Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 16°C

Löwen Frankfurt: Helden als Ansporn

Als am Freitagabend in der Frankfurter Eissporthalle vor dem Spitzenspiel gegen Bietigheim vieltausendstimmig „Francois Bouchaaard“ von den Fans intoniert wurde, bekam nicht nur der Besungene eine Gänsehaut.
Legende Francois Bouchard in Aktion: Hier in einem Spiel 2004 gegen Augsburg. Foto: Christian Klein Legende Francois Bouchard in Aktion: Hier in einem Spiel 2004 gegen Augsburg.
Frankfurt. 

Francios Bouchard war gerade im Rahmen der Aktion „25 Jahre Löwen Frankfurt – 25 Legenden“ mitten auf dem Eis aus einem Auto gestiegen. 2004 gehörte er zu jener Meistermannschaft der Frankfurt Lions, die damals – ein Jahr nach dem Fastabstieg – sensationell den Titel in der DEL geholt hatte. Der Franko-Kanadier gehörte zu den defensiven Säulen, war aber auch torgefährlich. Unvergessen sein Tor zum 1:0 im fünften und entscheidenden Halbfinalspiel in Hamburg, als er damit die 13 000 Fans der Freezers zum Schweigen brachte und die Basis zum Sieg der Lions setzte. Solche Heldentaten bleiben in Erinnerung.

Im Sport wird immer wieder gerne auf „Tradition“ gepocht. Was viele vergessen: Tradition entsteht nicht automatisch, bloß weil ein paar Jahre vergehen. Tradition muss auf lebendige Art und Weise bewahrt werden. Dazu gehört es, Helden und Legenden von einst in Erinnerung zu behalten und zu ehren, denn ohne Helden von früher gäbe es keine neue Helden. In Frankfurt etwa kennt jeder noch den Namen Trevor Erhardt, obwohl von den aktuellen Fans wohl die wenigsten ihn noch haben spielen sehen. Bezeichnend, dass vor drei Jahren anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Meisterschaft zum „Spiel der Legenden“ die Eissporthalle ausverkauft war und fast alle Meisterspieler kamen.

Die schönste Zeit

Francois Bouchard war damals verhindert, nun war er mit Verspätung zu Gast. Die Löwen haben sich mit „25 Jahre Löwen Frankfurt – 25 Legenden“ ein ambitioniertes Programm auferlegt. Aber schon jetzt kann man sagen: Es ist den Aufwand wert. Im Übrigen genießen nicht nur die Fans die Aktion, sondern auch die Spieler. Es ist ein Phänomen, dass auch und im Besonderen ausländische Akteure ihre Zeit in Frankfurt „als die schönste“ bezeichnen, wie etwa Claude Vilgrain, der vor zehn Tagen zu Besuch war. Der gebürtige Haitianer, der auch über 100 NHL-Spiele absolvierte, gehörte 1997/98 zu jenen legendären „Bernie-Boys“, benannt nach dem damaligen Manager Bernie Johnston), die mit wildem Offensiv- und Haudrauf-Eishockey die Liga aufmischten.

In Zeiten unbekannter „Political Correctness“ wurde er unbefangen „the Chocolate Rocket“ gerufen. Auch er genoss die Rückkehr nach Frankfurt und glänzte mit noch bemerkenswert guten Deutschkenntnissen: „Als dunkelhäutiger Spieler war es nicht überall leicht für mich, aber Frankfurt war schon damals eine weltoffene Stadt, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe“, erzählte er, der als „Spielplatz-Designer“ für öffentliche Anlagen und Einrichtungen in Kanada arbeitet.

Francois Bouchard suchte beim Besuch auch die Mannschaftskabine auf: „Am liebsten hätte ich gleich wieder die Schlittschuhe geschnürt“, gestand er lachend. Doch was neben den Sprechchören einen mindestens genau so starken Eindruck hinterließ war, als er im Kabinengang auf den Fotos einstiger Legenden auch sein Konterfei entdeckte. Helden-Verehrung ist nicht nur schlichte „Früher einmal“-Attitüde, sie spornt auch die nächste Generation an. Das ist der tiefere Sinn von Traditionsbewahrung im Sport.

(goh)
Zur Startseite Mehr aus Löwen Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse