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Fußball: Nationalmannschaft: Neuer ja, WM-Form nein

Österreich zeigt dem Bundestrainer auf, was noch zu tun ist – eine ganze Menge. Eine brennende Frage scheint beantwortet: Kapitän Neuer gibt sportlich grünes Licht für die Fußball-Weltmeisterschaft. Wer neben Verteidiger Tah noch aussortiert wird, ist für Löw nur ein Randaspekt.
Nachdenkliche Gesichter auf der deutschen Bank nach dem misslungenen Test gegen Österreich. Foto: Christian Charisius (dpa) Nachdenkliche Gesichter auf der deutschen Bank nach dem misslungenen Test gegen Österreich.
Eppan. 

Ohne die Besten geht es nicht – und Manuel Neuer zählt wieder dazu. Diese zentralen Botschaften nahm Joachim Löw nach dem ernüchternden 1:2 gegen die bei der WM fehlenden Österreicher mit in den Aufarbeitungs- und Entscheidungs-Sonntag in Südtirol. Die wichtigste Frage war für den Bundestrainer und seinen Stab im Grunde vor dem abschließenden Gespräch gelöst. Kapitän Neuer trotzte bei seinem Wettkampf-Comeback nach acht Monaten allen Widrigkeiten. „Für Manuel war es nach so langer Zeit ein sehr zufriedenstellendes Comeback“, sagte Löw: „Man hat ihm die Pause nicht angemerkt.“

Auch eine Kontrolluntersuchung des linken Fußes am Sonntag in Bozen hat Neuer bestanden, bestätigte Nationalmannschafts-Sprecher Jens Grittner gestern Abend einen Bericht der „Bild“-Zeitung online und erklärte: „Aus medizinischer Sicht ist alles bestens.“ Löw hatte schon zuvor gesagt, dass Neuer auch nach dem Spiel „keinerlei Probleme“ gehabt habe. Allerdings sei dies noch nicht gleichbedeutend mit der finalen Entscheidung, hieß es aus dem DFB. Zuvor stand noch ein Gespräch zwischen dem Bundestrainer und Neuer an.

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Die zweite zentrale Erkenntnis aus Österreich lautet: Löw muss die Weltmeister um Thomas Müller, Toni Kroos, Mats Hummels, Jérôme Boateng und Torschütze Mesut Özil in Russland noch einmal auf Top-Niveau hieven, um die WM-Titelverteidigung verwirklichen zu können. Denn wenn sein Team so spielt wie ohne die vier Champions von 2014 in Klagenfurt, „haben wir keine großen Chancen“, räumte Löw selbst ein.

Von Alarmstimmung zwei Wochen vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko hält er aber nichts: „Das lässt mich jetzt keine schlaflosen Nächte verbringen. Weil ich weiß: Das kriegen wir hin, keine Sorge.“ Auch vor früheren Turnieren hatten die vorletzten Testspiele meist Zweifel gesät. In zwei Wochen werde sein Team „ganz anders präpariert sein“, versprach der Weltmeistercoach.

Die zweite Reihe um Ilkay Gündogan, Sebastian Rudy, Julian Brandt, Leroy Sané oder Leon Goretzka lieferte nach Blitz, Starkregen und Hagel im Wörthersee-Stadion keine Argumente für WM-Vertrauen. „Alle waren von ihren Möglichkeiten weit entfernt“, bemerkte Löw.

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Die am Sonntag im Trainerteam nochmals diskutierte Entscheidung, welche vier Spieler aus dem noch 27-köpfigen WM-Kader gestrichen werden, ist für Löw nur ein Randaspekt. Weitaus wichtiger ist es für ihn, schnell auf die Fehler aus dem Österreich-Spiel zu reagieren. Denn überzeugende Ersatzkräfte – wie etwa Niklas Süle und Toni Rüdiger als Boateng-Alternative – werden auch in Russland gebraucht.

Ein weiterer Innenverteidiger wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu den vier Akteuren gehören, die Löw nach Hause schickt. „Ich habe alles gegeben. Ich habe mich gefreut, überhaupt dabei zu sein. Ich habe jeden Moment genossen“, sagte Jonathan Tah und verabschiedete sich damit gedanklich bereits. Gegen Österreich kam der Leverkusener wie Matthias Ginter (Mönchengladbach) und Marvin Plattenhardt (Hertha) nicht zum Einsatz.

Stürmer Nils Petersen gehört trotz seines ersten Länderspiels und Startelf-Einsatzes ebenfalls weiter zu den Streichkandidaten, wie der Freiburger selbst einschätzt. „Jeder für sich in der Mannschaft weiß, ob er sicher dabei ist oder ein Wackelkandidat ist“, sagte der 29-Jährige. Auch Rudy, Brandt, Ginter oder Goretzka können sich nicht sicher sein. Bei den Torhütern wird es Bernd Leno oder Kevin Trapp treffen, falls es bei Neuer keine gewaltige Überraschung mehr gibt.

„Hundert Prozent fit“

Zwar wollte der 32 Jahre alte DFB-Kapitän auch nach der sportlich bestandenen Härteprüfung in Klagenfurt nicht selbst sprechen. Im Team aber gibt es keine Zweifel mehr an Neuers Tauglichkeit als WM-Keeper Nummer 1. „Ich habe Manu seit zehn Tagen beobachten können. Mein persönlicher Eindruck ist, er ist zu hundert Prozent fit“, bestätigte Khedira. Auch die misslichen Umstände – Neuer musste wegen der 103-minütigen Spielverschiebung dreimal bei Hagel und Sturm zum Aufwärmen auf den Platz – verunsicherten den Weltmeister nicht.

Nils Petersen (l.), hier mit Aleksandar Dragovic aus Österreich.
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Neuer konnte zwar im ersten Länderspiel seit anderthalb Jahren noch nicht wieder der Super-Keeper sein. Doch in den besten Szenen gegen Florian Grillitsch und Marko Arnautovic zeigte er wieder seine Ausnahme-Fähigkeiten. „Er hat in einigen Situationen sehr gut reagiert“, urteilte Löw. Die Treffer von Martin Hinteregger und Alessandro Schöpf konnte Neuer aber auch nicht verhindern.

Weit mehr Unklarheiten bleiben auf anderen Feldern. Die Flut an Ballverlusten und Fehlern brachte den 58-Jährigen ins Grübeln: „Ich ärgere mich, aber nicht über die Niederlage, sondern mehr über das Wie“, betonte Löw. „Wir sind drei-, viermal in Überzahl auf das gegnerische Tor zugelaufen und haben die Aktionen nicht mal zum Abschluss gebracht.“ Vor allem der junge Leroy Sané wirkte mehr wie ein Einzelsportler als Mannschaftsspieler. „Außer Manuel Neuer waren fast alle Dinge negativ“, räumte der Münchner Dauerspieler Joshua Kimmich ein.

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