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1. FFC Frankfurt: Zitterpartie mit Nachspiel

Von Der 1. FFC Frankfurt darf gegen Wolfsburg um den erneuten Einzug ins Champions-League-Finale spielen. Möglicherweise aber vor leeren Rängen.
Gaelle Enganamouit (oben) gegen Torfrau Kremer. Foto: imago sportfotodienst (imago sportfotodienst) Gaelle Enganamouit (oben) gegen Torfrau Kremer.
Frankfurt. 

Kaum hatte der nächste Skandinavien-Krimi ein aus Frankfurter Sicht gutes Ende gefunden, da schwebte ein seltsamer Schatten über dem Nervenspiel. In die Freude über den erneuten Einzug der Fußballerinnen des 1. FFC ins Halbfinale der Champions League platzte am Tag nach dem Erfolg im Elfmeterschießen gegen Schwedens Meister FC Rosengård eine Nachricht der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die gegen den Titelverteidiger wegen des Verdachts rassistischer Sprechchöre ermittelt. Siegfried Dietrich reagierte darauf allerdings recht gelassen: „Ich gehe davon aus, dass wir das aufklären können“, sagte der FFC-Manager.

Die Vorwürfe empfand Dietrich als „nicht nachvollziehbar. Wir sind gegen Rassismus, würden ihn als erste bekämpfen. Aber das hier war bloß die Reaktion der Fans auf die unfaire Spielweise der Spielerin.“ Tatsächlich hatte es am Mittwochabend während des Spiels Proteste von den Rängen gegen Rosengårds dunkelhäutige Stürmerin Gaelle Enganamouit gegeben, aber wohl keine rassistischen Beleidigungen. „Etwas anderes war auf der Haupttribüne nicht zu vernehmen“, sagte Dietrich. Wie Afrikas Fußballerin des Jahres nach mehreren unfairen Szenen bei jeder Ballberührung ausgebuht und ausgepfiffen wurde, war am Brentanobad hingegen gut zu vernehmen.

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Kommentar: Kein Rassismus

Rassismus ist eine schlimme Sache. Gegen die man angehen muss. Man kann es aber auch übertreiben. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) ermittelt nun wegen Rassismusvorwürfen gegen den 1. FFC Frankfurt.

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Schon im Hinspiel hätte Enganamouit für ihren Ellenbogen-Check gegen Saskia Bartusiak vorzeitig unter die Dusche gemusst. In Frankfurt erhielt die Kamerunerin nun für ihre erste rüde Attacke, die bei Marith Prießen eine geschwollene Lippe hinterließ, Gelb statt Rot, für die zweite gar keine Strafe. „Sie ist mit gestrecktem Bein in mein Knie gesprungen, man sieht noch die Stollenabdrücke“, wundert sich die spätere Elfmeter-Heldin Anne-Kathrine Kremer über das ausgebliebene Gelb-Rot.

Die italienische Schiedsrichterin Carina Vitulano übersah Enganamouits unfaire Spielweise, schritt dafür gegen die FFC-Fans und den Verein ein. Das kann weitere Folgen haben: Der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarausschuss der Uefa will sich am 5. April mit den Vorfällen befassen. Bei einer Verurteilung droht als Minimal-Sanktion ein Teilausschluss der Zuschauer.

Rosengårds Trainer Jack Majgaard Jensen schimpfte nach dem Abpfiff: „Ich bin sehr enttäuscht über die Reaktion der Frankfurter Zuschauer.“ Und er legte nach, die FFC-Spielerinnen wären außerdem „viel zu schnell gefallen“. Darum sei er froh, Trainer des FC Rosengård und nicht Trainer der Frankfurterinnen zu sein. Nachdem er dafür Pfiffe quittierte, sagte er bei der Pressekonferenz kein Wort mehr.

Sein Kollege Matt Ross hatte viel mehr Grund zur guten Laune, und für ihn spielten auch andere Dinge eine größere Rolle. „Für die Zuschauer war es ein großartiges Spiel auf hohem Level“, urteilte der Frankfurter Coach. Auf jeden Fall war es voller Spannung. Schon im Achtelfinale gegen den norwegischen Vertreter LSK Kvinner benötigte der FFC ein Elfmeterschießen zum Weiterkommen, weil er nach einem 2:0-Hinspielsieg in der Ferne daheim 0:2 verlor. Eine Runde später nun gewann man in Schweden 1:0, lag aber nach 120 Minuten in Frankfurt 0:1 im Hintertreffen. Um dann erneut mit einer 5:4-Bilanz vom Punkt zu triumphieren.

Torfrau Kremer hielt den ersten Elfmeter, alle fünf Frankfurterinnen verwandelten sicher – zuletzt Marith Prießen. Trainiert hätten sie die Elfmeter nicht, auch die Schützen-Auswahl überließ Ross den Spielerinnen. Lediglich bei der am Tag vor dem Match gereiften Entscheidung, die eigentliche Ersatztorfrau Kremer zwischen die Pfosten zu stellen, spielte die Überlegung, dass sie eine Elfmeterkillerin ist, für Ross eine Rolle.

So steht fest, dass im Finale am 26. Mai im italienischen Reggio Emilia eine deutsche auf eine französische Mannschaft trifft. Im ersten Halbfinale begegnen sich der FFC und der VfL Wolfsburg (23./24. April in Wolfsburg, 30. April/1. Mai in Frankfurt), im zweiten Olympique Lyon und Paris Saint-Germain. „Wir wollen ins Finale“, sagte Prießen.

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