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Löwen Frankfurt: Ein einmaliges Duo auf dem Eis

Prominenter Besuch am Ratsweg: Robert Reichel und Jiri Lala, das beste Duo, das je in Frankfurt Eishockey spielte, besuchen Freitag das Heimspiel der Löwen in der DEL2 gegen den EHC Freiburg (19.30 Uhr). Unser langjähriger Eishockey-Experte Michael Löffler erinnert sich.
Frankfurter Eishockey-Idole: Robert Reichel (links) und Jiri Lala. Foto: JOACHIM STORCH (Pressefotografie Storch, Bad Hg.) Frankfurter Eishockey-Idole: Robert Reichel (links) und Jiri Lala.
Frankfurt. 

Die Legenden sind wieder da: Anlässlich der Aktion „25 Jahre, 25 Helden“ präsentieren die Löwen die ehemaligen Publikumslieblinge Jiri Lala und Robert Reichel den Fans. Lala war 1983 bester Stürmer der WM, 1985 Weltmeister, holte zudem mit der Tschechoslowakei vier WM-Medaillen und 1984 Olympia-Silber. In der Bundesliga war er 1990 und 91 Topscorer und bester Torschütze. Letzteres auch 1993. Landsmann Reichel wurde gar dreimal Weltmeister und viermal WM-Dritter und 1998 Olympiasieger. In der NHL absolvierte er 830 Spiele. Mit seinen 67 Toren und 81 Vorlagen in 70 Spielen ist er immer noch der effektivste Löwe aller Zeiten.

Das alles sind aber nur nackte Zahlen: Wer das Glück hatte, das tschechische Duo gemeinsam auf dem Eis zu erleben, wird sich immer an dieses blinde Verständnis untereinander erinnern, und wie sie viele Gegner schwindelig spielten. Ich sehe noch das Powerplay vor mir, in dem Reichel oder sein damals 37 Jahre alter Freund Lala lauerten, bis sie vom jeweils anderen mustergültig bedient wurden, um dann den Puck mit einem satten Schuss in die Maschen zu hämmern. Oder die erfolgreichen Bauerntricks der beiden Tschechen, die für viele graue Haare bei den gegnerischen Torhütern sorgten.

Lala war der „Alteingesessene“ in Frankfurt. Wie heute höre ich das Klingeln des Telefons, das mich an einem warmen Sommertag um 6 Uhr aus dem Bett aufspringen ließ. Am Hörer war Mister Eishockey Günter Herold. Er entschuldigte sich, mich aus dem Schlaf gerissen zu haben. „Man hat mir heute Nacht Jiri Lala angeboten. Ich muss mich bis neun Uhr entscheiden. Soll ich?“ Der Stürmer war damals 30 Jahre alt, hatte daheim in der damals zweitstärksten europäischen Liga in 510 Spielen 297 Tore erzielt. Sofort rief ich einen Fach-Journalisten in Prag an. Um 8.40 kam der Rückruf: „Lala ist fit.“ Eine Viertelstunde später war der Deal perfekt. Der Weltmeister wurde von Eintracht Frankfurt verpflichtet. Mit Mark Jooris und Roger Nicholas bildete er die gefährlichste Reihe der Bundesliga. Als die Eintracht 1991 das Eishockey aufgab, wechselten Lala und Nicholas nach Mannheim. Nicholas kam wenige Monate später nach Frankfurt zurück und wurde neben Trevor Erhardt produktivster Stürmer der Oberliga-Löwen. Als 1994 Frankfurt in die neu gegründete DEL aufgenommen wurde, kehrte der „verlorene Sohn“ Lala an den Ratsweg zurück.

In einer schwachen Löwen- Mannschaft war er zunächst allein überfordert. Doch dann schlug es in Frankfurt wie eine Bombe ein: Robert Reichel kommt! Die amerikanische Profiliga NHL hatte die Spieler ausgesperrt, der Spielbetrieb ruhte. Während des Lockouts kamen viele NHL-Stars nach Europa. Viele als Exoten für ein Spiel. Das wollte Reichel keineswegs. Von einmaligen Aktionen für ein Spiel hielt er nichts. Er hatte Angebote aus seiner Heimatstadt Litvinov, Rapperswill und Bern. Die Offerte aus Frankfurt erschien ihm als die beste.

Lala kannte er nur als Gegenspieler aus seiner allerersten Saison, die er noch für Litvinov bestritt. Und als Fan von den Weltmeisterschaften. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Eben gesucht und gefunden. Auf dem Eis wie außerhalb. Lala war so etwas wie der väterliche Freund, der um zwölf Jahre jüngere Reichel der mit dem jugendlichen Elan. 23 Lenze zählte der mit der Empfehlung von 311 NHL-Scorerpunkten gekommene Reichel bei seinem ersten Match gegen Krefeld, in dem er mit einem Treffer nach Pass von Lala zum 2:1-Sieg verhalf. Die ohne den NHL-Superstar mit drei Siegen aus elf Spielen in die Runde gestarteten Löwen eilten plötzlich vom Sieg zu Sieg. So sah die Serie aus: 5:2 in Weißwasser, 5:0 gegen Ratingen, 3:9 in Berlin, 4:3 gegen Weißwasser, 5:3 gegen Kassel. Reichel erzielte in diesen sechs Partien elf Tore und lieferte drei Vorlagen für Lala, der seinem Freund wiederum sieben Tore vorbereitete.

Fans folgen nach Calgary

Im Januar 1995 ging der NHL-Streik zu Ende. Reichel verabschiedete sich am Ratsweg mit dem Treffer zum 5:2-Endstand gegen Preußen Berlin. Ohne ihn holten die Löwen in den 13 restlichen Spielen nur noch zwei Siege.

Die Fans hatten ihn aber nicht vergessen. Ein Flug nach Calgary wurde organisiert, um Reichel im Trikot der Flames zu erleben. Diese Aktion bewegte den NHL-Star sichtlich. „Eine Stimmung wie in Frankfurt habe ich in der NHL nie erlebt. Die Fans haben mich in ihr Herz geschlossen. Ich kann es ihnen nur mit guten Leistungen danken“, sagte er gerührt. Vielleicht war es mit der Grund, warum der „König der Löwen“ 1995/96 statt in der besten (und lukrativsten) Liga der Welt einen Vertrag in Frankfurt unterzeichnete. Seine Torgefährlichkeit war immens: In Deutschland hält er immer noch den Rekord als Topscorer einer Saison: In 46 Spielen 101 Scorerpunkte.

Nur das Ende der gemeinsamen Löwen-Zeit von Reichel und Lala war unrühmlich. Hätten sie an ihrer Seite einen kampfstarken, aber auch technisch und läuferisch versierten Spieler gehabt, wie ihn einst Lala in Nicholas fand, hätte es vielleicht für einen Top-Platz der Löwen gereicht. So waren die beiden in dem mittelmäßigen Team praktisch Alleinunterhalter. Als es in die Play-offs gegen Kassel ging, waren sie einfach ausgelaugt. In nur drei Spielen knipsten die Schlittenhunde den Löwen das Licht aus. Die übermüdeten Stars bekamen den schwarzen Peter zugeschoben. Lala wurde noch in Kassel gefeuert, Reichel setzte seine NHL-Karriere fort.

Ihre gemeinsame Zeit ging damit nicht zu Ende. Sie blieben Freunde fürs Leben. Im Frühjahr trafen sie sich bei der tschechischen Junioren-Nationalmannschaft wieder: Reichel als Trainer, Lala als Manager. Ein Paar, wie man es in der DEL auf dem Eis nie zuvor gesehen hatte. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nie mehr zu sehen bekommen wird.

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