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Hamburger SV: Der Mythos lebt mehr denn je

Drei Siege aus den letzten vier Spielen: Der HSV glaubt an die Rettung und brennt nun auf die letzten zwei Spieltage.
Spezialist für Tore im Hamburger Existenzkampf: Luca Waldschmidt, der Ex-Frankfurter Foto: Cathrin Müller /M.i.S. (imago sportfotodienst) Spezialist für Tore im Hamburger Existenzkampf: Luca Waldschmidt, der Ex-Frankfurter
Wolfsburg. 

Lewis Holtby ließ sich auch nach dem Schlusspfiff kaum stoppen. Der Hamburger Vorkämpfer redete und redete, nach dem überlebenswichtigen 3:1 (2:0) beim VfL Wolfsburg sprudelte es nur so aus dem 27-Jährigen heraus. Erst der Dopingkontrolleur konnte den Aufgekratzten von den Reportern wegreißen. Doch seine Botschaft an die Kellerkonkurrenz machte Holtby vorher mehr als deutlich.

„Ich glaube zu 100 Prozent an die Rettung. Wir wollen das noch herumreißen“, sagte Holtby, so etwas wie das Gesicht des HSV-Aufschwungs unter Trainer Christian Titz. Nach drei Siegen aus den letzten vier Spielen lebt der Mythos des unabsteigbaren Dinos mehr denn je in dieser Saison, die Jäger brennen auf die letzten zwei Spieltage, um noch „über den Strich zu kommen“, sagte Holtby, der 90 Minuten „on fire“ war.

Der HSV, gegen die lahmen Wölfe von Ex-Retter Bruno Labbadia gnadenlos effektiv, ist zwar weiter Vorletzter – aber der Rückstand auf den Relegationsrang schmolz auf nur noch zwei Punkte zusammen. Damit haben die Hanseaten ihr Viertelfinale auf dem Weg zum Wunder, wie es Titz vor der Partie formuliert hatte, gewonnen. Aber „wir haben noch nichts erreicht. Wenn wir über den Strich kommen wollen, dann brauchen wir weiter Siege“, meinte der 47-Jährige am Sonntag und freute sich auf eine entspannte Feier zur Kommunion seiner Tochter. „Für sie ist es wirklich wichtig, dass der Papa mit dabei ist“, sagte Titz, nachdem er sein Team noch einmal auf den Endspurt eingeschworen hatte.

„Gegen Frankfurt müssen wir wieder zu 100 Prozent alles reinwerfen“, sagte der Ex-Frankfurter Luca Waldschmidt mit Blick auf das nächste Wochenende: „Das ist unser Halbfinale.“ Und am letzten Spieltag, so der Plan, soll dann im Volkspark das alles entscheidende Endspiel gegen Mönchengladbach folgen.

Und während Wolfsburg – Trennung von Sportdirektor Olaf Rebbe, Fans auf den Barrikaden, spielerischer Offenbarungseid – auseinanderzubrechen droht, hat sich der HSV unter Titz zu einer richtigen Fußball-Mannschaft entwickelt.

Sie hätten „teilweise schon fast Tiki-Taka gespielt“, sagte Holtby, der per Kopf (45.+1) sein viertes Tor im sechsten Spiel unter Titz erzielte. Nur kurz zuvor hatte Bobby Wood, der wie Holtby lange überhaupt keine Rolle spielte, per Foulelfmeter (43.) die Zeichen auf Auswärtssieg gestellt. Luca Waldschmidt (90.+3) machte nach dem Anschlusstreffer von Josip Brekalo (78.) alles klar.

„Es freut mich enorm für Bobby“, sagte Titz über den US-Amerikaner, der erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder getroffen hatte. Titz wollte aber gar nicht über einzelne Spieler sprechen, sondern stellte seiner Mannschaft ein „Kompliment aus“, schließlich habe sie dem „enormen Druck“ standgehalten.

Doch dieser Druck wird trotz der überzeugenden Vorstellung nicht geringer. Der HSV ist weiter zum Siegen verdammt. „Wir haben noch nichts erreicht. Wir müssen als Mannschaft so weiter machen“, sagte deshalb auch Kapitän Gotoku Sakai. Doch der Japaner ist sich „sicher, dass wir dann in der ersten Liga bleiben. Wir geben nicht auf.“

Und Holtby, der vom Abgeschriebenen auf dem Weg zum HSV-Helden ist, sowieso nicht. „Wir glauben an uns, es macht einfach Spaß“, sagte er. Und verschwand mit einem Lächeln.

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