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FSV Frankfurt: Der Aufstieg und Fall des Clemens Krüger

Von Clemens Krüger begann am 1. März 2000 als rechte Hand von Bernd Reisig, ehe er zum mächtigsten Mann am Bornheimer Hang aufstieg. Jetzt ist er für die meisten der Hauptverantwortliche für den finanziellen und sportlichen Absturz des langjährigen Fußball-Zweitligisten und hat am 31. März seinen letzten Arbeitstag bei den Bornheimern.
Seine Zeit beim FSV läuft ab: Der scheidende Geschäftsführer Clemens Krüger. Foto: Peter Hartenfelser Seine Zeit beim FSV läuft ab: Der scheidende Geschäftsführer Clemens Krüger.
Frankfurt. 

Es war der Herbst 1999, als es zu einer ersten flüchtigen Begegnung kam. Clemens Krüger hatte gerade sein Studium zum Betriebswirt abgeschlossen, als dem jungen Berliner die Stellenanzeige im „kicker“ ins Auge fiel. „Südregionalligist sucht Geschäftsführer“ hieß es kurz und bündig. Also begab sich der damals 28 Jahre alte Krüger erstmals in den Frankfurter Osten, um bei Bernd Reisig vorzusprechen. Der war damals Präsident des FSV Frankfurt und versuchte die Bornheimer, die drei Jahre zuvor kurz vor dem Konkurs gestanden hatten, wieder zu konsolidieren.

Im Schatten von Reisig

Nach zwei weiteren Gesprächen hatte Krüger den Job, weil Reisig davon überzeugt war, dass der fußballverrückte Berliner genau der richtige Mann war, um ihn bei seiner Aufbauarbeit zu unterstützen. Und Krüger, der sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema „Professionelle Fußballvereine als Wirtschaftsunternehmen“ beschäftigt hatte, entwickelte sich für den damals noch hochverschuldeten und in der viergleisigen Regionalliga spielenden FSV zu einem Glücksfall.

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Die Stimmung rund um den Bornheimer Hang ist auf dem Nullpunkt. Ein Comeback von Bernd Reisig in führender Rolle wird es indes nicht geben.

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Im Schatten von Reisig, dem stets die Schlagzeilen bei dem langsam wieder aufstrebenden Frankfurter Stadtteilclub gehörten, leistete Krüger im Hintergrund fleißig und zuverlässig seine Arbeit, was aus seiner Sicht in der Öffentlichkeit allerdings nie die richtige Anerkennung fand. Der stets polarisierende Medienmanager Reisig wurde das populäre Gesicht des FSV, während Krüger auf der Geschäftsstelle am Bornheimer Hang, der für ihn neben seiner Heimatstadt Berlin zum zweiten Lebensmittelpunkt wurde, im Hintergrund zum Mädchen für alles avancierte. So war sich Krüger zum Beispiel nicht zu schade, ganz nebenbei auch noch als Spielertrainer der in der A-Klasse kickenden zweiten Mannschaft des FSV zu fungieren.

Obwohl sie sich menschlich nicht sonderlich nahe standen, bildeten Krüger und Reisig dennoch eine gut funktionierende Zweckgemeinschaft, die den FSV 2008 zurück in die Zweite Bundesliga führte. Nach der Ausgliederung der Profis in die neugegründete GmbH des FSV Frankfurt avancierte Krüger dann zum Prokuristen, ehe er am 15. Dezember 2010 Finanz-Geschäftsführer wurde.

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Kurz zuvor hatte Reisig, nach einer Dauerfehde mit der Stadt Frankfurt physisch und psychisch ausgelaugt, überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Aufstieg Krügers zum mächtigsten Mann des FSV konnte beginnen. Zunächst allerdings bildete Krüger gemeinsam mit Uwe Stöver (Sport) und Jens-Uwe Münker (Organisation) eine dreiköpfige Geschäftsführung, unter der die mittlerweile schuldenfreien Bornheimer ihre vielleicht besten Jahre im Bundesliga-Unterhaus erlebten. Krüger wachte als selbst ernannter „Herr der Zahlen“ streng über die Finanzen und drehte jeden Euro am liebsten drei Mal um, bevor er endlich bereit war, ihn auch auszugeben. Was seinen geschäftsführenden Kollegen Stöver, der den sportlichen Bereich verantwortete, häufig zur Verzweiflung trieb. Während zum Beispiel die Ligakonkurrenz ihre Trainingslager in Südtirol oder an der spanischen Mittelmeerküste abhielt, bestritt der FSV jahrelang seine sommerliche Saisonvorbereitung aus Kostengründen in Bad Kreuznach.

Wagenburgpolitik

Dennoch schaffte es Krüger nicht, in den acht Zweitligajahren des FSV ein Polster anzulegen, um für einen möglichen Abstieg vorbereitet zu ein. Ganz im Gegenteil: Krüger, der nach dem Rückzug von Münker und der Entlassung von Stöver im Frühsommer 2015 endgültig zum mächtigsten Mann am Bornheimer Hang aufgestiegen war, verließ den Pfad der Sparsamkeit und gab ganz offensichtlich mehr Geld aus, als er einnahm. Und das bei bereits seit Jahren sinkenden Sponsoreneinnahmen.

So entwickelte sich der einstige Vorzeigeclub zu einem finanziellen Sorgenkind, was von Krüger in der Öffentlichkeit stets vehement abgestritten wurde. Innerhalb des Vereins betrieb Krüger gemeinsam mit dem ihm sehr nahe stehenden Präsidium mittlerweile eine Wagenburgpolitik, die es zum Beispiel dem Aufsichtsrat nicht möglich machte, an Informationen über die tatsächliche finanzielle Situation zu kommen.

Aber schon im Sommer des vergangenen Jahres nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga, den Krüger nach einer Vielzahl von personellen Fehlentscheidungen mit zu verantworten hatte, machten am Bornheimer Hang Gerüchte über eine drohende Insolvenz die Runde. Krüger schwieg weiter, schaffte es in einem Kraftakt und ganz offensichtlich nur mit der Hilfe von privaten Gönnern gerade noch so, die Lizenz für die Dritte Liga zu erhalten. Der finanzielle Absturz des FSV war aber nicht mehr aufzuhalten. Zumal die Hoffnung von Krüger, mit einem sofortigen Wiederaufstieg wieder in den Genuss der üppigen Fernsehgelder zu kommen, sich durch eine sportliche Misserfolgsserie zerschlug. Am Freitag hat Krüger, der eigentlich noch einen Vertrag bis 2020 besaß, nun offiziell seinen letzten Arbeitstag am Bornheimer Hang, den er nach fast 17 Jahren verlassen wird. Fluchtartig.

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