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Der Gast an sich ist freundlich

Von Er wird – Stand Freitagabend – als Hessentag des Lächelns in der Geschichtsschreibung zu finden sein. Und als Landesfest, das bereits am Freitag vor seinem Ausklang die Millionenmarke an Besuchern deutlich knackte. Der Hessentag in Oberursel – ein (schmunzelnder) Rückblick.
Ein Schauer – na und? Das galt offensichtlich auch für die Landfrauen aus Mensfelden bei Limburg.	Foto: dpa Ein Schauer – na und? Das galt offensichtlich auch für die Landfrauen aus Mensfelden bei Limburg. Foto: dpa

Der Frankfurter an sich ist nicht gerade dafür bekannt, der Mainmetropole untreu zu werden. Ein bisschen Taunusluft schnuppern am Wochenende macht Appetit, gegessen wird Zuhause. Will sagen: Frankfurt geht auch in Frankfurt aus.

Seit Freitag, 10. Juni, ist eine neue Zeitrechnung angebrochen. Frankfurt hat Oberursel, genauer den Hessentag entdeckt. Nie war im beschaulichen "Orschel" das "F" auf Kennzeichen öfter zu lesen wie in der vergangenen Woche; selten die S- und U-Bahnen so voll in Richtung Taunus.

Warum? Weil die beiden Kommunen so gegensätzlich sind und sich deshalb anziehen – gut, vielleicht auch, weil es nur wenige Hüpfer von der einen zur anderen Stadt sind. Vor allem aber, weil der Hessentag lächeln macht.

Freundlich ist der Besucher. Gut gelaunt. Friedlich. Sehen wir von den paar Trinkfesten ab, die sich noch des Morgens in Büschen räkelten, der eine oder andere, dem des Nächsten Portemonnaie näher war als sein eigenes oder der Berufsnörgler, dem das eine zu laut, das andere zu leise, dieses zu klein, das andere zu wenig war.

Eine Million Besucher, 999 999 Lächeln. Manchmal, weil der Besucher sich über 1000 Angebote und Veranstaltungen freute, manchmal, weil von den vielen Bühnen die (nicht immer den Namen verdienenden) Künstler dafür sorgten.

Ungetrübter Fest-Genuss

Manches Schmunzeln dürfte auch nicht ganz bewusst ausgelöst worden sein. Bei den vielen Größen aus Politik und Wirtschaft, die gerne diese Plattform für Werbung nutzen, stießen nicht alle Aussagen auf Volkes Zustimmung. Immerhin konnte Ministerpräsident Volker Bouffier guten Herzens behaupten, dass Oberursel den besten Hessentag ausgerichtet hat, den er im Amt erlebt hat. War auch sein erster. Und der ehemalige Kultusminister Jürgen Banzer nutzte den Hessentag, um seinen Hut als Kreistagschef im Hochtaunus in den Ring zu werfen.

Die vielen hundert Einsätze der Rettungskräfte (genaue Zahlen stecken noch in so manchem Computer) zwischen Pflästerchen und Herzinfarkt sprengen den Rahmen einer Großveranstaltung nicht. Im Gegenteil: Polizei und Sicherheitskräfte waren schon fast mehr auf Bühnen zu Interviews als in Einsätzen zu sehen. Denn selbst die Kriminalität blieb bei diesem Hessentag auf der Strecke.

Man wurde als Besucher gezwungen, Fan zu sein von Hessentagen. Fan der vielen kleinen Höhepunkte auf Nebenbühnen und Hinterhöfen, Fan der großen Konzerte zwischen Juli und Linkin Park, die morgen noch für den dröhnenden Abschluss sorgen. Kleinkunst und Massenkreischen.

Besucherzahlen sind kein Anhaltspunkt für die Qualität eines Hessentags, schon eher für die Erreichbarkeit. Hier punktete Oberursel. Und so kamen die Nordhessen ebenso in den mittleren Süden, wie die Frankfurter. Morgen wird’s nicht viel anders sein, wenn der eigentliche Höhepunkt, der Umzug aller Hessen, um 13 Uhr den Querschnitt zeigt, der Hessen prägt.

Der Kehraus beginnt übermorgen. Ab 0.00 Uhr. Und für Oberursel wird dann wieder Normalität einziehen. Wobei: Nichts mehr wird so sein wie zuvor. Und wenn es nur der Bahnhof ist . . .

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