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Die neuen Damen kommen

Von Wenn 3000 Frauen zusammenkommen , haben Männer nicht mehr viel zu bestellen. Eine Rede durfte Hessens Ministerpräsident dennoch beim Landfrauentag halten und dabei ein interessantes Angebot machen.
60 Jahre Frauenmode: Der Landfrauentag beim Hessentag war einer der Höhepunkte, schließlich ist die Vereinigung von Anfang an bei den hessischen Festen dabei.	Foto: Reichwein 60 Jahre Frauenmode: Der Landfrauentag beim Hessentag war einer der Höhepunkte, schließlich ist die Vereinigung von Anfang an bei den hessischen Festen dabei. Foto: Reichwein

Landfrauen in Mini-Rock sieht man heutzutage wohl nicht alle Tage. Und auch Gerlinde dürfte das knappe Bekleidungsstück, das einst zehn Zentimeter über dem Knie endete und das von dem Bohnenstangen-Model Twiggy in den 60er-Jahren berühmt gemacht wurde, schon längere Zeit nicht mehr getragen haben. Dasselbe gilt für das blaue Kleid mit der weißen Schürze und dem weißen Häubchen, in das früher die Schülerinnen der landwirtschaftlichen Schule in Usingen gekleidet waren, es ist schon eine kleine Ewigkeit nicht mehr in Gebrauch.

Ganz zu schweigen von dem eierschalenfarbenen Hochzeits-Traum aus den 50er-Jahren. "Das soll keine 100 Mark gekostet haben", verriet Bärbel Osietzki, bevor sie zusammen mit den zwölf "Models" durch das riesige Zelt "An den Drei Hasen" zog.

Es ist zugleich das Ende der Modenschau des Bezirkslandfrauenvereins Usingen-Hochtaunus. Und der zählte sicher zu den Höhepunkten des Landfrauentags beim Landesfest in Oberursel. Zumindest sind die 3000 Frauen und das kleine Häufchen der Herren hellauf begeistert von der Präsentation der Originalstücke aus den 50er-, 60er- und 70-er Jahren, die sie gerade in einer witzigen und überaus stimmigen Show gesehen hatten.

Pech also für Volker Bouffier, dass er diesen Teil der Veranstaltung und damit wohl einige Deja-vu-Erlebnisse verpasst hat. Aber auch so dürfte der CDU-Ministerpräsident, der nebst Gattin und einigen Ministern der hessischen Landesregierung nach Oberursel gekommen ist, genügend "Frauen-Power" erlebt haben, wie Charmaine Weisenbach, weiblicher Teil des Hessentagspaares, das Treffen charakterisierte.

In seiner Rede zeigt sich Bouffier auf jeden Fall sichtlich beeindruckt von dem personellen Aufgebot des größten Frauenverbandes in Hessen mit seinen 40 Bezirks- und 800 Ortsvereinen, in denen rund 53 000 Frauen organisiert sind. "Eine eindrucksvolle Demonstration einer der großartigsten Verbände", zollt Bouffier den Damen, die mit über 100 Bussen angereist waren, artig seinen Respekt. Die Landfrauen seien ein Bestandteil des Hessentags, erinnert er daran, dass der Verband schon beim ersten Landesfest im Jahr 1961 mit an Bord war. Mittlerweile seien die Frauen weit über den ländlichen Raum hinaus aktiv und verzeichneten steigende Mitgliederzahlen.

Bouffier klammert aber auch die Probleme nicht aus, unter denen der ländliche Raum leidet. Angesichts der demografischen Entwicklung und dem Trend zu den Ballungszentren gelte es, das Land zukunftsfähig zu machen. Dies will der CDU-Politiker mit einer Hessenstiftung erreichen, für die er die Landfrauen als "Premium-Partner" gewinnen möchte. Diese soll finanziell und auch verwaltungstechnisch Initiativen unterstützen, um etwa Geschäfte zu erhalten oder kulturelle Angebote zu schaffen. Start der Stiftung sei diesen Herbst.

A pro pos kulturell. Beim Landfrauentag demonstrierten die gastgebenden Usingen-Hochtaunus-Frauen, welches Potenzial anscheinend in den Damen vom Land schlummert. Für die wichtigste Veranstaltung des Jahres ihres Verbandes legten sie sich auf jeden Fall ganz schön ins Zeug. Unmittelbar nach dem Hessentag 2010 in Stadtallendorf habe man mit den Vorbereitungen begonnen, erzählt Edith Sorg Emmerich, Vorsitzende des Bezirks Usingen-Hochtaunus am Rande des Treffens.

Aus 60 Frauen aus den elf Ortsvereinen wurde ein Landfrauenchor unter der Leitung von Gunther Gräfe aus Wehrheim gebildet, der getreu des Landfrauentag-Mottos "Miteinander – oder gar nicht" das Rahmenprogramm mitgestaltete. Und für das Landfrauencafé stellten sich die Mitglieder an den heimischen Backofen und fabrizierten in Eigenarbeit 150 Kuchen. Außerdem lassen sie von den Vorbereitungen und vom Landfrauentag selbst einen Film produzieren, der beim 60-jährigen Jubiläum am 30. Oktober gezeigt werden soll.

Nicht zu vergessen natürlich die Modenschau. "Wir haben 30 Kleider bekommen, die unsere Mitglieder noch zu Hause hatten", sagt Bärbel Osietzki. Einige hätten die Damen früher noch selbst getragen. Sie selbst habe von ihrer Mutter vier Kleider bekommen. "Problem war nur, Models zu finden, denen die Kleider noch passten."

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