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Abstiegskampf: „Mist gespielt”: Lebloser VfL taumelt Relegation entgegen

Für den VfL Wolfsburg wird es im Abstiegskampf nach dem 0:3 in Mönchengladbach richtig eng. Vor allem, weil das Team am Freitagabend jede Einstellung vermissen ließ.
Die Wolfsburger waren nach dem 0:3 bedient. Foto: Marius Becker Die Wolfsburger waren nach dem 0:3 bedient.
Mönchengladbach. 

Kampflos, leblos und mutlos taumelt der VfL Wolfsburg seiner zweiten Relegation hintereinander entgegen.

Und spätestens seit dem erschreckend gleichgültigen Auftritt beim 0:3 (0:3) in Mönchengladbach scheint für den Pokalsieger und Vize-Meister von 2015 sogar der Abstieg möglich. „So funktioniert kein Abstiegskampf”, stellte Sportdirektor Olaf Rebbe fest: „Da muss man jeden Einzelnen fragen, ob er alles gegeben hat.”

In der Tat fehlten dem VfL vor allem in der ersten Halbzeit Grundtugenden wie Ordnung und Kampf. Die Defensive stürzte von einer Verlegenheit in die nächste, das Mittelfeld war überfordert und die Offensive ist seit dem Verkauf von Nationalspieler Mario Gomez im Winter kaum noch existent. Kurzum: in dieser Verfassung muss der VfL sogar den ersten Abstieg seit seinem Sprung in die Bundesliga 1997 befürchten.

„Wenn irgendwem jetzt nicht klar ist, worum es geht, weiß ich es auch nicht mehr”, sagte Torhüter Koen Casteels, der gegen zuletzt eigentlich verunsicherte Gladbacher eine noch höhere Niederlage verhinderte. „Wir sind uns alle darüber bewusst, dass die Situation sehr gefährlich ist”, versicherte Kapitän Paul Verhaegh: „Deshalb kann ich mir nicht erklären, wieso wir so aufgetreten sind. In der ersten Halbzeit haben wir jeden Zweikampf verloren und sind nur hinterhergelaufen.” Und U21-Europameister Maximilian Arnold erklärte: „Das war ein bodenloser Auftritt. Es muss sich jeder hinterfragen, was wir für ein Mist hier gespielt haben.”

Eine seltsame Rolle in dieser schwierigen Situation spielt auch der erst Ende Februar verpflichtete Trainer Bruno Labbadia. Statt sein Team öffentlich starkzureden, verweist er immer wieder darauf, dass es mit vielen technisch starken Spielern nicht für den Abstiegskampf gemacht sei. Und betont nach Leistungen wie der am Freitag, dass ihm wegen der Verletzungsmisere eben keine anderen Spieler zur Verfügung stehen. Das mag inhaltlich nicht unberechtigt sein, das Selbstbewusstsein der Mannschaft fördert es aber augenscheinlich nicht.

Nach der „ersten Halbzeit zum Vergessen” (Rebbe) hatte der Coach sein Team in Mönchengladbach auch offenbar aufgegeben. Er erinnerte es nicht daran, durch ein Anschlusstor seine Chance zu suchen, sondern mahnte es nach eigener Auskunft zur Schadensbegrenzung. „Wir haben klar angesprochen, dass die Tordifferenz am Saisonende nochmal ein Thema sein kann”, berichtete Labbadia. Seine Vorgabe in der Kabine sei gewesen: „Wir wollten die zweiten Halbzeit zu null spielen.”

Dass dies gelang, besserte aber weder die Ausgangslage noch die Stimmung in Wolfsburg. Zusätzlich zur Verunsicherung tragen auch die Querelen im Umfeld bei. Auch in dieser Woche hatte es Gerüchte um eine baldige Ablösung von Rebbe gegeben. „Ich sehe das Gerüchte-Bingo mit einem Lächeln”, sagte der 39-Jährige: „Ich habe angeblich schon drei- oder viermal meinen Rücktritt angeboten und bin schon drei- oder viermal entlassen worden. Aber ich stehe immer noch hier.” Genervt ist er von den Schlagzeilen aber schon: „Das sind Nebengeräusche, die nicht für Ruhe sorgen.”

Zum Gespött wurden die Wolfsburger zudem durch einen Freistoß-Trick von Weltmeister Christoph Kramer. Der schoss nach den Toren von Lars Stindl (8.) und Raffael (35.) einen Freistoß ins Tor, während die VfL-Spieler noch ihre Mauer sortierten. „Ich habe den Schiri gefragt, ob er anpfeifen will. Da hat er gesagt: Nö, der Ball ist frei”, erzählte der Weltmeister nachher: „Da habe ich zu den Jungs gesagt: Weg, weg, weg.”

(Von Holger Schmidt, dpa)

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