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WM-Kolumne von Hartmut Scherzer: Folge 11: Geschämt

Von Angesichts der jetzigen Punktekonstellation in der Gruppe G und dem bevorstehenden Spiel zwischen Deutschland und den USA denkt unser Kolumnist an eine dunkles Kapitel deutscher WM-Geschichte.
Jürgen Klinsmann (l) freut sich auf das Duell mit Joachim Löw. Foto: Arne Dedert Jürgen Klinsmann (l) freut sich auf das Duell mit Joachim Löw. Foto: Arne Dedert

Seit Sonntag,, 22 Uhr, brasilianischer Zeit geistert die „Schande von Gijon“ durch die Gruppe G. Der Ausgleich Portugals zum 2:2 gegen die USA in der 5. Minute der Nachspielzeit hat eine ähnlich groteske Situation geschaffen wie bei der WM 1982 in Spanien. Bei einem Unentschieden qualifizieren sich Deutschland und die USA für das Achtelfinale. Da können gleichzeitig Ghana und Portugal spielen, wie sie wollen.

Mit Jürgen Grabowski als Kolumnist der Frankfurter Abendpost/Nachtausgabe war ich damals beim „Nichtangriffspakt“ zwischen Deutschland und Österreich dabei. Beide Teams kannten durch den 3:2-Sieg Algeriens gegen Chile am Vortag die Konstellation. Deutschland musste gewinnen, Österreich durfte nicht höher als 0:2 verlieren. Dann hätten sie die punktgleichen Nordafrikaner raus gekickt.

So kam es denn auch: Nach dem 1:0 durch Horst Hrubesch in der zehnten Minute stellten beiden Mannschaften das Fußballspielen ein. Zwiegespräche statt Zweikämpfe. 80 Minuten lang schoben sie abwechselnd den Ball in den eigenen Reihen hin und her. „Das war Paarlauf“, gab der österreichische Mittelfeldspieler Roland Hattenberger Jahre später zu. Toni Schumacher gestand: „Die größte Parade musste ich bei einem Einwurf eines deutschen Spielers machen. Lächerlich. Ich war beschämt.“

Algerische Fans versuchten, den Platz im Stadion El Molinon zu stürmen und wurden von der spanischen Polizei niedergeknüppelt. Die spanischen Zuschauer wedelten mit weißen Taschentüchern. Die schlimmste Schmach für einen Stierkämpfer. Die deutschen Anhänger höhnten: „Küsst euch doch.“ Die Fifa schmetterte den Protest des algerischen Fußball-Präsidenten Ben Ali Sekkal ab, zog aber sofort die längst fällige Konsequenz. Seit Gijon finden die letzten Gruppenspiele gleichzeitig statt.

Die deutschen Journalisten bestürmten den entsetzten Weltmeister Grabowski. Doch „Grabi“ sagte natürlich nichts, hatte er doch einen Exklusivvertrag mit der „AN“. Darin kommentierte er: „Noch nie habe ich mich bei einem Fußballspiel so abgestoßen gefühlt, war so peinlich berührt. Ich habe mich für die deutsche Nationalmannschaft geschämt.“

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