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Fußball-WM 2018 in Russland: Schweden vs. Deutschland: Nach dem 1:2 herrscht großer Ärger

Last-Minute-Schock, ein nicht gegebener Elfmeter und der Ärger über den respektlosen deutschen Jubel: Das Fass war übergelaufen.
Hitziges Nachspiel: Georg Behlau, Leiter des DFB-Büros Nationalmannschaft (links), bekommt nach seinen Provokationen den Zorn der Schweden zu spüren. Foto: Matthias Koch (imago sportfotodienst) Hitziges Nachspiel: Georg Behlau, Leiter des DFB-Büros Nationalmannschaft (links), bekommt nach seinen Provokationen den Zorn der Schweden zu spüren.
Sotschi. 

Die Schweden schäumten vor Wut. „Das war Mangel an Respekt, ein ekelhaftes Verhalten!“, schimpfte Leipzigs Mittelfeldstar Emil Forsberg im schwedischen Fernsehen. Und auch Trainer Janne Andersson geißelte die hämischen Gesten der deutschen Bank als „nicht korrekt. Man sollte den Gegner, mit dem man 95 Minuten gefightet hat, nicht so verhöhnen. Das ist echt schwach.“

Selbst die prompte Entschuldigung von Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff konnte die Wogen bei den zornigen Skandinaviern nach dem dramatischen 1:2 gegen den Weltmeister nicht glätten. Zu tief saß der Frust über den Last-Minute-Schock durch Toni Kroos, zu groß war der Ärger über den nicht gegebenen Elfmeter in der ersten Halbzeit, zu grenzenlos die Wut über die Faxen einiger DFB-Mitarbeiter, die das Fass mit ihren Provokationen vor der schwedischen Bank nach Schlusspfiff zum Überlaufen gebracht hatten.

Tief in der Nacht war der Ärger noch immer nicht verraucht. „Das hätte ich von den Deutschen nicht erwartet“, sagte Keeper Robin Olsen und legte nach: „Ich scheiße da komplett drauf, ob er (Bierhoff, Anm. d. Red.) früher mal ein großer Spieler war oder nicht. Man verliert mit Respekt, und man gewinnt mit Respekt. Die ältere Generation der deutschen Spieler glaubt immer noch, dass sie die Größten, Besten und Schönsten sind.“

Für die tapferen Schweden bleibt unterm Strich nur ein „deutscher Schlag auf den Solarplexus“ („Expressen“). All die Euphorie, die nach dem Auftaktsieg gegen Südkorea (1:0) herrschte, war nach dem Kroos-K.o. in der fünften Minute der Nachspielzeit erst einmal dahin. „Es tut weh, richtig weh. Wir haben es 94 Minuten lang sehr gut gemacht, wir haben gekämpft, wir haben alles gegeben und alles gemacht“, sagte Forsberg mit trauriger Stimme, „und dann...“

In Schweden schlug die Depression ob der späten Niederlage teilweise in blanken Hass um. Zur Zielscheibe widerlicher Kritik wurde Einwechselspieler Jimmy Durmaz, der Timo Werner vor dem entscheidenden Freistoß an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht hatte. Der Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln erhielt in den Sozialen Netzwerken Tausende Kommentare, darunter etliche wüste Beschimpfungen, rassistische Beleidigungen und sogar Morddrohungen. Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven sagte dazu: „Das ist so erbärmlich.“ Durmaz’ Teamkollegen stellten sich wie eine Wand hinter den 29-Jährigen. Mit dem Ruf „Fuck Racism“ beendeten sie am Sonntag vor Trainings-Zuschauern und Journalisten eine spektakuläre Aktion, die mit einer emotionalen Stellungnahme von Durmaz begonnen hatte. Der Verband kündigte eine Strafanzeige an.

Offensivmann Forsberg versuchte inmitten all der aufgeheizten Gemüter schließlich, den Blick nach vorn zu richten. „Jetzt wollen wir den Kopf hochnehmen und Mexiko schlagen. Wir müssen gewinnen“, sagte Forsberg. Tatsächlich garantiert den Schweden nur ein Sieg mit zwei Toren Abstand das Weiterkommen. Bei einem Remis müsste Deutschland schon gegen Südkorea verlieren, damit Schweden noch eine Chance auf das Achtelfinale hat – doch an ein solches Szenario glaubt Forsberg nicht. „Sie gehören immer noch zu den Titelfavoriten“, sagte der 26-Jährige: „Wenn sie Bock zu spielen haben, dann sind sie gut.“

 
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