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DFB bestraft Zwickau: Späte Einsicht: FSV-Profi Shawn Barry wurde rassistisch beleidigt

Von Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den Fußball-Drittligisten FSV Zwickau gestern zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt. Das Sportgericht des Verbandes sah es als erwiesen an, dass Shawn Barry, der dunkelhäutige Profi des FSV Frankfurt, von Zwickauer Anhängern rassistisch beleidigt worden war.
Nur mit Mühe können die Frankfurter Profis Sören Pirson (links) und Steffen Schäfer ihren Mitspieler Shawn Barry beruhigen, nachdem er von Zwickauer Zuschauern  auf das Übelste beleidigt worden war. Foto: imago sportfotodienst Nur mit Mühe können die Frankfurter Profis Sören Pirson (links) und Steffen Schäfer ihren Mitspieler Shawn Barry beruhigen, nachdem er von Zwickauer Zuschauern auf das Übelste beleidigt worden war.
Frankfurt. 

Am Ende schlug Stephan Oberholz einen versöhnlichen Ton an. „Der Verein hat durch sein Verhalten versucht, ein Zeichen zu setzen und uns versichert, präventive Maßnahmen zu ergreifen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des DFB-Sportgerichts am Ende seiner Urteilsbegründung und wünschte den Verantwortlichen des Fußball-Drittligisten FSV Zwickau noch viel Glück im Kampf um den Klassenerhalt.

Das Ringen vor dem DFB-Sportgericht hatte der Aufsteiger aus Sachsen schon verloren, bevor die Verhandlung eigentlich so richtig begonnen hatte. Auf Drängen von Oberholz, im Hauptberuf Richter am Leipziger Landgericht, verzichtete man gestern auf die zeitaufwendige Vernehmung der geladenen Zeugen, weil Oberholz die Beweislast ganz offensichtlich zu deutlich erschien.

Keine Zeugenvernehmung

So konnte zum Beispiel Roland Vrabec, der Cheftrainer des Zwickauer Ligarivalen FSV Frankfurt, gestern nicht dem DFB-Sportgericht schildern, was aus seiner Sicht beim Gastspiel der Bornheimer am 22. Oktober in Zwickau passiert ist. Dass nämlich Shawn Barry, der dunkelhäutige Profi der Frankfurter, während des Spiels und beim Gang in die Kabine von etwa 20 einheimischen Anhängern rassistisch beleidigt worden war. Neben Vrabec hatten dies auch FSV-Sportdirektor Roland Benschneider, Barry, seine Mitspieler Massimo Ornatelli und Ranisav Jovanovic sowie ein Frankfurter Journalist, der die Hessen nach Zwickau begleitete, in einer schriftlichen Stellungnahme an den DFB bestätigt. Während die Verantwortlichen des FSV Zwickau die Vorwürfe zunächst vehement abstritten, nahm der Kontrollausschuss des DFB unter der Leitung von Dr. Wolfgang Zieher die Ermittlungen gegen die Sachsen auf.

Während der gestrigen Verhandlung erfolgte bei den Verantwortlichen des FSV Zwickau, der gestern unter anderem von Jörg Schade, dem Bereichsleiter Spielbetrieb und Sport vertreten wurde, die Kehrtwende. „Wir können nicht guten Gewissens ausschließen, dass der Spieler nicht beleidigt wurde“, erklärte Schade, der sich später auch noch persönlich bei Barry entschuldigte.

„Der FSV Zwickau hat für das Fehlverhalten einige seiner Zuschauer die Verantwortung übernommen. Das hat ganz erheblich zur Strafmilderung beigetragen“, sagte Oberholz, der zuvor noch einmal unmissverständlich deutlich gemacht hat, wie die Haltung des Verbandes beim Thema Rassismus ist. „Der DFB duldet keine diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen auf seinen Sportplätzen. Da droht der Gesellschaft eine Gefahr, wenn so etwas auf der Bühne des Fußballs passiert“, erklärte Oberholz, nachdem er und seine Mitstreiter im DFB-Sportgericht sich dem Antrag des Kontrollausschusses bei ihrem Strafmaß anschlossen.

So wurde Zwickau zu einer Geldstrafe von 13 000 Euro verurteilt. Zudem muss der Club ein Heimspiel unter teilweisem Ausschluss der Zuschauer austragen. Dies wurde jedoch für einen Zeitraum von zehn Monaten zur Bewährung ausgesetzte. Bei den Verantwortlichen des FSV Frankfurt sorgte das Ergebnis der gestrigen Verhandlung für Genugtuung. „Der FSV Zwickau muss daraus seine Lehren ziehen. Für uns war es wichtig, dass unser Spieler Shawn Barry nicht als Beschuldigter dasteht“, sagte Clemens Krüger, der Geschäftsführer des FSV Frankfurt. Nach Bekanntwerden der Vorfälle war Barry in den sozialen Netzwerken nicht gerade freundlich von Anhängern des FSV Zwickau behandelt worden.

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