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Torfestival der Jubilare

Gerne schmücken sich Vereine mit Jahreszahlen in ihrem Namen – so auch der FC Ingolstadt 04. Doch während dieses Zahlenkürzel etwa bei Schalke auf eine mehr als hundertjährige Geschichte verweist, weist die Historie der Fußball spielenden Oberbayern noch frische Schnittkanten an den Seitenränder auf. Vor der Partie gegen Jahn Regensburg werden mehrere Kreß, Pfaff, Wloka, Weilbächer, Kudrass und Hesse. Rechts die Offiziellen: Spielausschussvorsitzender Berger, Vorsitzender Gramlich, Betreuer Ries. Vor der Partie gegen Jahn Regensburg werden mehrere Kreß, Pfaff, Wloka, Weilbächer, Kudrass und Hesse. Rechts die Offiziellen: Spielausschussvorsitzender Berger, Vorsitzender Gramlich, Betreuer Ries.

Erst 2004 entstand der FC durch die Fusion der Fußballabteilungen der Sportvereine MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt. So ist es nicht erstaunlich, dass sich unter den Spielen der Eintracht bislang lediglich eines befindet, an dem es gegen die Ingolstädter ging: die Hinrundenpartie am 30. Oktober 2011, die 1:21 endete. Reisen wir also zum historischen Rückblick in die nähere geografische Nachbarschaft der Ingolstädter zu ziehen auf einer Zeitreise weiter gen Nordosten ins knapp 100 km entfernte Regensburg. Wir schreiben den 23. November 1957. Die Eintracht, aktuell Tabellenzweiter der Oberliga Süd, darf sich im Spiel gegen das Tabellenschlusslicht Jahn Regensburg keine Blöße geben, will sie den direkten Kontakt zum Spitzenreiter 1. FC Nürnberg, der an diesem Wochenende den FSV Frankfurt zu Gast hat, nicht verlieren. A

ber auch aus anderen Gründen ist die Partie am Riederwald eine besonderen, denn gleich mehrere Spieler der Eintracht werden vor der Partie für eine runde Anzahl an Pflichtspielen geehrt: Pfaff, Kudrass und Wloka für jeweils 350 Partien, Kreß, Hesse und Weilbächer für deren 200.

Alles klar nach sieben Minuten

Sind die Oberpfälzer mit der gelinden Hoffnung an den Main gereist, hier eventuell doch ein Pünktchen abstauben zu können, dauert es nur wenige Minuten, bis diese Träume zerplatzen.

Vom Anpfiff an stürmt die Eintracht wie ein Wirbelsturm nach vorne und muss wahrlich nicht lange auf Erfolge warten: Das 1:0 durch Alfred Pfaff fällt nach bereits zwei Minuten: Im Zusammenspiel kombinieren sich Pfaff und Kreß durch die Jahnabwehr, und gegen den Schuss von ‚Don Alfredo‘ ist für den Gästetorhüter Niemann kein Kraut gewachsen. Zwei Minuten später versucht sich der Jahn mit einem ersten Gegenstoß. Doch Weilbächer fängt den Ball ab, der über Pfaff und Bäumler zum steil zum nach innen gelaufenen Kreß geschickt wird. Kreß zurück zu Pfaff, der auf Feigenspan – und es steht 2:0.

Sieben Minuten sind gespielt, da erinnert sich Feigenspan daran, dass es an der Zeit sei, sich bei Pfaff für die Vorlage zum 2:0 zu bedanken. Er schickt den Spielmacher der Eintracht mit einem Pass auf den Weg, und Pfaff schließt den Alleingang mit einem Schuss aus vollem Lauf zum 3:0 ab. Wer selbst Fußball gespielt hat, der weiß, dass sich keiner nach einer derartig raschen 3:0-Führung mehr ein Bein ausreißt. Und so plätschert das Spiel bis zur Pause träge dahin, so dass keine Ergebnisveränderung mehr erfolgt. Nach dem Wechsel erinnern sich die Eintrachtspieler dann allerdings an ihren Blitzstart in der ersten Hälfte.

Vermutlich hatte Trainer Patek seiner Mannschaft in der Pause einen kleinen Marsch geblasen. So nimmt Pfaff in der 47. Minute einen Eckball von Kreß auf, flankt, und Feigenspan verwertet die Vorlage per Kopfball zum 4:0 Zwei Minuten später ist erneut Feigenspan erfolgreich, als er dem Regensburger Torhüter Niemann das Leder abluchsen kann und zum 5:0 einschließt. Was die Eintracht nun rund um den Strafraum des Gegners vorfindet, ähnelt mehr einem aufgeregten Hühnerhaufen als einer sortierten Abwehr. so ergeben sich Chancen im Minutentakt, und die Jahnsportler können sich bei ihrem Torhüter Niemann bedanken, dass kein zweistelliges Ergebnis zustande kommt. So kann er einen scharfen Schuss Schymiks über die Latte lenken, und per Fußabwehr gegen Feigenspan klären. Zweimal muss er sich allerdings noch geschlagen geben – zum einem 6:0 durch Bäumler, und dann bei Pfaffs Geschoss zum 7:0-Endstand.

Wie es weiterging

Nürnberg kann durch einen knappen 1:0-Erfolg gegen FSV die Tabellenspitze behaupten, spürt aber die gesamte Hinrunde den Atem der Eintracht im Nacken, die die erste Halbserie als Zweiter mit 22:8 Punkten und damit nur einen Punkt hinter dem Spitzenreiter aus Nürnberg beendet. Nochmals verstärkt geht es in die Rückrunde. Denn ab dem Jahreswechsel stehen Sztani, Hanek und Lörincz nun auch für Pflichtspiele zur Verfügung. Die Drei hatten Ungarn nach dem Volksaufstand bereits 1956 verlassen, waren bislang aber nur in Freundschaftsspielen spielberechtigt. Zwar gibt es am 20. Spieltag mit einem 2:4 beim BC Augsburg einen Ausrutscher, da aber Spitzenreiter Nürnberg parallel in Karlsruhe verliert, bleibt der Kontakt zur Spitze gewahrt.

Bereits am nächsten Spieltag übernimmt die Eintracht nach einem 2:0 im Derby über den FSV die Tabellenspitze. Nach dem 5:3-Sieg in Nürnberg am 27. Spieltag sieht es danach aus, als könne sie den Fünfkampf um die süddeutsche Meisterschaft mit 1860, Nürnberg, Karlsruhe und Fürth für sich entscheiden, zumal das nächste Heimspiel mit 2:0 gegen Schweinfurt 05 gewonnen wird. Doch die letzten beiden Spieltage bringen eine riesige Enttäuschung:

Nach einem unglücklichen 1:2 gegen die SpVgg Fürth am Riederwald geht es im letzten Spiel zu Jahn Regensburg, das bereits als Absteiger feststeht. Doch statt des erwarteten Sieges gibt es ein 0:1 – die Eintracht hat als Dritter mit 39:21 Punkten drei Punkte hinter Meister KSC die Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft verpasst. Dieses enttäuschende Abschneiden hat Konsequenzen: Bereits Ende April 1958 übernimmt ein neuer Trainer den Posten von Adolf Patek, der zum FC Bayern wechselt. Dieser ‚Neue‘ ist ein alter Bekannter: Paul Osswald, der die Eintracht schon 1928 bis 1933 und 1935 bis 1938 trainiert und 1932 die bislang einzige Teilnahme am Finale um die Deutsche Meisterschaft erreicht hatte. ? Frank Gotta

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