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Hartmut Scherzers WM-Tagebuch: Folge 6: Die Wendeltreppe

Blöd, wenn man zum Googeln immer eine Etage tiefer gehen muss. Symbolbild: dpa Blöd, wenn man zum Googeln immer eine Etage tiefer gehen muss. Symbolbild: dpa

Pousadas heißen in Brasilien bescheidene Pensionen, kleine Apartments mit erschwinglichen Preisen um die 90 Euro für Fans, die für einen Tag, oder auch zwei, zu den Spielstädten der deutschen Mannschaft anreisen. Die Pousada „Carlotta“ im Norden Salvadors ist so ein karger Unterschlupf. Ein schmales, turmartiges Haus, in dem nur eine steinerne Wendeltreppe zu den sieben über- und ineinander verschachtelten Zimmern führt. Jeder Taxifahrer muss sich in Stella Mares nach der obskuren Adresse durchfragen.

Auch mancher Journalist, der sein Stammquartier in Porto Seguro in der Nähe des Campo Bahia für die ganze WM hatte buchen und im Voraus bezahlen müssen, hat aus Kostengründen so eine unwirtliche Zweitbleibe gemietet. Das Budget verlangt äußerste Sparsamkeit in diesen mageren Medienzeiten. Pech gehabt, wenn die Deutschen früh rausfliegen sollten. Pech für den, der nur wegen der Löw-Mannschaft nach Brasilien gereist ist.

Der Chef der Carlotta-Appartments, ein Italiener, Typ Matteo Renzi, verlangte schon im Januar dreißig Prozent Anzahlung – per altertümlicher Banküberweisung. Kein Online-Banking, keine Kreditkartenzahlung. Hat so ein digitaler Rückständler überhaupt Internet, die „lebensnotwendige“ Kommunikation zwischen den Spielen Holland-Spanien und Deutschland-Portugal? Hat Luca Rufini extra einrichten lassen für den Journalisten aus Deutschland mit dem Namen seines Sprößlings, Lyoto, für den WLAN-Zugang. Es funktionierte. Wunderbar.

Bis am Tag vor dem Spiel gegen Portugal deutsche Fans die Pousada füllten. Luca flehte, ob ich mein Drei-Bett-Apartment nicht für drei Landsleute räumen und in ein kleineres Zimmer umziehen könnte? Klar doch. Was Luca, das Schlitzohr, nicht verriet. Und ich nicht ahnen konnte: Neun Wendelstufen höher funktioniert kein Internet mehr. „Aber ganz unten am Gittereingang gibt es Empfang“, versuchte Luca zu trösten. Da kommt Freude auf: Die Wendeltreppe 38 Stufen runter, um zu googeln, und wieder rauf.

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