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WM-Kolumne von Hartmut Scherzer: Folge 26: Belo Horizonte - Stadt der Schande

Der Praca da Estacao in Belo Horizonte. Foto: Gernot Hensel Der Praca da Estacao in Belo Horizonte. Foto: Gernot Hensel

In der Lobby des Hotels San Diego Pampulha liegt ein Stapel der Zeitung „O Tempo“ mit der Rückseite nach oben. Die ganzseitige schwarze Traueranzeige weckt Neugier: „BRASIL * 12/6/14 + 8/7/14“ . Sarkastisch wurde nach der „Vexame“ (Schande) – Schlagzeile auf dem Titelblatt – gegen Deutschland die „Seleçao“ bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land beerdigt.

Belo Horizonte hat mit Schande im Fußball schon vor 64 Jahren Geschichte geschrieben. England, das Mutterland des Fußballs, erlebte hier bei seiner ersten WM-Teilnahme 1950 in Brasilien die erniedrigendste Niederlage seiner Historie. Im „Supporter’s Guide“ rühmt sich die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, Schauplatz „des größten Schock-Ergebnisses aller Zeiten in der Geschichte des Fifa World Cup“ gewesen zu sein. Der oder die Texter konnten nicht ahnen, dass die Demütigung Englands noch vom Desaster des eigenen Landes übertroffen werden würde.

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Nicht Millionäre wie Müller, Klose, Kroos, Khedira und Schürrle schossen die Tore zu diesem historischen Ergebnis. Es war ein Student der Columbia University und Tellerwäscher aus Haiti, Joe Gaetjens mit Namen, der in der 38.Minute mit dem Kopf das Tor zum sensationellen 1:0-Sieg der USA gegen England erzielte und „Minas Gerais mit seiner Hauptstadt einen sicheren Platz auf der Weltkarte verschaffte“. Das historische Datum: 29.Juni 1950.

Schauplatz war das alte Stadion „Colosso do Horto“, das denkmalgeschützt direkt neben dem neuen, 1965 von dem weltberühmten Architekten Oscar Niemayer entworfenen und für die WM komplett modernisierten Estadio Mineirao steht. Zwei weitere Spiele fanden bei der ersten WM in Brasilien in Belo Horizonte statt: Jugoslawien-Schweiz 3:0, Uruguay-Bolivien 8:0. Aktuell ist das Stadion das Zuhause der beiden brasilianischen Spitzenmannschaften Atlético Mineiro, Sieger des Copa Libertadores 2013, und Cruzeiro, Meister 2013.

Der „Supporter’s Guide“ rühmt auch das Fußball-Museum in der Stadion-Region am Pampulha-See, das sich nun wohl oder übel auch der „Katastrophe“ (Luiz Felipe Scolari) gegen Deutschland wird widmen müssen. Belo Horizonte ist als Stadt der Schande in die Geschichte eingegangen.

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