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Franzosen dank Endspurt weiter: 2:0 gegen Nigeria

Frankreich ist nach dem mühsamen Erfolg über Nigeria deutscher Gegner im Viertelfinale. Lange deutete wenig auf das 2:0 im Achtelfinale hin. Eine Einwechslung von Trainer Didier Deschamps sorgte jedoch für frischen Schwung.
Frankreich steht im WM-Viertelfinale. Foto: Marius Becker Frankreich steht im WM-Viertelfinale. Foto: Marius Becker
Brasília. 

Diese Franzosen machen eigentlich keine Angst, doch den Respekt vor dem DFB-Team werden die «Blauen» vor dem Viertelfinale am Freitag in Rio de Janeiro schnell ablegen.

Ein starker Schlussspurt sicherte dem lange wankenden Weltmeister von 1998 den 2:0 (0:0)-Erfolg über Nigeria und das vierte WM-Duell gegen die noch viel heftiger zitternde deutsche Auswahl.

Während des glücklichen deutschen 2:1-Erfolges über Algerien waren die Franzosen schon auf dem Rückweg in ihr WM-Quartier, noch vor dem Abflug aus Brasília hatte Kapitän Hugo Lloris die deutsche Mannschaft als das «vielleicht beste Team» gelobt und von einer «Maschine» gesprochen - Mittelfeldstar Paul Pogba gab sich viel selbstbewusster: «Wir haben vor niemandem Angst. Uns ist es egal, gegen wen wir spielen.»

Pogbas Kopfballtreffer in der 79. Minute und das Eigentor von Joseph Yobo (90.+2) in dessen 100. Länderspiel sorgten für große Erleichterung bei Frankreichs Trainer Didier Deschamps. «Es herrschte eine große Anspannung, aber wir haben's geschafft», sagte Deschamps und zeigte sich stolz auf den ersten Viertelfinal-Einzug seit 2006. «Wir wollen deshalb nicht abheben, aber wir müssen das genießen. Wir sind im Viertelfinale und wollen auch das nächste Spiel gewinnen», verkündete der einstige Stratege im großen Weltmeister-Team. Vom deutschen Auftritt gegen Algerien schaute sich Deschamps in aller Ruhe im Quartier eine Aufzeichnung an.

Nach der Zitterpartie gegen den fast 70 Minuten lang ebenbürtigen Afrikameister wollte der Coach sogar zumindest eine kleine Feier erlauben, denn auch ohne Franck Ribéry haben sich die «Blauen» unter den besten Acht der Welt zurückgemeldet. «Ich bin sehr zufrieden. Ins Viertelfinale zu kommen, das ist ein ganz großer Moment für mich», kommentierte der als bester Spieler ausgezeichnete Pogba trotz der bisher schwächsten Turnierleistung der Franzosen. Für Ansporn im Spiel gegen Deutschland, das 1982 und 1986 jeweils im Halbfinale die «Bleus» ausschaltete, dürfte auch der angekündigte Besuch von Staatspräsident François Hollande sorgen.

Im Estadio Nacional enttäuschte der Favorit vor den 67 882 Zuschauern lange Zeit. Die größten Aufreger vor der Pause gab es binnen drei Minuten. Emmanuel Emenike stand knapp im Abseits, als er eine Eingabe von Ahmed Musa ins Netz drückte (19.). Pogba scheiterte mit seinem Volleyschuss an Nigerias Keeper Vincent Enyeama (22.).

Die «Super-Adler» traten wie bisher schon in Brasilien vorsichtig und kompakt auf. Der Außenseiter bestimmte überraschend auch nach der Halbzeit das Geschehen - bis Deschamps den wirkungslosen Stoßstürmer Olivier Giroud vom Platz nahm. Dafür kam Antoine Griezmann, der bis dahin schwache Torjäger Karim Benzema rückte vom linken Flügel in die Spitze und hatte nach Zusammenspiel mit Griezmann prompt die bis dahin größte Möglichkeit: Torhüter Enyeama war jedoch dazwischen, Victor Moses schlug den Ball dann knapp vor der Torlinie weg (70.).

Urplötzlich dominierte der WM-Finalist von 2006 und hatte Pech, als Johan Cabaye aus 22 Metern nur die Unterkante der Latte traf (77.). Benzema scheiterte danach per Kopf an Enyeama (78.), den folgenden Eckball verlängerte der Keeper unglücklich zu Pogba, und der Mittelfeldspieler von Juventus Turin nickte das Leder ins leere Tor ein. Yobo drückte den Ball dann zur Entscheidung ins eigene Netz.

Die Nigerianer verpassten es wie 1994 und 1998, erstmals die Runde der letzten Acht zu erreichen. Trainer Stephen Keshi ließ danach offen, ob er im Amt bleibt. «Ich gehe nach Hause, werde meine Frau wiedersehen und meine Kinder», meinte er nur. Seine Analyse fiel treffend aus: «Das war ein gutes Spiel, aber dass wir verloren haben, das ist schlecht.» Der unglückliche Jubilar Yobo, mit seinem zehnten Endrunden-Einsatz nun Nigerias WM-Rekordspieler vor dem einstigen Frankfurter Jay-Jay Okocha, klagte: «Wir haben alles gegeben, aber so ist Fußball. Wir hätten es heute besser machen können. Am Anfang haben wir gut gespielt, nur unsere Chancen nicht genutzt.» Yobo verkündete nach der Partie seinen Abschied aus der Auswahl.

(Von Michael Rossmann, dpa)
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