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DFB-Elf selbstbewusst - Löw: Team mit «großer Qualität»

In Salvador geht es los für das Löw-Team. Die Sonne brennt. Zum 100. Mal tritt Deutschland zu einem WM-Spiel an, keiner hat mehr. Die Historie garantiert im ersten Gruppenspiel gegen Portugal aber keinen Erfolg. Fanliebling Podolski hofft auf einen «Wow»-Effekt.
Bundestrainer Joachim Löw (M.) beobachtete seine Spieler im Abschlusstraining ganz genau. Foto: Marcus Brandt Bundestrainer Joachim Löw (M.) beobachtete seine Spieler im Abschlusstraining ganz genau. Foto: Marcus Brandt
Salvador da Bahia. 

Jetzt spüren auch Joachim Löw und seine Titeljäger die Fußball-Euphorie in Brasilien hautnah - Deutschland ist bereit für die große WM-Party.

«Mit der Ankunft in Salvador und dem Training hat für uns die WM begonnen», erklärte der Bundestrainer bereits 25 Stunden vor dem Ernstfall. Eine Woche konnten Philipp Lahm und Co. bei der Vorbereitung in der Wohlfühl-Oase Campo Bahia eher die brasilianische Ursprünglichkeit genießen. An diesem Montag (18.00 Uhr) muss der dreimalige Fußball-Weltmeister gegen starke Portugiesen nun in der hektischen Millionen-Metropole Salvador vor den Augen der Welt die Wettbewerbsfähigkeit nachweisen.

«Wir fangen direkt mit einem Finale an», beschrieb der rechtzeitig genesene Manuel Neuer die Aufgabe gegen Cristiano Ronaldo und Co. in der Arena Fonte Nova. Die Nummer eins bestätigte nach seiner Schulterverletzung rechtzeitig seine WM-Fitness ohne Einschränkungen: «Mit geht es gut, ich bin fit. Ich kann alles machen, habe allen Belastungen standgehalten. Ich fühle mich gut», sagte der 28 Jahre alte Neuer am Sonntag in Salvador.

Mit einem Sieg will Schwarz-Rot-Gold sofort eine Stimmungsrakete zünden, die sowohl in der 9000 Kilometer entfernten Heimat als auch im WM-Land für Aufsehen sorgen soll. «Damit die anderen Nationen auf uns gucken und sagen: Wow, die Deutschen sind da», sagte Lukas Podolski vor seinem 115. Länderspiel. «Nach dem Spiel ist man schlauer, und wir wissen, wo wir stehen», ergänzte Neuer, der eine Kampfansage an die Konkurrenz richtete: «Wir sind auch eine Turniermannschaft.»

Das DFB-Team tritt bereits zu seinem 100. WM-Spiel an - Weltrekord. Nicht einmal der fünfmalige Champion Basilien, für den das 3:1 gegen Kroatien der 98. WM-Auftritt war, kann mehr bieten. Beim Abschlusstraining am Sonntag konnten die 23 Spieler schon einmal die brennende Mittagssonne im Stadion fühlen. «Wir sind auf die Bedingungen gut eingestellt», beruhigte Löw und betonte: «Ich denke, dass wir gut vorbereitet ins Turnier gehen.»

«Es ist etwas ganz Besonderes, wenn die ganze Welt draufschaut», sagte Podolski, der wie Lahm, Bastian Schweinsteiger und Per Mertesacker in die dritte WM geht. Für Stürmer-Oldie Miroslav Klose, dem noch ein Treffer zum WM-Torrekord der Brasilien-Legende Ronaldo (15) fehlt, ist es sogar schon der vierte Auftritt auf der bedeutendsten Fußball-Bühne der Welt.

«Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir eine Mannschaft mit großer Qualität sind. Wir haben uns in vielen Bereichen enorm verbessert. Wenn wir in der Lage sind, unser Potenzial im gesamten Turnierverlauf abzurufen, sind wir eine Mannschaft, die schwer zu schlagen ist», verkündete der 54-Jährige Löw vor seinem vierten Turnier als Bundestrainer optimistisch. Die Fans sind gespannt auf sein WM-Team 2014, das für viele noch eine Wundertüte ist. Für den Auftakt zeichnen sich einige Überraschungen und Risiken ab.

Mit Boateng, Mertesacker, Hummels und Höwedes in der Abwehrkette wird Löw gleich vier Innenverteidiger aufbieten, die Außenbahnen sind somit vorrangig defensiv besetzt. Davor sollen Lahm, Sami Khedira und Toni Kroos für Organisation im Mittelfeld sorgen. Offensiv hat der Bundestrainer Thomas Müller, Mesut Özil und wohl André Schürrle als Startkräfte vorgesehen, womit Löws vorsichtiges Spielkonzept weiter verdeutlicht wird. Die bisherigen Spiele der 20. WM demonstrieren aber vor allem: Die Konkurrenz zeigt Tempofußball vom Feinsten.

Die DFB-Kicker sind sicher, nicht nur mithalten, sondern das Turnier sogar prägen zu können. «Wir sind alle top austrainiert, dass wir mit voller Kraft auf dem Platz auftreten können», sagte WM-Neuling Benedikt Höwedes. Der Nachholbedarf von Khedira sieben Monate nach seinem Kreuzbandriss oder auch Kloses Fitnessprobleme sowie die Pausen von Neuer, Schweinsteiger und Lahm wurden zuletzt von der sportlichen Leitung gar nicht mehr thematisiert.

Umsomehr hatte ein Krankenhausbesuch von Schweinsteiger kurzfristig für Aufregung gesorgt. «Die FIFA hat verlangt, dass er aus versicherungstechnischen Gründen diese Untersuchung macht. Es hatte nur diese Ursache. Die Probleme sind ausgestanden. Er hat keinerlei Probleme mehr», erläuterte der Bundestrainer die überraschende Aktion. Mit dem Hubschrauber war der 29 Jahre alte Schweinsteiger in die Kinik von Eúnopolis geflogen worden. «Das MRT war eine Routine-Angelegenheit im Rahmen des Schutzprogramms für Vereine», hieß es vom Weltverband, der bei Verletzungen im Turnier Schadenersatz an die Vereine zahlen muss.

Der Ehrgeiz bei den 23 deutschen Akteuren ist noch gewachsen. «Ich habe ein großes Ziel: Am Ende den Pokal zu haben», sagte Podolski vor der vom serbischen Referee Milorad Mazic geleiteten ersten Gruppenpartie. 300 000 Euro pro Mann würde der DFB als Prämie zahlen. Podolski weiß aber auch, dass die gute Stimmung genährt werden muss: «Im Turnierverlauf wird immer alles von den Ergebnissen abhängen.»

Zum Auftakt wird viel darauf ankommen, wie Boateng im Verbund mit seinen Mitspielern Portugal-Star Ronaldo ausschalten kann. «Wenn ein Cristiano Ronaldo fit ist, ist er einer der gefährlichsten Spieler der Welt», warnte Neuer nochmals. Dennoch sei es vor 48 747 Zuschauern kein Spiel «Deutschland gegen Ronaldo, sondern Deutschland gegen Portugal», unterstrich Höwedes.

Millionen in der Heimat vor den TV-Geräten und Großbildschirmen, rund 5000 deutsche Anhänger im Stadion und Bundeskanzlerin Angela Merkel als Fan auf der Tribüne in Salvador werden mitfiebern. «Ich drücke natürlich der deutschen Mannschaft unheimlich die Daumen, dass sie möglichst weit kommt. Aber es wird ein hartes Ringen werden», erklärte Merkel, die seit der WM 2006 bei allen großen Turnieren Spiele live verfolgt hat.

(Von Jens Mende, Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa)
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