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Eishockey: Eishockey-Torwart: Mann mit der größten Verantwortung

Von Die Position des Torwarts ist im Mannschaftssport eine der wichtigsten. In keiner Sportart kommt ihr aber eine so große Bedeutung zu wie beim Eishockey. Was sind die Herausforderungen für die Torhüter auf dem Eis? Wie sieht die Ausrüstung aus? Wie wird einer überhaupt Eishockey-Torhüter? Wir haben nachgefragt bei den Torleuten der Löwen Frankfurt. Brett Jaeger, Florian Proske und Hannibal Weitzmann haben vor den beiden Hessenderbys der Löwen in der DEL2 am Freitag in Kassel und am Sonntag gegen Bad Nauheim ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Ihre Einschätzung: Ein Eishockey- Torwart muss mental stark sein – und ein bisschen verrückt.
<span></span> Bilder > Foto: Jan Huebner (Jan Huebner)
Frankfurt. 

Beim einzigen Frankfurter Gewinn der Deutschen Eishockey-Meisterschaft 2004 wuchs Torwart Ian Gordon über sich hinaus. Und als die Löwen Frankfurt in der vergangenen Saison die DEL 2-Meisterschaft feiern durften, verdankten sie es zum großen Teil ihrem „Play-off-Monster“ zwischen den Pfosten: Brett Jaeger wurde damals zum besten Spieler der Finalserie gewählt. Jeder Eishockey-Fan weiß: Ohne einen überragenden Keeper sind keine Titel zu gewinnen.

Wie in anderen Mannschaftssportarten ist der Platz im Eishockey-Tor ein ganz besonderer. „Mich hat die Position zwischen den Pfosten schon immer fasziniert. In der Schule habe ich es auch beim Fußball und Handball ausprobiert. War interessant. Aber mit Eishockey nicht vergleichbar“, sagt Hannibal Weitzmann. „Es ist die spielentscheidende Position. Weil das alles so schnell geht, ist ein Eishockey-Torwart permanent gefordert. Ein Fußball-Torhüter kann ruhig mal ein wenig verschnaufen, wenn der Ball im gegnerischen Strafraum ist. Ein Eishockey-Torwart hingegen nie. Er muss immer den Puck verfolgen, selbst ein Befreiungsschlag übers ganze Feld könnte reinfallen“, präzisiert es Florian Proske. Gene Ubriaco, ein kanadischer NHL-Star der 60er Jahre, sagte einmal: „Im Eishockey macht der Torhüter 75 Prozent des Spiels aus. Es sei denn, es ist ein schlechter Torhüter. Dann sind es 100 Prozent.“ Brett Jaeger weist auch auf die psychologische Wirkung hin: „Ein sicherer Torhüter sorgt für Ruhe im Spiel der Feldspieler und ermöglicht eine offensivere Spielweise.“ Man trage als Torwart dafür die größte Verantwortung. „Macht ein Stürmer einen Fehler, merkt es kaum einer der Zuschauer. Macht ein Torwart einen Fehler, bekommen es zigtausend Beobachter sofort mit.“

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Torhüter im Fokus: Die Löwen laden ein!

Die Löwen Frankfurt wissen, was sie an ihren „Goalies“, wie die Torhüter beim Eishockey genannt werden, haben. Doch nicht nur das. Die Löwen wissen auch, dass Torhüter in anderen Sportarten oft im

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25 bis 30 Schüsse muss ein Eishockey-Torwart im Schnitt pro Match abwehren. Der Puck kommt durchschnittlich mit Geschwindigkeiten von 120 bis 140 Stundenkilometer angeflogen – und manchmal auch noch ein gutes Stück schneller. „Man muss schon ein wenig verrückt sein, um sich ins Tor zu stellen“, meint Proske. Trotz der guten Ausrüstung seien viele Stellen der Härte des Pucks ausgesetzt. Die Rippen, die Knie, das Schlüsselbein und der Rücken seien die am wenigsten geschützten Stellen, erklärt Proske. „Ich hatte schon einen Kieferbruch und eine Gehirnerschütterung. Dennoch glaube ich, dass der Torwart weniger gefährdet ist als die Feldspieler, die nicht so geschützt sind, Checks abbekommen, gegen die Bande prallen, Zähne durch Fouls oder bei Prügeleien verlieren“, meint Jaeger.

Dass der Job toll, aber stressig sei, darin ist sich das Torwart-Trio der Löwen Frankfurt einig. NHL-Legende Jacques Plante, der in den 1950er Jahren, nachdem er von einem Puck im Gesicht getroffen wurde, als erster Torwart der Welt eine Maske trug, beantwortete einmal die Frage nach dem Stress des Eishockey-Torwarts. „Kennen Sie viele Jobs, bei denen jedes Mal, wenn du einen Fehler machst, ein rotes Licht über deinem Kopf aufleuchtet und 15 000 Menschen anfangen zu pfeifen?“ Aus diesem Grunde, so Jaeger, sei Mentaltraining unbedingt notwendig. „Im Tor brauchst du ein kurzes Gedächtnis. Was passiert ist, ist passiert. Du musst es sofort vergessen und dich auf die nächste Situation konzentrieren.“ Die mentale Stärke ist für Weitzmann die wichtigste Eigenschaft eines Torhüters. „Man darf sich durch nichts ablenken lassen, man muss immer auf den Moment fixiert sein, auf den es ankommt.“ Deshalb trainieren die Torhüter auch mehr als alle anderen Spieler. „Wir müssen lernen, wie man sich freie Sicht verschafft, einen im Weg stehenden Gegner verjagt“, erzählt Weitzmann. Und dann sei da auch noch das gute Schlittschuhlaufen. Jaeger: „Wir müssen genauso flink wie die Feldspieler sein.“

Das wichtigste aber – da ist sich das Trio einig – ist ausgiebige Spielpraxis. Am liebsten würden alle drei jedes Spiel im Tor der Löwen machen. Sie nehmen den Konkurrenzkampf aber gerne an und sind sich sicher: Die Löwen haben das stärkste Torwart-Trio der DEL 2.

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