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Fragen und Antworten: Wie geht es nach der Insolvenz mit dem FSV weiter?

Von Für Michael Görner, den Präsidenten des FSV Frankfurt, war der Insolvenzantrag ein „alternativloser Schritt“. Denn der mit drei Millionen Euro verschuldete Fußball-Drittligist steht vor der Zahlungsunfähigkeit.
Er begründete gestern den Insolvenzantrag: Michael Görner, der Präsident des FSV Frankfurt. Foto: Huebner/Ulrich (Jan Huebner) Er begründete gestern den Insolvenzantrag: Michael Görner, der Präsident des FSV Frankfurt.
Frankfurt. 

Nach knapp 14 Tagen im Amt haben Michael Görner, der neue Präsident des FSV Frankfurt, und sein Stellvertreter Stephan Siegler den aussichtslosen Kampf aufgegeben. Zwei Wochen lang hatten Görner und Siegler gemeinsam mit dem Juristen Sascha Walter, einem Spezialisten für Insolvenzen, bis zur Erschöpfung Bücher gewälzt, Bilanzen geprüft, unzählige Gespräche mit möglichen Geldgebern geführt und nach Lösungen gesucht. Aber dem Sanierungsfall im Frankfurter Osten war nicht mehr zu helfen.

Ein Sanierungsfall

„Das war ein alternativloser Schritt“, sagte Görner gestern, nachdem man wie erwartet am Vormittag beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag für die FSV Frankfurt Fußball GmbH gestellt hatte. „Um die ausstehenden Rechnungen bis zum 30. Juni bezahlen zu können, hätten wir 400 000 Euro an Liquidität generieren müssen“, erklärte der frühere Unternehmensberater. Einfacher ausgedrückt: Der FSV Frankfurt ist zahlungsfähig und kann die nächsten drei Gehälter für die rund 70 Mitarbeiter der GmbH, darunter auch die Drittligaprofis, nur mit Hilfe des Insolvenzgeldes bezahlen.

Wie lange wird die Fahne des FSV Frankfurt noch am Bornheimer Hang wehen? Bild-Zoom Foto: Jan Huebner (Jan Huebner)
Wie lange wird die Fahne des FSV Frankfurt noch am Bornheimer Hang wehen?

Aber auch das weitere Zahlenmaterial, das Görner und Siegler gestern vorlegten, verdeutlichte noch einmal das ganze Ausmaß der Misswirtschaft, die in den letzten drei Jahren am Bornheimer Hang betrieben wurde. So drückt den Frankfurter Stadtteilclub insgesamt eine Schuldenlast von drei Millionen Euro. Davon sind alleine zwei Millionen Euro kurzfristige Verbindlichkeiten, eine Million Euro schuldet der langjährige Zweitligist privaten Gönnern, die in der jüngeren Vergangenheit mit ihren Darlehen immer wieder Löcher stopften.

Wie geht es jetzt weiter? Heute wird der vom Amtsgericht eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Fabio Algari seine Arbeit am Bornheimer Hang aufnehmen. Der auf Insolvenzrecht spezialisierte Rechtsanwalt aus Frankfurt hatte 2010 das Insolvenzverfahren der damals in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielenden Frankfurt Lions begleitet.
 

Logo des FSV Frankfurt auf Fanschal. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv
Insolvenz des FSV Kommentar: Das Ende einer Reise

"Damals war der FSV noch ein Vorzeigeclub, der auf wundersame Art und Weise der finanzkräftigeren Konkurrenz im Bundesliga-Unterhaus demonstrierte, dass man auch mit wenig Mitteln viel erreichen kann", sagt unser Kommentarschreiber Michael Helms.

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Wer zahlt das Gehalt der Spieler und der Mitarbeiter der GmbH? Nach deutschem Recht erhalten die Arbeitnehmer im Falle der Insolvenz ihres Arbeitgebers drei Monate lang ein Insolvenzgeld.

In welcher Liga wird der FSV Frankfurt in der kommenden Saison spielen? Das ist noch völlig ungewiss. Da ist von der Regionalliga bis hinunter in die Kreisliga B alles möglich. Die Entscheidung darüber fällt letztendlich der Insolvenzverwalter. Den Verantwortlichen des FSV Frankfurt, die am liebsten in der Regionalliga einen Neuanfang starten wollen, wird das Heft des Handelns abgenommen. Außerdem ist noch unklar, wie hoch die finanzielle Unterstützung des FSV durch seine Partner und bisherigen Sponsoren künftig sein wird. Die Frankfurter Volksbank wird bekanntlich nicht mehr als Namensgeber des Stadions fungieren, der Vertrag mit dem Hauptsponsor ayondo galt nur für die Dritte Liga.

 

Das waren noch Zeiten: Bernd Reisig (rechts), der damalige Geschäftsführer des FSV Frankfurt, feiert im Frühsommer auf dem Römerbalkon gemeinsam mit Cheftrainer Tomas Oral den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Bild-Zoom Foto: JOACHIM STORCH (Pressefotografie Storch, Bad Hg.)
Das waren noch Zeiten: Bernd Reisig (rechts), der damalige Geschäftsführer des FSV Frankfurt, feiert im Frühsommer auf dem Römerbalkon gemeinsam mit Cheftrainer Tomas Oral den Aufstieg in die Zweite Bundesliga.

 

Hat die Insolvenz strafrechtliche Folgen für den früheren Geschäftsführer Clemens Krüger und das alte Präsidium? Möglicherweise. Sollte der Insolvenzverwalter nach Prüfung der Bücher Unregelmäßigkeiten feststellen oder sollte der Verdacht der Insolvenzverschleppung bestehen, könnte er ein Verfahren einleiten.

Werden dem FSV Frankfurt aufgrund des Insolvenzverfahrens Punkte abgezogen? Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), das sieht die Spielordnung so vor, wird dem FSV Frankfurt für die laufende Saison neun Punkte abziehen. Damit rutschen die Bornheimer, die aber schon vor dem Insolvenzantrag kaum noch Chancen auf den Klassenverbleib hatten, auf den letzten Platz des Klassements und haben bei noch sechs ausstehenden Spielen 14 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer.

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Wie die Zukunft des FSV Frankfurt aussehen wird, vermag niemand vorauszusagen. Als Orientierung könnten aber die „Insolvenz-Könige“ von der anderen Main-Seite dienen.

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Hat die Insolvenz der GmbH auch Auswirkungen auf den Verein FSV Frankfurt? Mit Sicherheit, denn der Verein und seine GmbH waren wirtschaftlich eng miteinander verbunden. „Wir sind noch auf der Suche nach der Trennlinie zwischen Verein und GmbH“, sagte Stephan Siegler gestern. Außerdem leisten die Mitarbeiter der GmbH auch sehr viel Arbeit für den Verein.

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