Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Bürger arbeiten bei Bahn-Einwänden mit

Von Zwölf Seiten lang ist die Liste von Einwendungen, die die Stadt Karben wohl zum viergleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke vorbringen wird. Dabei konnten die Bürger direkt und unkompliziert mitsprechen.
Die massiven Spindeln der neuen Fußgängerbrücke passen nicht zum Ortsbild, sagt Ekkehart Böing. Deshalb wünscht sich die Stadt eine Unterführung am Spitzacker. Foto: Pfeiffer-Goldmann Die massiven Spindeln der neuen Fußgängerbrücke passen nicht zum Ortsbild, sagt Ekkehart Böing. Deshalb wünscht sich die Stadt eine Unterführung am Spitzacker. Foto: Pfeiffer-Goldmann

Bei Christian Böhm rauschen die Züge neben Wohnzimmer und Garten vorbei. Im elterlichen Haus in Okarben wohnt er mit Frau und Tochter. Bald soll eine mehrere Meter hohe Wand die Bahn vom Grundstück abschirmen.


Das macht es zwar ruhiger. Doch droht ein erdrückendes Bauwerk, das Schatten in den Garten würfe. Zwei Seelen wohnen daher in seiner Brust, als Christian Böhm an diesem Abend im Infrastrukturausschuss verfolgt, wie Stadtplaner Ekkehart Böing die Kritikpunkte erläutert, die die Stadt zum viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn von Bad Vilbel bis Friedberg vorbringt.

"Wir wollen den S-Bahn-Ausbau nicht verhindern", sagt Bürgermeister Guido Rahn (CDU). "Aber wir müssen die Interessen unserer Bürger wahren."

Straßenlärm einbeziehen

Ein Gutachter hatte die Bahn-Pläne untersucht (die FNP berichtete). Seine Kritik ist nun die Basis:

- Am Straßberg in Okarben hätte die Stadt die Lärmschutzwand gerne westlich der B 3 gebaut, dafür den Gesamtlärmpegel kalkuliert. Andernfalls befürchtet sie, dass der Straßenlärm von den Lärmschutzwänden neben der Bahn ins Wohngebiet zurückgeworfen wird. Auch am Baugebiet Sauerborn in Kloppenheim soll deshalb die Lärmschutzwand der Straße bis auf die Bahnbrücke verlängert werden.

- Wo wie in Okarben und Kloppenheim Straßen parallel zur Bahn verlaufen, sollen Schutzwände auch auf der Außenseite lärmabsorbierende Oberflächen erhalten.

- Für mindestens vier Häuser in Kloppenheim soll die Bahn höhere Ausgleichzahlungen leisten, weil der Lärm auf den dortigen Balkonen und Terrassen nur baulich – etwa durch Wintergärten – unter die Grenzwerte gesenkt werden könne.

- Der Neubau der Brücke der L 3205 zwischen B 3 und Bahnhofstraße dürfe erst errichtet werden, wenn die Nordumgehung als Umleitung zur Verfügung stehe. Mit einer allgemeinen Formulierung, wonach die Bahn eine Umfahrung – etwa via Behelfsbrücke – sicherstellen solle, blitzten die Grünen ab.

- Den Neubau der Fußgängerbrücke zwischen Spitzacker und Okarben lehnt die Stadt ab, weil er "aufgrund der Massivität" mit zwei 142 Meter langen Spindeln nicht ins dörfliche Ortsbild passe. Lieber hätte sie dort eine Unterführung.

- Mehr Lärmschutz fordert die Stadt für die mehrgeschossigen Gebäude Am tiefen Born in Okarben. Die schalltechnische Untersuchung solle überarbeitet werden.

- Das als Mischgebiet eingestufte Berufsbildungswerk Südhessen solle als Schule berücksichtigt werden, so wie bei der Nordumgehung. So gibt‘s mehr Lärmschutz.

- Das "besonders überwachte Gleis" soll bis südlich der Kloppenheimer Kleingärten verlängert werden. Dabei fahren Testzüge zweimal pro Jahr und die Schienen werden, falls nötig, glatt geschliffen. Das reduziert laut Bahn Rollgeräusche der Züge erheblich.

- Fürs Naturschutzgebiet südlich von Kloppenheim fordert die Stadt, statt eines 20 Meter breiten Bahndamms eine Stützmauer zu bauen, die das Areal nur fünf Meter tief beeinträchtigt. Das sehe auch die Untere Naturschutzbehörde so.

- Wo möglich wünscht sich die Stadt höhere Mittelwände zwischen Fern- und S-Bahn-Gleisen, damit die Außenwände der (leiseren) S-Bahn zu den Ortslagen niedriger ausfallen könnten. "Das wäre gut fürs Ortsbild", sagt Böing. Zudem möchte die Stadt gerne beim Begrünen der Wände mitreden.

Neue Methoden nutzen

Diese Forderung von Michael Schmidt (SPD) findet einhellig Zustimmung. Zwischen Marienbader Straße und Heilighäuser Ring wünscht sich die Stadt außerdem transparente Schallschutzwände.

Da hört Christian Böhm genau hin. Als Böing erklärt, man wolle den Bau von niedrigen "Gabionenwänden" fordern, falls diese bis dahin als Lärmschutzmaßnahmen genehmigt seien, meldet er sich zu Wort: "Vielleicht sollte man das allgemeiner fassen, falls sich noch andere Methoden ergeben."

In der Tat: Bis die Bahn wirklich baue, könne es noch dauern, schätzt Planer Böing. "Das kennen wir ja aus dem ersten Bauabschnitt." Also heben sich die Hände aller Politiker auch für Böhms Vorschlag.

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz

© 2017 Frankfurter Neue Presse