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Der Protest organisiert sich

Von Das neue Aktionsbündnis gegen den Ausbau der Main-Weser-Bahn bietet Betroffenen Unterstützung an. Von ihm ließen sich gut 120 Menschen am Donnerstagabend in Bad Vilbel Erklärungen geben. Unklar bleibt: Ist der Ausbau der S-Bahn-Strecke nun Fluch oder Segen für die Wetterau?
Informationen erwünscht: Bürger tragen sich in die Adresslisten des neuen Aktionsbündnisses gegen den Bahn-Ausbau zwischen Frankfurt und Friedberg ein. Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann Bilder > Informationen erwünscht: Bürger tragen sich in die Adresslisten des neuen Aktionsbündnisses gegen den Bahn-Ausbau zwischen Frankfurt und Friedberg ein. Fotos: Dennis Pfeiffer-Goldmann

"Wir werden Einspruch einlegen." Für Michael Rohde aus Okarben ist das ausgemachte Sache. Er sitzt in der Versammlung, zu der das neue Frankfurter Aktionsbündnis "Bahn-Ausbau nur anwohnerkonform naturverträglich erschütterungsfrei" nach Dortelweil eingeladen hat. Rund 120 Menschen sind ins Sport- und Kulturforum gekommen.

Die Frankfurter berichten ihren Nachbarn im Norden, wie sie selbst den viergleisigen Ausbau seit 2004 blockieren. "Wir wollen denjenigen unter die Arme greifen, die unterstützt werden wollen", erklärt Michael Hub aus Eschersheim. Für den auf 180 Millionen Euro taxierten Abschnitt von Bad Vilbel bis Friedberg können noch bis zum 10. Oktober Einwendungen gemacht werden (die FNP berichtete). "Danach gibt es keine Möglichkeit mehr", sagt Hub.

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Froh über die Hilfe

Über die Hilfe sind viele Anwesende froh. So wie Ingrid und Michael Rohde. Sie wohnen fast direkt an der Bahnlinie, nur die Bundesstraße liegt dazwischen. "Wir gehen davon aus, dass mehr Lärm der B 3 durch die Lärmschutzwände der Bahn zu uns zurückgeworfen wird", sagt er. Wenn der Güterverkehr zunehme, "dann haben wir nachts noch weniger Ruhe".

Das ist das zentrale Argument des Aktionsbündnisses: "Der S 6-Ausbau ist nur ein Vorwand", behauptet Vorsitzende Andrea Volkwein aus Eschersheim. Die Bahn wolle die Strecke zur Güterzugmagistrale ausbauen. Für das 600-Millionen-Euro-Projekt habe sie rechtswidrig keine Varianten geprüft und wolle Landesgelder zweckentfremden. "Wir müssen die gravierenden Einschnitte auf unser Umfeld und unsere Gesundheit verhindern."

"Die Bürger werden für dumm verkauft", wirft Hub Bahn und Politik vor. Selbst das Umweltbundesamt (UBA) sehe "bis zu 200 Güterzüge täglich" für die Jahre 2025/2030 vorher.

Falsch sei auch, dass es Lärmschutz nur mit dem Ausbau gebe, sagt er: 2002 sei die Strecke im Lärmsanierungsprogramm der Bundesregierung enthalten gewesen. Ohne den Ausbau "hätten die Bürger wahrscheinlich heute längst Schallschutz".

Entgegen den Darstellungen Hubs erklärt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seit langem, dass er die S-Bahn aufstocken will: zwischen Karben und Friedberg vom 30- auf den 15-Minuten-Takt. Dort sind bisher 83 Züge pro Tag unterwegs. Pünktlich fährt die S 6 unter anderem, weil am Westbahnhof seit vielen Jahren im Fahrplan ein Verspätungspuffer von bis zu sechs Minuten einkalkuliert ist. Die von Hub zitierte UBA-Studie spricht von 110 Güterzügen im Jahr 2025 und führt weitere 90 als "zusätzlich mögliche Kapazitäten" auf.

Lärmschutz oder nicht?

Klaus Tille aus Dortelweil sind solche Details aufgefallen. Manches sei etwas ungenau dargestellt, viele Argumente des Aktionsbündnisses klängen jedoch stimmig, sagt er. Seine Stimmung sei ambivalent: "Ohne den Ausbau könnte der Güterverkehr trotzdem zunehmen", schließlich führen heute nachts noch nicht so viele Züge wie am Tag.

Lärmschutz ist Klaus Tille wichtig: Er wohnt 30 Meter von der Bahnlinie entfernt. Eine Einwendung werde er deshalb auf jeden Fall machen. Doch "wenn wir den Ausbau stoppen, bekommen wir auch keinen Lärmschutz", fürchtet er. Denn auf eine freiwillige Lärmsanierung des Bundes "werden wir ewig warten."

Ob der Lärmschutz mit dem Ausbau wirklich kommt und ob die Pläne der Bahn korrekt sind, überprüft derzeit ein unabhängiger Experte: Unter Führung der Stadt Karben haben die Anrainerkommunen einen Gutachter mit dem Sichten der 19 Aktenordner beauftragt.

Darauf wartet das Aktionsbündnis nicht. "Egal wo der Ausbau gestoppt wird, damit ist er gestoppt", erklärt Michael Hub. Nachdem "die Stimmen des Protests leiser geworden" seien, wolle man nun die Schlagkraft erhöhen, ergänzt Andrea Volkwein. Der scheint zu gelingen: Nach dem Abend vermeldet das Bündnis nun 50 statt zuvor zehn Mitglieder.

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