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Achtelfinale: Torhüter Akinfejew hat die Fußspitze der Nation

Gastgeber Russland wirft sensationell die spanischen Mitfavoriten aus der WM. Da hat selbst „Kalinka“ keine Chance.
Die Rettungstat des Tages: Igor Akinfejew hält auch den Elfmeter des Spaniers Iago Aspas, Russland ist im Achtelfinale. Foto: Antonio Calanni (AP) Die Rettungstat des Tages: Igor Akinfejew hält auch den Elfmeter des Spaniers Iago Aspas, Russland ist im Achtelfinale.
Moskau. 

„Kalinka“ ist das Lied der Russen. Es muntert sie auf, es bringt sie in Stimmung, es hilft immer, jeder stimmt sofort ein, nimmt den Rhythmus auf. Am Ende dieses unfassbaren Fußballnachmittags, der dann schon in den Abend gemündet war durch Verlängerung und Elfmeterschießen, wurde das „Kalinka“ eingespielt – doch es hatte keine Chance. Es drang nicht durch, zu laut war es im Moskauer Luschniki-Stadion. Ein Tosen, wie es der Fußball lange nicht erlebt hat, in Ansätzen vielleicht aus der mexikanischen Kurve beim Spiel der Vorrunde gegen Deutschland. Aber das war noch viel intensiver, es kam aus allen Richtungen.

Es war ja auch eine Sensation geschehen. Eine, die dem Gastgeberland der Weltmeisterschaft dienlich ist. Russland, von der Weltranglistenplatzierung (70.) das schlechteste Team der WM, steht im Viertelfinale. Im Achtelfinale hat es am Montag Spanien besiegt. Nach einem 1:1 aus 120 Minuten mit 4:3 im Elfmeterschießen. Der Moment, den man nun bis zur nächsten Runde immer wieder sehen wird, gehört Igor Akinfejew, dem Torhüter der Russen. Er ist schon unterwegs in die rechte Ecke, der Ball von Iago Aspas geht in die Mitte, Akinfeew reckt die Fußspitze raus. Die Fußspitze der Nation fortan.

Am Strafraum versandet

„Wir wollten mehr angreifen, doch das ging gegen Spanien nicht“, erzählte Akinfejew. Über das Ungleichgewicht zulasten des Außenseiters Russland berichtet die Statistik dieses Spiels. 74 Prozent Ballbesitz für Spanien, das 1137 Pässe spielte. Die Russen waren viel seltener am Ball, nur 285 Mal. Jedoch: Sie liefen mehr. Neun Kilometer betrug ihr Plus gegenüber den Iberern – was die Skeptiker bestätigt, die die russische Dopingvorgeschichte zitieren.

Doch es war auch zu sehen, dass der spanische Stil sich vielleicht doch totgespielt hat. Das Tiki-Taka versandete am Strafraum, um zu einem Tor zu kommen, bedurfte es russischer Hilfe. Sergej Ignaschewitsch ging in einen Fünfmeterraum-Infight mit dem spanischen Rammbock Sergio Ramos so ungeschickt, dass er ein Eigentor produzierte (12.). Doch auch die Spanier begingen einen Fehler. Gerard Pique hatte die Hand weit oben bei einer russischen Flanke in den Sechzehner, Dsjuba köpfte, der Ball sprang Pique an die Hand – es war ein Elfmeter ohne jeden Zweifel, und Artem Dsjuba verwandelte ihn selbst. Wodurch das Spiel seinen Charakter endgültig veränderte.

Spürbar und mit jeder Minute kroch in den Spaniern die Angst hoch, in die Verlängerung und noch mehr gezwungen zu werden. Jede Minute bedrohte das System, das perfekt sein und Risiken ausschließen soll.

Hässliche Wasserflecken

In den letzten Minuten prasselte Regen herab auf Luschniki, Fernando Hierro, Spaniens Nationaltrainer für die Winzigkeit von – nun ist es definitiv – nur vier Spielen, zog sich ein Jackett über, das bald hässliche Wasserflecken aufwies. Er bot das Bild eines Mannes, der für seine letzte Schlacht alles gibt, aber verlieren wird. Stanislav Tschertschessow, der russische Coach, blieb brummbärig ruhig, er nickte bestätigend ab, wie seine Mannschaft ab Elfmeterrunde drei in Führung ging.

Er sagte: „Emotionen spare ich mir für später auf. Jetzt zählt dann nur das nächste Spiel.“ Man sei am Anfang, nicht am Ende. „Jury Zhirkow hat wohl sein letztes WM-Spiel gemacht“, war Tschertschessow schon wieder in Personalplanungen versunken, „Beinverletzung. Er könnte höchstens noch einmal spielen, wenn wir ins Finale kommen.“ Das hält Russland nun nicht mehr für unmöglich. Kalinka!

Spanien: de Gea – Nacho (70. Carvajal), Piqué, Sergio Ramos, Jordi Alba – Koke, Busquets – Asensio (104. Rodrigo), David Silva (67. Iniesta), Isco – Diego Costa (80. Aspas). – Russland: Akinfejew – Már. Fernandes, Ignaschewitsch, Kutepow, Kudriaschow – Schirkow (46. Granat), Samedow (61. Tscheryschew), Sobnin, Kusjajew (97. Jerochin), Golowin – Dsjuba (65. Smolow). – SR: Kuipers (Niederlande). – Zuschauer: 78011 (ausverkauft. – Tore: 1:0 Ignaschewitsch (12./Eigentor), 1:1 Dsjuba (41./Handelfmeter). – Elfmeterschießen: 1:0 Iniesta, 1:1 Smolow, 2:1 Piqué, 2:2 Ignaschewitsch, Akinfejew hält von Koke, 2:3 Golowin, 3:3 Sergio Ramos, 3:4 Tscheryschew, Akinfejew hält von Aspas. – Gelbe Karten: Piqué (1)/Kutepow (1), Sobnin (1) Beste Spieler: Jordi Alba, Isco/Golowin, Dsjuba

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