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Ein kraftraubender Schluck aus der Pulle mit dem Glück

Von Die Lilien geben erneut alles, um auch der Mannschaft von Trainer Markus Gisdol ein Unentschieden abzuringen.
Müde und platt: Das Remis gegen Hoffenheim führte nicht nur die Darmstädter Aytac Sulu und György Garics (sitzend) an ihre Grenzen. Foto: Roland Holschneider (dpa) Müde und platt: Das Remis gegen Hoffenheim führte nicht nur die Darmstädter Aytac Sulu und György Garics (sitzend) an ihre Grenzen.
Darmstadt. 

Nur etwa 20 Minuten hatte Jan Rosenthal an diesem Samstagnachmittag auf dem Platz gestanden. Doch als der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler nach dem 0:0 gegen die TSG Hoffenheim endlich zurück durfte in die Kühle der Katakomben des Böllenfalltor-Stadions, da sah er so aus, wie sich offenbar alle seine Darmstädter Mitspieler gerade fühlten: Das mit einem Gegner getauschte Trikot klebte ihm auf der Haut, die blonden Haare hingen klitschnass in die Stirn. Und auch wenn vielleicht nicht alles Schweiß war, was da heruntertropfte, so bestätigte Torwart Christian Mathenia doch kurz darauf: „Die Jungs liegen jetzt alle mausetot in der Kabine.“

Denn wieder einmal hatten die Lilien das getan, was sie am besten können: ackern, rackern und alles geben, um auch im dritten Spiel nach ihrem Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs mit einem Unentschieden vom Platz zu gehen. „Das ist eine gute Bilanz für unser kleines Darmstadt“, sagte Kapitän Aytac Sulu. „Jetzt können wir mit einem Lachen in die spielfreie Woche gehen.“ Danach warten die wirklich harten Brocken: auswärts in Leverkusen und zu Hause gegen die Bayern.

Die Zeit dazwischen wollen die Darmstädter nutzen, um Dringendes aufzuarbeiten und ihr „Offensivspiel anzukurbeln“, wie Jerome Gondorf erklärte. Denn defensiv, da standen sie auch gegen Hoffenheim wieder stabil, ließen wenige Chancen zu. In der ersten Hälfte hatte lediglich Mark Uth eine wirklich gute Möglichkeit, doch der Ball rollte knapp am rechten Pfosten vorbei. Später war unter anderem Bundesliga-Rückkehrer Kevin Kuranyi noch ein paarmal nahe dran. So stockte den heimischen Fans auf den mit 17 000 Zuschauern erneut ausverkauften Tribünen kurz der Atem, als schon in der Nachspielzeit ein Schuss des früheren Nationalspielers Keeper Mathenia bereits passiert hatte. Doch Innenverteidiger Luca Caldirola entschärfte den Ball auf der Torlinie noch mit einem kleinen Stunt.

Es war der finale Abschnitt des Spiels, in dem die Kräfte der die meiste Zeit über harmlosen Hausherren längst auf ein Minimum geschwunden waren, in dem es nur noch darum ging, das 0:0 zu halten, um „das gute Gefühl mitzunehmen“, wie Trainer Dirk Schuster sagte. Denn die Dauerlaufarbeit zuvor hatte die Lilien bereits mattgesetzt. „Wenn wir in naher Zukunft unsere Konter besser setzen, unser Offensivspiel mehr verfeinern, bin ich sicher, dass wir hinten weniger zu tun haben“, mutmaßte Sulu. Doch wenig deutet darauf hin, dass sich dahingehend schnell etwas zum Positiven ändern könnte.

Immerhin betonte Schuster, dass vor dem Ende der Transferperiode heute um 18 Uhr sich im Kader der Lilien „definitiv“ noch etwas tun werde: „Es wäre grob fahrlässig, ohne dritten Torhüter die Saison zu bestreiten“, sagte der 47-Jährige. Aber auch sonst springe das Transferkarussell jetzt erst richtig an,

Markus Gisdol empfand die Lilien allerdings auch ohne weitere Neuzugänge als gefährlich genug: „Dirk Schuster weiß genau, was seine Mannschaft leisten kann“, betonte der Hoffenheimer Coach, „und das bringt sie zu 100 Prozent auf den Platz.“ Für die anderen Bundesligisten sei diese Spielweise ungewohnt. „Da werden sich noch einige die Zähne dran ausbeißen.“ Zudem begegne man in Südhessen auch einer „eigenartigen, ja abartigen Atmosphäre“. Das war, anders als es im ersten Moment rüberkam, keineswegs böse gemeint. Es sei eben nur so, dass in Darmstadt die Fans schon johlten, wenn einer ihrer Spieler den Ball ins Aus grätscht. Geschweige denn, wenn wieder einmal ein Gegner mit einem Remis nach Hause geschickt wird. Schuster bewies sich dennoch erneut als Realist: „Wie gegen Schalke haben wir auch diesmal wieder einen Schluck aus der Pulle genommen, auf der Glück steht.“

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