feiner Technik und einer Prise Verrücktheit immer wieder aufblitzen, zu was er in der Lage ist – ein Künstler, ein Individualist freilich, der sich nicht immer so leicht einfügen ließ in das von Niko Kovac stets in den Vordergrund gestellte Kollektiv.

Warum sich die Eintracht erst einmal gegen ihn entschied, lag letztlich an zwei Faktoren: „Wenn wir ihn komplett hätten kaufen wollen, hätten wir fünf Millionen Euro bezahlen müssen. Manchmal war Ante so, dass er im Training alles überrannt hat. Manchmal haben sich die Journalisten, die draußen standen, mehr bewegt. Das mussten wir natürlich abwägen“, erklärte Kovac Mitte August, als Rebics Rückkehr kein Thema mehr schien, in der Frankfurter Rundschau. „Manchmal hat er Sachen gemacht, die waren der Wahnsinn. Aber dann hat er mich in den Wahnsinn getrieben.“

Rebic hat mit all’ dem kein Problem. „Ich bin ein Profi, ich weiß, das solche Dinge passieren“, sagt er zu der Entscheidung aus dem Juni, ihn ziehen zu lassen. Und zu der Kritik des Trainers meint er: „Das ist seine Aufgabe als Coach, mich auch mal zu kritisieren. Er kann mich ja nicht nur loben.“ Kovac kennt Rebic wie kaum ein anderer Trainer, zunächst aus der kroatischen U 21-Auswahl. Als Kovac dann zur Kroatiens Nationaltrainer befördert wurde, nahm er seinen „Ziehsohn“, wie er sagt, 2014 auch mit zur Weltmeisterschaft nach Brasilien. Und holte ihn nun zum zweiten Mal nach Frankfurt. „Ante muss das eine oder andere lernen – dabei werden wir ihn unterstützen“, vergaß der Coach danach nicht zu erwähnen. Er weiß, wie der an vorherigen Stationen in Leipzig und eben in Florenz als schwer erziehbar geltende Landsmann zu nehmen ist. Zuckerbrot oder Peitsche? „Niko kann beide Möglichkeiten gut dosieren“, meint Rebic und fügt an: „Ich schätze ihn, er schätzt mich.“

Einen Joker mehr im Ärmel

Dass die Zusammenarbeit nun doch weiter geht, liegt daran, dass der Deal im Sommerschlussverkauf günstiger geworden ist, der AC Florenz ihn unbedingt noch abgeben wollte – von 500 000 Euro Leihgebühr und einer Kaufoption im nächsten Sommer über zwei Millionen berichtet die Bild-Zeitung. Kovac freut es: „Mit ihm gewinnen wir Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit in unserem Spiel“, betont der Trainer, der diese Fähigkeiten in seinem Kader gut gebrauchen kann. Und Rebic will im zweiten Anlauf richtig durchstarten, auf welcher Position auch immer. „Ich persönlich fühle mich auf dem linken Flügel am wohlsten. Aber ich kann auch zweite Spitze spielen, das habe ich letzte Saison öfter gemacht“, sagt er. Dass die Eintracht nach dem 0:0 in Freiburg und dem 0:1 gegen Wolfsburg noch ohne Tor und mit nur einem Tor dasteht, kümmert ihn nicht. „Ich habe beide Spiele angeschaut: In beiden war die Eintracht eigentlich besser, es hat nur ein bisschen Glück gefehlt“, meint er.

Eines hat er auch gleich wieder festgestellt: „Die Trainingseinheiten sind schwieriger als in Florenz, die zwei Monate in Italien waren doch etwas anders. Im Vergleich mit dem, was hier passiert, war das fast nur Taktik und Chillen“, sagt er etwas augenzwinkernd, ganz so schlimm kann es aber nicht gewesen sein. Immerhin hat er nach eigener Rechnung auch fünf Freundschaftsspiele mitgemacht. „Und mein Laktattest nach der Ankunft hier war besser als letztes Jahr“, weiß Ante Rebic noch zu berichten. Niko Kovac, der bisweilen strenge Fußballlehrer, wird es gerne hören. Und sich seine Gedanken über die Rollenverteilung am Samstag machen. Einen Joker mehr hat er im Ärmel.

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