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Anwohner hoffen auf Stopp-Signal

Vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat gestern die Verhandlung über den geplanten Ausbau der S-Bahn zwischen Frankfurt und Bad Vilbel begonnen. Betroffene Anwohner sind optimistisch, dass der Planfeststellungsbeschluss kippt: Die Deutsche Bahn AG (DB) habe einige Widersprüche nicht klären können.
Stellt der Verwaltungsgerichtshof die Signale für die Bahn auf Rot? Anwohner hoffen, dass der Ausbau der Bahnstrecke nach Bad Vilbel gestoppt wird. Stellt der Verwaltungsgerichtshof die Signale für die Bahn auf Rot? Anwohner hoffen, dass der Ausbau der Bahnstrecke nach Bad Vilbel gestoppt wird.

Im August feierte sie ihr zehnjähriges Bestehen: Seit 2001 schon kämpft die Eschersheimer Bürgerinitiative "2 statt 4" gegen den viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen dem Westbahnhof und Bad Vilbel. Und das nicht ohne Erfolg. Denn bisher wurde mit dem rund 200 Millionen Euro teuren Projekt nicht begonnen. Das liegt im Gegensatz zu anderen Schienen-Vorhaben nicht am fehlenden Geld – die Finanzierung mit Mitteln von Bund, Land sowie der Städte Frankfurt und Bad Vilbel ist gesichert. Vielmehr ist es den Anwohnern gelungen, der Bahn in Gerichtsverfahren erhebliche Planungsfehler nachzuweisen.

Das Unternehmen musste nachbessern, legte neue Pläne vor, die unter anderem höhere Lärmschutzwände im Niddatal vorsahen. Aber auch dagegen klagten mehrere Anwohner aus Eschersheim, Berkersheim und Ginnheim.

Zweifel an Prognosen

Sie zweifeln die Lärmberechnung der Planer an. Die Klagen richten sich aber auch gegen den zu erwartenden Baulärm und mögliche Schäden an Gebäuden wegen der Erschütterungen entlang der Strecke. Schließlich müssen sich die obersten hessischen Verwaltungsrichter auch mit der Frage beschäftigen, welche Auswirkungen die geplanten Lärmschutzwände auf die Sonneneinstrahlung auf benachbarte Grundstücke haben. Außerdem gehe es um die Frage, ob der Planfeststellungsbeschluss mit dem Wasser- und Naturschutzrecht vereinbar sei.

Gestern Vormittag begann die auf zwei Tage angesetzte Verhandlung beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel. Bis in den Abend hinein hörten sich die Richter die Argumente der Ausbau-Gegner an. Unter den Zuhörern war Ingrid Häusler von der Bürgerinitiative "2 statt 4". Sie zeigte sich gestern Abend zuversichtlich: "Der VGH hat klargemacht, dass er einige Ausführungen der Bahn nicht für plausibel hält", sagte sie im Gespräch mit der FNP. Das betreffe unter anderem die Prognosen zu Zugzahlen und -längen sowie zu den gefahrenen Geschwindigkeiten. Einige Widersprüche hätten die Vertreter der DB nicht aufklären können.

Der VGH will heute weiter verhandeln. Ob es bereits eine Entscheidung gibt, war gestern noch offen.

Eigene Gleise für S-Bahn

Über den Ausbau der 12,6 Kilometer langen Strecke wird bereits seit Ende der 80er Jahre diskutiert. 1997 wurden die Pläne konkret. Der Zeitplan jedoch wurde immer wieder verschoben. Auch der zuletzt genannte Termin für einen Baubeginn im Jahr 2010 (Fertigstellung Ende 2013) verstrich wegen der juristischen Auseinandersetzung.

Durch den Bau von zwei zusätzlichen Gleisen soll die S-Bahn unabhängig von Regional-, Fern- und Güterzügen fahren können. Damit soll die Pünktlichkeit der Züge verbessert, ein einheitlicher Takt ermöglicht und die Fahrzeit verkürzt werden. "Derzeit teilen sich S-Bahnen und Güterzüge die Gleise. Dies beeinträchtigt die Pünktlichkeit der S-Bahnen", sagt Wolfgang Harms, der Sprecher des hessischen Verkehrsministers Dieter Posch (FDP). Der zählt ebenso wie Fahrgast- und Umweltverbände zu den Befürwortern des Projekts, hat es vor Jahren in das Programm "Frankfurt Rhein-Main plus" aufgenommen. Das wurde entwickelt, nachdem die Pläne für den unterirdischen Durchgangsbahnhof "Frankfurt 21" gescheitert waren. Diesem Milliarden-Projekt trauert Klaus Funk, der Sprecher der Bürgerinitiative "2 statt 4" immer noch nach. Denn das Konzept sah unter anderem eine neue Bahntrasse östlich von Frankfurt vor. Diese hätte den Güterverkehr aufnehmen – und den Ausbau der Main-Weser-Bahn überflüssig machen können, meint Funk.

Fortsetzung folgt

Das aber ist Geschichte. Konkret in Planung ist hingegen schon die Fortführung des viergleisigen Ausbaus von Bad Vilbel bis nach Friedberg. Erst wenn auch dieser Abschnitt realisiert ist, kann die S-Bahn-Linie S 6 durchgehend ungestört auf eigenen Gleisen fahren. Allerdings regt sich auch in der Wetterau zum Teil heftiger Widerstand bei betroffenen Anwohnern. Gut möglich, dass sich der Verwaltungsgerichtshof in Kassel bald erneut mit der Bahnstrecke befassen muss. lhe/mu

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