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Costa Rica nach 1:0 gegen Italien im Freudentaumel

Costa Rica sorgt für die nächste Sensation, schlägt Italien und steht nach 1990 wieder im Achtelfinale. Zwischen Uruguay und Italien kommt es zum Finale um die nächste Runde. England fährt nach Hause.
Nach Abpfiff wurde im Team Costa Rica erstmal auf den Achtelfinal-Einzug getanzt. Foto: Ettore Ferrari Nach Abpfiff wurde im Team Costa Rica erstmal auf den Achtelfinal-Einzug getanzt. Foto: Ettore Ferrari
Recife. 

Jorge Luis Pinto kämpfte mit den Tränen. Ungläubig blickte der Trainer von WM-Sensation Costa Rica auf den Rasen und schüttelte immer wieder den Kopf.

Während Andrea Pirlo und Mario Balotelli nach der 0:1-Pleite Italiens gedemütigt vom Platz schlichen, zelebrierten die Profis aus Zentralamerika euphorisiert ihren zweiten Achtelfinal-Einzug bei einer Fußball-WM nach 1990.

«Ich habe Gott gedankt und an alle gedacht, die uns unterstützt und an uns geglaubt haben», sagte Pinto später bei der Pressekonferenz. Zweimal klingelte sein Handy vor der Fragerunde, zweimal musste er die Gratulanten abwimmeln. Seine Manschettenknöpfe glitzerten im künstlichen Licht, die lachsfarbene Krawatte saß perfekt am Hals, als der nur 1,65 Meter große Chefcoach sichtlich bewegt konstatierte: «Heute ist ein historischer Tag. Nicht nur für unsere Mannschaft, für das ganze Land. Wir sind sehr, sehr stolz.» Der zum «Man of the Match» gekürte Torschütze Bryan Ruiz hockte auf der vierstufigen Treppe neben dem Podium und lauschte den Worten seines Trainers.

«Vielleicht haben wir zunächst noch nicht ganz realisiert, wie wichtig dieser Sieg war. Aber jetzt haben wir gehört, dass die Menschen zu Hause auf den Straßen feiern. Das macht uns sehr glücklich», sagte der Schütze des einzigen Treffers (44. Minute) und fügte frech an: «Jetzt wollen wir mehr als das Achtelfinale.» Das mittelamerikanische Land stand während des Spiels still, Schulen und Behörden hatten geschlossen.

Zuvor hatten sich bemerkenswerte Szenen abgespielt: Der starke Torwart Keylor Navas kniete nieder, Oscar Duarte vergrub sein Gesicht im Gras, Ruiz sprintete von der Ersatzbank auf seine Mitspieler zu und herzte jeden, der ihm in die Quere kam. Beim obligatorischen Freudentänzchen war schnell eine Fahne zur Hand - Fans und Spieler feierten den größten Erfolg in der Geschichte des bislang krassen WM-Außenseiters. Ruiz war überglücklich: «An diejenigen, die nicht an uns geglaubt haben, Danke, dass ihr jetzt damit anfangt.»

Und im Moment des Triumphes gönnten sich die freudetrunkenen Anhänger auch ein klein wenig Schadenfreude. «Good Bye England» hatte ein rot-weiß-blau geschmückter und bemalter Fan auf ein Blatt Papier gemalt. Mit dem zweiten Sieg gegen einen ehemaligen Weltmeister nach dem 3:1-Coup gegen Uruguay besiegelte Costa Rica am Freitag vor 40285 Zuschauern auch endgültig das WM-Schicksal der Engländer.

«Eine schlimme Partie», befand Italiens Coach Cesare Prandelli und betonte: «Du gewinnst keine Spiele, nur weil du in der Vergangenheit Titel gewonnen hast.» Zugleich versuchte er aber den Blick nach vorne zu richten: «Wir dürfen jetzt auch nicht zu negativ sein. Wir wussten, dass es eine schwere Gruppe ist. Jetzt kommt es darauf an, schnell wieder Energie aufzuladen», sagte der Trainer. Gegen Uruguay am Dienstag kommt es nun zum Finale um den Achtelfinaleinzug.

Nach der bestandenen Dschungel-Prüfung in der Tropenhitze von Manaus mussten die Italiener auch im heißen Nordosten Brasiliens mit Temperaturen um die 30 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit zurechtkommen. So gönnte Prandelli seinen Profis Marco Verratti und Gabriel Paletta eine Pause und stellte seine Abwehrkette nach dem 2:1-Erfolg gegen England ein wenig um.

Torhüter Gianluigi Buffon kam nach überstandener Knöchelverletzung in seinem 141. Länderspiel zu seinem Debüt in Brasilien bei seiner insgesamt fünften WM-Teilnahme und erlebte in der 7. Minute gleich eine Schrecksekunde, als Celso Borges nach einer Ecke per Kopf die erste Chance für Costa Rica hatte.

Die Zentralamerikaner starteten in der mit 3:1 gegen Uruguay siegreichen Formation. Die Mannschaft von Trainer Jorge Luis Pinto bewies auch im zweiten Spiel des Turniers, dass sie mehr als ein Außenseiter ist. «Meine Anerkennung für die Mannschaft, sie hat nicht den Kopf verloren. Das costa-ricanische Volk hat das verdient. Der Sieg gehört ihnen», sagte Trainer Pinto.

Die Italiener benötigten fast eine halbe Stunde bis zur ersten großen Tormöglichkeit. Nach einem Traumpass von Andrea Pirlo lief Mario Balotelli allein auf Torhüter Navas zu, aber sein Lupfer verfehlte das Tor knapp. Doch die Costa Ricaner blieben ein unangenehmer Gegner und kamen nach einer schönen Flanke des Mainzer Bundesligaprofis Junior Diaz durch einen Kopfball von Ruiz zum verdienten Führungstreffer.

Mit den eingewechselten Cassano und Lorenzo Insigne sollte die Offensive des viermaligen Weltmeisters belebt werden. Zunächst versuchten es die Italiener mit Distanzschüssen: Erst scheiterte Matteo Darmian knapp (51.), dann hielt Navas Pirlos 30-Meter-Freistoß (54.). Am Ende hatten die Italiener zu viel Kraft gelassen und kamen nicht mehr zum Ausgleich.

(Von Wolfgang Müller, dpa)
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