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Serbiens Fußball vor Trümmerhaufen

Der Fußball in Serbien macht mehr durch angebliche Spiel-Manipulationen als durch sportliche Erfolge von sich reden. Jetzt soll der Verbandspräsident gehen. Der beschimpft seine Gegner als Kriminelle.
Sein Rücktritt wird gefordert: serbischer Verbandspräsident Tomislav Karadzic Foto: dpa Sein Rücktritt wird gefordert: serbischer Verbandspräsident Tomislav Karadzic Foto: dpa
Belgrad.  Die großen Zeiten des serbischen Fußballs auf internationaler Bühne sind schon lange vorbei. Jetzt macht dieser Sport vor allem durch angebliche Manipulationen von Spielen und Machtkämpfen zwischen den Clubs und dem nationalen Verband auf sich aufmerksam. Die Analyse der Lage fällt am Montag bei fast allen Zeitungen des Balkanlandes eindeutig aus: «Das ist der totale Zusammenbruch des serbischen Fußballs», titelt die Zeitung «Informer» in Belgrad. «Chaos in der Superliga», heißt es bei der größten Zeitung, «Blic».

Nach unterschiedlicher Darstellung verlangen fünf oder sogar neun von 16 Clubs in der Superliga den Rücktritt des serbischen Verbandspräsidenten Tomislav Karadzic als den Hauptschuldigen für die Misere. Doch der will nicht weichen und beschimpft seine Gegner am Montag als «ganz gewöhnliche Kriminelle». Näher will er sich nicht äußern, da er sich in der montenegrinischen Adriastadt Budva im Urlaub befinde, lässt er mitteilen.

In Rage gebracht hatte seine Gegner der Auftakt der Superliga am vergangenen Samstag. Partisan Belgrad gewann das Spiel gegen die Mannschaft der Stadt Novi Pazar auf ganz und gar wundersame Weise, analysieren die Medien seitdem. «Zuerst schenkte der Schiedsrichter Partisan einen Elfmeter und stellte ungerechtfertigter Weise einen Spieler der Gäste vom Platz», heißt es übereinstimmend in den Spielberichten. Am Ende habe er dann ein «irreguläres Tor der Gastgeber geltenlassen».

Dabei war die Mannschaft von Novi Pazar nur mit genau elf Spielern und ohne Fußballer auf der Reservebank angereist, weil der Fußballverband unter merkwürdigen Umständen die Anmeldung von mehr Spielern verhindert hatte. Auch der Trainer erschien nicht zum Spiel. Bei ihrer Heimkehr nach Novi Pazar im Süden des Landes wurde die Elf trotz der offensichtlich manipulierten Niederlage von den Fans wie Sieger gefeiert.

Roter Stern Belgrad, der «ewige Rivale» von Partisan, trat am Wochenende einen Sturm der Entrüstung los. In mehreren Pressemitteilungen verlangte der Traditionsverein den Rückzug von Karadzic. «Es ist unser legitimes Recht, auf Unregelmäßigkeiten hinzuweisen, die den eigentlichen Zweck der Meisterschaft ernsthaft infrage stellen», heißt es in einer neuen Erklärung des Vereins am Montag.

Die Zeitungen spekulieren über Spielabsprachen in der Vergangenheit im großen Stil ohne viel Konkretes zu nennen. Jetzt wird gefordert, dass sich die Strafverfolgungsbehörden einschalten müssten. Schon zuvor waren prominente Trainer ins Visier der Staatsanwälte geraten, ohne dass jemand rechtskräftig verurteilt worden wäre.     Unwidersprochen gibt es eine Vielzahl von Berichten über Tricksereien und illegale Machenschaften beim Verkauf zahlreicher Fußballer ins Ausland. Im Jahr 2004 war der Sekretär des nationalen Verbandes, Branko Bulatovic, von einem Attentäter in den Verbandsbüros am helllichten Tag erschossen worden. Auch hier soll die groß angelegte Kriminalität der Hintergrund gewesen sein. Der Täter wurde trotz eines Phantombildes nie gefasst. (Von Thomas Brey, dpa)
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