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BAP-Party mit 5.000 Fans

Von Die kölschen Mundart-Rocker nahmen ihre restlos begeisterten 5000 Fans im Festzelt mit auf eine nur bedingt nostalgietrunkene Reise durch die Bandgeschichte.
Guter Draht zum Publikum in Orschel: BAP-Kopf und Frontmann Wolfgang Niedecken. Foto: Sajak Guter Draht zum Publikum in Orschel: BAP-Kopf und Frontmann Wolfgang Niedecken. Foto: Sajak

"Die Klassiker" ist die Tour untertitelt, aber die wollen nach 35 Jahren und 17 Platten, von denen es beachtliche zehn an die Spitze der LP-Charts schafften, erstmal definiert sein. Frontmann Wolfgang Niedecken, der wie zu seinen Studentenzeiten als "Südstadt-Dylan" mit Akustikgitarre und Mundharmonika mit "Für "ne Moment" (von "Comics un Pin-Ups", 1999) eröffnet, erweitert den Kreis listig um "unsere neuen Klassiker". Konsequent für eine Gruppe, die sich über die Jahre und nach zahlreichen Umbesetzungen immer wieder neu erfunden hat.

Geblieben ist BAP eine Band, die wie wenige andere ohne Anbiederung ein "Wir"-Gefühl beschwören kann, weil sie am Soundtrack des Lebens vieler Fans mitschrieb. Große Gelegenheiten, intime Momente – BAP haben sie meist mit dem passenden Lied unterlegt.

Stehblues mit Freundin

1982, gedimmter Partykeller: "Do kanns zaubere" beim Stehblues mit der ersten Freundin. Im Festzelt teilt sich Gitarrist Helmut Krumminga die legendäre schwärmerische E-Gitarren-Coda mit Gast-Geigerin Anne de Wolff. Und wieder wiegen sich die Paare verträumt im Takt.

1992, Frankfurt, "Rock gegen Rechts"-Konzert während der Lichterketten-Zeit in Deutschland: "Kristallnaach". Dem Lied gewordenen Zornesgewitter, frei von Plattitüden, reich an surrealistischen Bildern, fehlt beim Hessentag allerdings etwas der Biss. Das Keyboard-Stakkato von Michael Nass kann die druckvollen Power-Akkorde des für BAP lange stilprägenden, 1999 gegangenen Gitarristen Klaus "Major" Heuser nicht ganz ersetzen. Dafür trommelt sich Jürgen Zöller die Seele aus dem Leib.

Zwei Lieder lang dümpelt die Band durch lyrisches Flachwasser, aber das ist "Halv su wild" (halb so wild), denn "Aff un zo" (ab und zu) darf sich das ein Texter vom Range Niedeckens erlauben. Zumal Ersteres immerhin charmant die Mutmach-Sprüche von Niedeckens Frau aneinanderreiht und Letzteres im sanften Reggae-Rhythmus wunderbar zum entspannten Hessentags-Sommerabend passt.

Neues folgt Altem

Bei "Morje frö doheim" von "Radio Pandora" (2008) ist Niedecken auch wieder textlich voll auf der Höhe. Songs über Fernfahrer – und keine besonders guten – schreibt in Deutschland sonst nur Johnny Hill. Nimmt sich Edelfeder Niedecken des vernachlässigten Sujets an, wird eine pointiert erzählte, anrührende Geschichte eines sympathischen Verlierers daraus, dessen Leben nicht die erhoffte Route genommen hat.

Die Liedauswahl in "Orschel" – die richtige Aussprache bekommt der BAP-Frontmann nach mehreren Anläufen in den Überleitungen schließlich hin – pendelt zwischen Party und Politik. Das neu geschriebene "Karl-Heinz" geht nahtlos in den Klassiker "Waschsalon" über, beide vereint in dreckiger Rock’n’Roll-Schlichtheit. Krumminga lässt die Telecaster jaulen, dass Chuck Berry stolz wäre. Dann wieder tritt der humanitäre Überzeugungstäter Niedecken auf die "Spaßbremse" (O-Ton Niedecken) um "Noh Gulu" anzustimmen, ein bedrückendes Lied über einen ugandischen Kindersoldaten und Ausdruck seines Engagement für das Hilfsprojekt "Rebound".

Das Publikum macht mit

BAP spielt über drei Stunden – inklusive spendablem Zugabe-Teil – mit Elan, ja Hingabe. Das Publikum revanchiert sich mit interaktiven Höchstleistungen trotz Gewächshaustemperaturen: Es klatscht taktsicher und singt textsicher die Stücke im kölschen Dialekt mit – den Refrain vom "Jraaduss" von der frühen "Für Usszeschnigge" (1981) sogar alleine.

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