Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Der Hessentag ist sein Revier

Normalerweise laufen sie in der Innenstadt Streife oder filzen Verdächtige. Diese Woche aber steht für 15 Beamte der Frankfurter Polizei Theken- und Fahrdienst auf dem Plan. Auf dem Hessentag.
Blitzt sonst in Frankfurt Raser, macht in Oberursel den Chauffeur: Klaus Botthof. Blitzt sonst in Frankfurt Raser, macht in Oberursel den Chauffeur: Klaus Botthof.

Im "Polizei Bistro" auf dem Hessentag ist rund um die Uhr Betrieb. Vormittags sind täglich um die 100 Schüler zu betreuen, abends feiern die Erwachsenen kräftig Party. Viele von ihnen werden gar nicht ahnen, dass alle 68 Helfer um sie herum Mitarbeiter der hessischen Polizei sind. 15 von ihnen haben ihre Dienststellen in Frankfurt.

"Viele fragen, ob wir wirklich Polizisten sind", erzählt Hauptkommissar und Einsatz-Koordinator Micha Lirsch. "Die Leute nehmen uns in der roten Jacke wohl nicht als solche wahr." Die Landespolizei macht seit 22 Jahren auf dem Hessentag Programm. Für die Beamten sind die jährlichen Einsätze ein echtes Kontrastprogramm zum normalen Dienstalltag.

Durchaus anstrengend

"Das ist hier ziemlich harte körperliche Arbeit", weiß Alexander Kotke (28), der gerade an der Außentheke des Bistros bedient. Normalerweise geht er in der City Streife, überprüft Passanten auf Betäubungsmittel und ihre Aufenthaltserlaubnis. Ein spannender Job, aber natürlich gibt es immer mal Ärger. "Das hier ist ein Ausgleich zum normalen Alltag", so Kotke. Zumal sich die Besucher im großen Polizei-Zelt normalerweise bestgelaunt, aber immer doch manierlich geben. "Sie wissen natürlich, wo sie hier sind", sagt Kotke.

"In Frankfurt habe ich es oft mit Leuten aus dem Rotlicht-Milieu zu tun. Hier begegnet einem natürlich mehr Freundlichkeit", sagt Streifenpolizist Stefan Helbig (33), normalerweise auf dem 4. Revier zuständig für das Bahnhofsviertel und Gallus. Nichtsdestotrotz sei der Thekendienst auf dem Hessentag "ganz schön stressig".

Das bestätigt Thomas Günther. Der 33-Jährige ist ebenfalls Polizeibeamter im Bahnhofsviertel. Dass er auf dem Hessentag von vormittags bis weit nach Mitternacht arbeitet, macht ihm nichts aus: "Wir haben ja normalerweise auch Schichtdienst, das sind wir gewöhnt", zuckt der Polizeikommissar die Schultern. Der vorübergehende Berufswechsel macht ihn nachdenklich: "Auf Dauer wäre das Kellnern aber nichts für mich."

Beide Polizisten unterstehen für die Dauer des Hessentags Thekenchefin Vanessa Korngiebel (36). Sie ist im wirklichen Leben Sachbearbeiterin auf der Leitstelle im Frankfurter Polizeipräsidium. "Normalerweise koordiniere ich die Jungs von der Leitstelle aus, hier schicke ich sie hinter der Theke hin und her."

Große Klassenfahrt

Klaus Botthof (43) ist sonst im Verkehrsdienst tätig und regelt im Bedarfsfall auch schon einmal den Verkehr auf Frankfurter Kreuzungen. "Außerdem blitze ich", so Botthof. Auf dem Hessentag fährt er selbst, holt die Schüler ab und bringt sie nach Hause. Das ist für den Verkehrsspezialisten selbstverständlich. Mit dem großen Polizeibus, der Platz für 46 Fahrgäste bietet, kurvt er bis nach Limburg, um die Gäste einzusammeln.

Nachts bringt er seine Kollegen zurück zur Unterkunft im Oberurseler Ortsteil Oberstedten, in der die freiwilligen Hessentagshelfer für die Zeit des Riesenfestes untergebracht sind. "Man kommt sich ein bisschen vor wie auf einer Klassenfahrt", scherzt Botthof. aze

Zur Startseite Mehr aus Themen von A bis Z

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz

© 2017 Frankfurter Neue Presse