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1. FFC Frankfurt: Zitterpartie mit Nachspiel

Von Der 1. FFC Frankfurt darf gegen Wolfsburg um den erneuten Einzug in die Champions League spielen. Möglicherweise aber vor leeren Rängen.
Mit vollem Körpereinsatz: Gaelle Enganamouit (oben) gegen FFC-Torfrau Kremer. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Mit vollem Körpereinsatz: Gaelle Enganamouit (oben) gegen FFC-Torfrau Kremer.
Frankfurt. 

Kaum hatte der nächste Skandinavien-Krimi ein aus Frankfurter Sicht gutes Ende gefunden, da schwebte ein seltsamer Schatten über dem Nervenspiel. In die Freude über den erneuten Einzug der Fußballerinnen des 1. FFC ins Halbfinale der Champions League platzte am Tag nach dem Erfolg im Elfmeterschießen gegen Schwedens Meister FC Rosengård eine Nachricht der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die gegen den Titelverteidiger wegen des Verdachts rassistischer Sprechchöre ermittelt. Siegfried Dietrich reagierte darauf allerdings recht gelassen: „Ich gehe davon aus, dass wir das aufklären können“, sagte der FFC-Manager.

Bilderstrecke Champions League: 1. FFC Frankfurt nach Elfmeterkrimi im Halbfinale
Die Fußball-Frauen des 1. FFC Frankfurt haben sich mit viel Glück ins Halbfinale der Champions League gerettet. Nach dem 1:0 vor einer Woche zitterte sich der Titelverteidiger am Mittwoch mit einem 5:4 im Elfmeterschießen gegen den schwedischen Meister FC Rosengård um die fünfmalige Weltfußballerin Marta. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:0 für die Gäste gestanden.Vor 3220 Zuschauer war Torhüterin Anne-Kathrin Kremer Heldin des Tages. Sie wehrte den ersten Strafstoß von Rosengårds Sara Bjork Gunnarsdottir ab. Sie hatte ihr Team in der 28. Minute in Führung gebracht.Die Frankfurterinnen, die neben Dzsenifer Marozsan (Gelb-Sperre) auch kurzfristig auf Nationalspielerin Saskia Bartusiak wegen Muskelproblemen verzichten mussten, begannen stark mit einem Pfostenschuss von Laura Störzel (1.). Doch nach dem 0:1 rannten die Hessinnen ohne große Ideen vergeblich das Tor der Schwedinnen an. Frankfurt steht zum siebten Mal in der Vorschlussrunde, in der es zum Duell mit dem VfL Wolfsburg kommen kann.

Die Vorwürfe empfand Dietrich als „nicht nachvollziehbar. Wir sind gegen Rassismus, würden ihn als erste bekämpfen. Aber das hier war bloß die Reaktion der Fans auf die unfaire Spielweise der Spielerin.“ Tatsächlich hatte es am Mittwochabend während des Spiels Proteste von den Rängen gegen Rosengårds dunkelhäutige Stürmerin Gaelle Enganamouit gegeben, aber wohl keine rassistischen Beleidigungen. „Etwas anderes war auf der Haupttribüne nicht zu vernehmen“, sagte Dietrich.

Wie Afrikas Fußballerin des Jahres nach mehreren unfairen Szenen bei jeder Ballberührung ausgebuht und ausgepfiffen wurde, war am Brentanobad hingegen gut zu vernehmen. Schon im Hinspiel hätte Enganamouit für ihren Ellenbogen-Check gegen Saskia Bartusiak vorzeitig unter die Dusche gemusst. In Frankfurt erhielt die Kamerunerin nun für ihre erste rüde Attacke, die bei Marith Prießen eine geschwollene Lippe hinterließ, Gelb statt Rot, für die zweite gar keine Strafe. „Sie ist mit gestrecktem Bein in mein Knie gesprungen, man sieht noch die Stollenabdrücke“, wundert sich die spätere Elfmeter-Heldin Anne-Kathrine Kremer über das ausgebliebene Gelb-Rot.

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Kommentar: Kein Rassismus

Rassismus ist eine schlimme Sache. Gegen die man angehen muss. Man kann es aber auch übertreiben. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) ermittelt nun wegen Rassismusvorwürfen gegen den 1. FFC Frankfurt.

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Die italienische Schiedsrichterin Carina Vitulano übersah Enganamouits ständig unfaire Spielweise, schritt dafür gegen die FFC-Fans und den Verein ein. Das kann weitere Folgen haben: Der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarausschuss der Uefa will sich am 5. April mit den Vorfällen befassen. Bei einer Verurteilung droht als Minimal-Sanktion ein Teilausschluss der Zuschauer.

Rosengårds Trainer Jack Majgaard Jensen schimpfte nach dem Abpfiff: „Ich bin sehr enttäuscht über die Reaktion der Frankfurter Zuschauer.“ Und er legte nach, die FFC-Spielerinnen wären außerdem „viel zu schnell gefallen“. Darum sei er froh, Trainer des FC Rosengård und nicht Trainer der Frankfurterinnen zu sein. Nachdem er dafür Pfiffe quittierte, sagte er bei der Pressekonferenz im VIP-Bereich kein Wort mehr.

Sein Kollege Matt Ross hatte viel mehr Grund zur guten Laune, und für ihn spielten auch andere Dinge eine größere Rolle. „Für die Zuschauer war es ein großartiges Spiel auf hohem Level“, urteilte der Frankfurter Coach. Auf jeden Fall war es voller Spannung. Schon im Achtelfinale gegen den norwegischen Vertreter LSK Kvinner benötigte der FFC ein Elfmeterschießen zum Weiterkommen, weil er nach einem 2:0-Hinspielsieg in der Ferne daheim 0:2 verlor. Eine Runde später nun gewann man in Schweden 1:0, lag aber nach 120 Minuten in Frankfurt 0:1 im Hintertreffen. Um dann erneut mit einer 5:4-Bilanz vom Punkt zu triumphieren.

Torfrau Kremer hielt den ersten Elfmeter, alle fünf Frankfurterinnen verwandelten sicher – zuletzt Marith Prießen. Trainiert hätten sie die Elfmeter nicht, auch die Schützen-Auswahl überließ Trainer Ross den Spielerinnen selbst. Lediglich bei der am Tag vor dem Match gereiften Entscheidung, die eigentliche Ersatztorfrau Kremer zwischen die Pfosten zu stellen, spielte die Überlegung, dass sie eine Elfmeterkillerin ist, für Ross eine Rolle.

So steht fest, dass im Finale am 26. Mai im italienischen Reggio Emilia eine deutsche auf eine französische Mannschaft trifft. Im ersten Halbfinale begegnen sich der FFC und der VfL Wolfsburg (23./24. April in Wolfsburg, 30. April/1. Mai in Frankfurt), im zweiten Olympique Lyon und Paris Saint-Germain. „Mit Wolfsburg haben wir nach der 1:3-Punktspielniederlage vor zwei Wochen noch eine Rechnung offen. Wir wollen ins Finale“, sagte Prießen. Hoffentlich mit Unterstützung der FFC-Fans – alles andere wäre der Sache nicht angemessen.

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