Die Magie wirkt doch noch

Otto Rehhagels Maßnahmen zeigen Ergebnisse. Ausgerechnet der glücklose Stürmer Ramos traf gleich zweimal. Hertha BSC schöpft nach dem 3:1 in Mainz neue Hoffnung im Abstiegskampf.
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Mainz. 

Otto Rehhagel gab Michael Preetz kurz die Hand. Es war ein nüchterner Handschlag, als sich Trainer und Manager beim Schlusspfiff von ihren Bankplätzen erhoben. Kein Abklatschen, keine Umarmung, kein Jubelsprung, kein Freudenausbruch nach dem bemerkenswerten und verdienten 3:1 (0:1)-Sieg von Hertha BSC Berlin beim FSV Mainz 05.

Mit ernster Miene und alles andere als in "König-Otto-Pose" ging der Mann, der den Hauptstadtclub in der Bundesliga halten soll, zum Kabineneingang. Otto Rehhagel ist nicht mehr das Rumpelstilzchen wie einst zu Bremer Zeiten, sondern mit 73 Jahren auch am Spielfeldrand ganz der Grandseigneur, der den Bundespräsidenten gewählt hat. Als seine Umgebung schier ausflippte nach den Toren von Änis Ben-Hatira (41. Minute) und den beiden Treffern von Adrian Ramos (52./69.) – ein strammer Flachschuss und ein raffinierter Lupfer nach einem katastrophalen Fehler von Jan Kirchhoff –, reagierte Rehhagel nur mit euphoriedämpfenden Handbewegungen: Leute, bleibt auf dem Boden!

Anschluss gehalten

Hertha steht zwar immer noch auf einem Abstiegsplatz. "Aber wir haben den Anschluss gehalten und haben es selbst in der Hand, auch wenn es noch sehr schwer wird", sagte Rehhagel nach dem zweiten Sieg im fünften Spiel im Rahmen seines Rettungsauftrags. Ein Punkt trennt Hertha vom Relegations- und vom Nichtabstiegsplatz. "Wenn wir verloren hätten, wäre die Rettung äußerst schwierig geworden", sagte Rehhagel. Aber die Hertha hat gewonnen, weil Rehhagels Magie eben immer noch wirkt. Kein Zauber, sondern Zeichen sind es, die Spieler und Mannschaft verändern.

Zum Beispiel den Stürmer Adrian Ramos, der am 9. Dezember vergangenen Jahres letztmals ein Tor zustande gebracht hatte. "Ich habe ihn daran erinnert, dass er es ja schon mal besser gemacht, als in den letzten Wochen und Monaten", sagte Rehhagel: "Geh ‘raus mit Selbstbewusstsein! Wenn er und sein Partner Raffael schön miteinander spielen, würden sich Chancen ergeben. Wenn wir die Mainzer Anfangsphase überstehen. Und so ist es ja auch gekommen."

Mit Glück überstanden die Berliner den Mainzer Anfangsdruck mit zwei grob fahrlässig vergeben Großchancen (Müller, Szalai). Doch dann "trug das Torschusstraining Früchte", wie Preetz anmerkte. "Wir haben an unsere Offensive geglaubt." Was sicherlich das Verdienst Rehhagels ist in vielen Gesprächen nach der 0:6-Klatsche gegen die Bayern. Nach eigenem Bekenntnis habe er "auch mal demokratischer Diktator sein müssen, sonst gehen die Dinge nicht nach vorne".

Otto Rehhagel, schwarzer Anzug, weißes Hemd, offener Kragen, war als eine Art Dozent auf der Pressekonferenz in seinem Element. "Wo steht geschrieben, welches System man zu spielen hat? Es gibt nur eine Wahrheit: Der Ball muss ins Netz." Nur er war gefragt. Nur er redete. Thomas Tuchel war nur sein Statement geblieben (lesen Sie dazu auch "Extra"), in dem er die vergebenen Chancen beklagte, auch die Gelegenheiten nach dem Anschlusstor von Choupo-Moting (58.). "Entschuldige Thomas, dass ich schon zu viel erzählt habe." Otto Rehhagel sprach‘s und beendete die Pressekonferenz: "Okay, das war‘s. Ich will nach Hause."

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