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FSV Frankfurt: Entsetzen über Rassismus gegen Barry

Von Der Spieler Shawn Barry ist tief getroffen nach den Vorfällen von Zwickau. Die Mitarbeiter des Fanprojekts des FSV Frankfurt registrieren in diesen Monaten eine Zunahme von rassistischen Entgleisungen.
Wenigstens nach dem FSV-Tor hatte Shawn Barry (Mitte) in Zwickau Grund zu jubeln. Foto: Reinhard Roskaritz (www.bild-pressehaus.de) Wenigstens nach dem FSV-Tor hatte Shawn Barry (Mitte) in Zwickau Grund zu jubeln.
Frankfurt. 

Gestern entschied sich Shawn Barry dazu, das zu schildern und zu kommentieren, was er am Samstag bei der Drittliga-Partie des FSV Frankfurt in Zwickau (1:1) erlebt hat. „Bereits während des Spiels habe ich vereinzelt Beschimpfungen gehört, auch das Wort Nigger. Beim Gang in die Kabine gab es ebenfalls Zuschauer, die Affen imitiert haben. Im Fußball sollte es bei aller Emotion nie so weit kommen. Ich dachte mir, das kann nicht wahr sein. Ich spiele schon seit ein paar Jahren in Europa und hätte anfangs nicht gedacht, dass es hier noch Rassismus gibt. Es ist traurig zu sehen, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden“, sagte der dunkelhäutige US-Amerikaner.

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Beim Spiel des FSV Frankfurt beim FSV Zwickau sollen Fans der Gastgeber den dunkelhäutigen Frankfurter Shawn Barry rassistisch beschimpft haben. Dass Zwickau den Vorfall bestreitet, hält FNP-Sportchef Klaus Veit für fatal. Ein Kommentar.

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Barry, der seit 16 Monaten bei den Bornheimern unter Vertrag steht und davor in Österreich für den Linzer ASK am Ball war, richtete zugleich einen Appell an alle Fußballfans, rechtsextreme Fans nicht einfach gewähren zu lassen. „Dagegen müssen wir aufstehen und den Menschen zeigen, dass dies der falsche Weg ist.“

Bereits unmittelbar nach dem Spiel hatte Frankfurts Trainer Roland Vrabec in einem MDR-Interview harsche Kritik an Teile der Zwickauer Zuschauer gerichtet (wir berichteten). Von Sportdirektor Roland Benschneider erhielt Vrabec gestern Rückendeckung. Es sei absolut richtig von ihm gewesen, dies angeprangert zu haben, sagte Benschneider dieser Zeitung. „Ich habe Gestiken gesehen und Affengeräusche gehört – das ist nicht zu tolerieren. Dies hat nirgendwo etwas zu suchen“, äußerte sich der 36-Jährige. In seiner Zeit als Spieler habe Benschneider ähnliche Vorfälle erlebt.

Auf Twitter untermauerten die Westsachsen indes ihre Version der Ereignisse. „Und wieder hat nur eine einzige Person angeblich etwas gehört. Es ist unglaublich! Lasst uns endlich damit in Ruhe!“, lautet ein Statement des FSV Zwickau. „Man hört das, was man hören will“, kommentierte Benschneider diese Aussage. Gleichwohl erklärte er, dass die Provokation nach Spielende vor dem Gang in die Kabine nur von „einer kleinen Randgruppe“ ausgegangen sei.

Nicht überraschend

Für Steffen Tritschler vom FSV-Fanprojekt kommt die Entwicklung nicht überraschend. „Rassismus war in den letzten Jahren nicht so präsent, wie es jetzt der Fall ist. Aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Lage wird dies offener ausgetragen. Viele fühlen sich dazu ermutigt. Es reicht schon, wenn in einer Gruppe Alkohol im Spiel ist“, sagte der 32 Jahre alte Sozialpädagoge. Und Tritschler bestätigte, dass dies gewiss nicht nur auf Ostclubs zutrifft; gewaltbereite Zwickauer bildeten mit ihren Chemnitzer Mitstreitern die „Hoonara“ (Hooligans, Nazis, Rassisten), die vor allem in den 1990er Jahren aktiv war.

Ein rechtsorientiertes Klientel wie beispielsweise in Aachen, Braunschweig, Bremen, Dortmund, Düsseldorf und Essen gebe es beim FSV Frankfurt nicht, sagte Tritschler. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall. „Unsere Fanszene ist antirassistisch und generell gegen Diskriminierung“, führte er aus. Dies treffe auf die Ultra-Gruppierungen Senseless Crew, Pugnatores und Armada zu, ebenso auf einige klassische Fanclubs. Seit längerem bestehende Differenzen innerhalb der Ultra-Szene hätten „keinen politischen Hintergrund“, betonte Tritschler. In Zwickau waren annähernd 100 FSV-Fans.

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