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WM-Kolumnist der FNP im Interview: Hartmut Scherzer berichtet für uns aus Brasilien

Hartmut Scherzer wird täglich für uns von der WM in Brasilien berichten. Der Vollblut-Journalist ist bereits zum 14. Mal bei einer WM-Endrunde dabei. Vor seiner Abreise sprach FNP-Sportchef Michael Lennartz mit ihm.
Hartmut Scherzer berichtet von der WM in Brasilien. Bild-Zoom
Hartmut Scherzer berichtet von der WM in Brasilien.
Hartmut, die WM-Endrunde in Brasilien ist Deine 14. Fußball-WM, von der Du live berichtest. So kurz vor der Abreise – ist man da noch aufgeregt? Oder entspannt und ganz cool?

HARTMUT SCHERZER: Sehr angespannt! Weil Brasilien schon wegen der Entfernungen in diesem riesigen Land logistisch die schwierigste WM von allen werden dürfte. Vor allem, weil ich Quartiere und Flüge unter extrem schwierigen Bedingungen selbst organisiert habe und nicht zum Journalisten-Tross des ultrateuren DFB-Reisebüros gehöre. Die bange Frage: Klappt alles wie geplant, besonders die Flüge mit Umsteigen?

Was erwartest Du von Land und Leuten? Selbst im fußballverrückten Brasilien sind die Proteste ja nicht zu überhören.

SCHERZER: Die Leute habe ich bei früheren Gelegenheiten als sehr freundlich kennengelernt, vor allem, wenn man sich für Fußball interessiert. Das Land ist faszinierend. Aber bei diesen Besuchen war ja nicht Weltmeisterschaft. Für die WM 2014 wurden in zwölf Städten Paläste für die Spiele gebaut, während gleichzeitig die Preise für Busfahrten erhöht wurden. Da kann dem armen Brasilianer in den Favelas schon die Fußball-Begeisterung vergehen. Hoffentlich bleibt dennoch alles friedlich.

Und sportlich? Du wirst ja die deutsche Mannschaft begleiten – bis ins Endspiel?

SCHERZER: Ich bleibe bis zum Endspiel, auch wenn das deutsche Team mich vorher verlassen sollte.

Die Löw-Truppe schottet sich in ihrer Luxusherberge ja ziemlich ab. Das war doch bei früheren Weltmeisterschaften bestimmt anders, oder?

SCHERZER: Schon Sepp Herberger hat sich 1962 bei meiner ersten WM in Chile in einer Kaserne abgeschottet. Dafür durfte man nach dem Spiel in die Kabine, wie auch 1966 in England. Heute unvorstellbar. Bei Helmut Schön 1978 in Argentinien und bei Franz Beckenbauer 1986 in Mexiko wohnten Mannschaft und Journalisten-Tross sogar noch unter einem Dach. In diesem Jahrhundert dürfen die Journalisten beim Training nur noch während der ersten 15 Minuten zuschauen, beim Warmlaufen und der Aufwärmgymnastik. Wie aufregend. Beim kompletten Training mit Ball und Spiel zuschauen, das waren noch herrliche Zeiten.

Wenn Du auf die WM-Endrunden seit 1962 zurückblickst? Was waren Deine persönlichen drei Highlights?

SCHERZER: Die Geburt meiner Tochter 1966 am Tag nach dem Sensationstor Lothar Emmerichs von der Eckfahne gegen Spanien in Birmingham. Das Kind, so die Forderung der Kollegen, sollte Emma heißen. Das unübertroffene Jahrhundertspiel Italien-Deutschland im Halbfinale 1970 in Mexiko mit der völlig verrückten Verlängerung und einem Franz Beckenbauer, der den Arm in der Schlinge trug wie ein verwundeter Feldherr. Und der Wahnsinn 2002, zwischen den Gruppenspielen Deutschland - Irland und Deutschland - Kamerun mal schnell von Tokio nach Memphis zum Boxkampf Lennox Lewis gegen Mike Tyson zu fliegen.

. . . und welches die drei schlimmsten Erlebnisse?

SCHERZER: Die Schande von Gijon 1982, als Deutschland und Österreich sich auf ein 1:0 verständigten, um Algerien rauszukicken. Die mitternächtliche Kontrolle auf der Heimfahrt von Ascochinga nach Cordoba 1978, als mir ein Militärpolizist im Dienste der Junta ein Maschinengewehr gegen den Hals drückte. Ich hatte Todesangst. Der Diebstahl meiner Kreditkarte in Pretoria bei der letzten WM in Südafrika.

Hoffen wir, dass Dir Ähnliches in Brasilien erspart bleibt. Zum Schluss natürlich noch die Frage nach Deinem Tipp für den Weltmeister. Die meisten nennen das Gastgeberland, Du auch?

SCHERZER: Ja, den Brasilianern dürfte im neuen Maracanã gelingen, was ihre ebenfalls favorisierten Großvätern im altehrwürdigen Stadion Rio de Janeiros 1950 nicht schafften.

Das ist Hartmut Scherzer

Unser Fußball-Experte Hartmut Scherzer berichtet aus Brasilien bereits zum 14. Mal von einer Weltmeisterschaft. Seine erste WM war 1962 in Chile. Außerdem war der Vollblut-Journalist von 11 Fußball-Europameisterschaften und über 20 Olympischen Spielen (Sommer wie Winter) dabei. Weltweit gibt es kaum Journalisten, die über die gleiche Erfahrung verfügen. Unser Kolumnist war früher Sportchef der "Abendpost -Nachtausgabe" und Korrespondent der "Associated Press".
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